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Katholische Kirche - Missbrauchsvorwürfe in anderen Ländern

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Hunderttausende Missbrauchsvorwürfe: Die katholische Kirche ist mit den Straftaten unzähliger Geistlicher konfrontiert. Verteilt über den ganzen Globus. Ein Überblick.

Polen - Missbrauch in der katholischen Kirche - Kinderschuhe auf Geländer
Protestaktion gegen die katholische Kirche in Polen.
Quelle: imago

Deutschland, Australien, Frankreich, Irland, die USA oder Chile - wohin man schaut, finden sich tausendfache Missbrauchsvorwürfe gegen die katholische Kirche. Die Aufarbeitung wird als unzureichend kritisiert. Auch Papst Franziskus ist unter Druck.

USA

  • Zwischen 1950 und 2013 gab es in der katholischen Kirche der USA 17.000 Beschwerden wegen sexueller Gewalt. Die Vorwürfe reichten zurück auf die Zeit von 1950 bis 1980 und richteten sich gegen rund 6.400 Geistliche. Experten bezifferten im Jahr 2012 die Zahl der minderjährigen Opfer auf schätzungsweise 100.000.
  • Die Bischofskonferenz in den USA kündigte im September die Einrichtung einer Melde-Hotline an, über die Missbrauchsfälle angezeigt und rasch zur Strafverfolgung gebracht werden sollten. Zudem soll ein neuer Verhaltenskodex für Bischöfe zum Thema sexueller Missbrauch erarbeitet werden.

Chile

  • Die Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen sorgt in der katholischen Kirche in Chile seit Monaten für Aufruhr. Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen katholische Geistliche und andere Kirchenvertreter verdreifachte sich binnen weniger Wochen bis Ende August auf 119. Ermittelt wird gegen 167 Verdächtige, darunter 96 Priester.
  • Papst Franziskus zog Kritik auf sich, als er während seiner Chile-Reise im Januar dem umstrittenen Bischof Juan Barros Rückendeckung gab. Barros soll in den 1980er und 1990er Jahren einen pädophilen Priester gedeckt haben. Inzwischen trat Barros von seinem Kirchenamt zurück - genau wie zahlreiche weitere chilenische Bischöfe.
  • Die Bischofskonferenz des Landes bat die Opfer im August um Verzeihung. Sie kündigte an, ab sofort in Missbrauchsfällen eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten und die Ermittlungen öffentlich zu machen.

Australien

  • Eine Forderung des im Dezember vorgelegten Untersuchungsberichts zielte auf eine Lockerung des Beichtgeheimnisses ab: Priester, denen Missbrauch gebeichtet werde, sollten künftig von ihrem Schweigegelübde befreit werden.
  • Die Bischofskonferenz des Landes bezeichnete dies jedoch Ende August als "nicht verhandelbar". Die Kirchenführung gelobte jedoch, dass sich die "schändliche" Geschichte des Kindesmissbrauchs nicht mehr wiederholen dürfe.

Frankreich

  • Der ranghöchste katholische Geistliche, der sich im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen in Frankreich vor Gericht verantworten muss, ist Kardinal Philippe Barbarin. Ihm wird vorgeworfen, in den 1980er Jahren sexuelle Übergriffe eines Priesters gegen Minderjährige gedeckt zu haben. Der Priester soll rund 70 Pfadfinder missbraucht haben - wurde aber erst Ende August 2015 seines Amtes enthoben. Die Affäre löste eine Debatte über den Umgang der Kirche mit pädophilen Priestern in Frankreich aus.

Irland

  • In Irland gibt es seit Jahrzehnten Vorwürfe des Kindesmissbrauchs in katholischen Einrichtungen. Die Zahl der minderjährigen Opfer wird auf rund 14.500 geschätzt. Mehrere Bischöfe und Priester wurden wegen sexueller Gewalt oder wegen Vertuschung solcher Taten bereits bestraft. Die Missbrauchsaffären bescherten der einstmals mächtigen katholischen Kirche in Irland einen dramatischen Vertrauensverlust.
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