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Vorwürfe gegen Richterkandidaten - Die Wut der Frauen

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Die Entscheidung, ob Brett Kavanaugh ins oberste US-Gericht kommt, steht kurz bevor. Der Skandal um ihn hat erbitterte Gegnerinnen und überzeugte Befürworterinnen aktiviert.

Demonstranten protestieren im Atrium des Senate Office Buildings gegen die Ernennung des Kandidaten Kavanaugh an den Obersten Gerichtshof, den Supreme Court. Aufgenommen am 04.10.2018 in Washington
Frauen protestieren in Washington gegen Kavanaugh Quelle: dpa

"Es war ein absoluter Tiefpunkt. Eine unerträgliche Show." Megan Kennedy hat sich - wie 20 Millionen Amerikaner - vergangene Woche die Anhörung Brett Kavanaughs live im Fernsehen angesehen: den aggressiven, wütenden Auftritt des Mannes, der sich für den obersten Gerichtshof bewirbt. Und die Zeugenaussage der Frau, die ihn beschuldigt, sie vor mehr als 30 Jahren sexuell belästigt zu haben: Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford.

"Irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr ertragen", sagt Megan. Sie schaltete den Fernseher aus und machte sich mit zwei anderen Frauen auf den Weg nach Washington. "Wir wollten zu den Demonstrationen gehen, irgendetwas tun. Die 70-jährige Nachbarin meiner Freundin erzählte uns auf der Fahrt, dass sie vor Jahren selbst Opfer sexueller Gewalt gewesen ist. Es war furchtbar."

Frauen kochen vor Wut

In der Lobby des Senatsgebäudes trafen sie Hunderte andere Frauen, Studentinnen, ältere Frauen, prominente Aktivistinnen der #MeToo Bewegung. "Am nächsten Tag war ich dann bei einem Elternabend in der Schule. Alle, wirklich alle sprachen nur über das eine Thema. Und jede zweite Mutter sagte zu mir: Ich koche vor Wut."

Proteste bei der Anhörung von Richter Brett Kavanaugh vor dem Senat in Washington
Proteste bei der Anhörung von Brett Kavanaugh vor dem Senat in Washington. (Archivbild) Quelle: reuters

Der Senat sollte in dieser Woche Präsident Trumps Kandidaten für das oberste Richteramt bestätigen. Stattdessen untersuchte zunächst das FBI die Missbrauchs-Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh. "Es sind unheimliche Zeiten in Amerika angebrochen für junge Männer", so formulierte es gerade Präsident Trump. "Sie können jederzeit für schuldig erklärt werden, obwohl sie eigentlich unschuldig sind."

"So sind Männer manchmal"

"Ich weiß nicht, ob er schuldig oder unschuldig ist", sagt Joanna. Die Hausfrau aus New York meint: "Ich verstehe vollkommen, dass Kavanaugh wütend ist. Seine Familie, sein guter Name wurden in den Dreck gezogen. Das Ganze ist doch eine von den Demokraten angezettelte Schmierenkampagne". Bei der Wahl vor zwei Jahren hat sie für Trump gestimmt. "Es ist doch komisch, dass die Frau sich ausgerechnet jetzt, nach mehr als 30 Jahren, meldet. Das ist ewig her. Beide waren Teenager. Auf der Party gab es Alkohol. Da werden Männer schonmal aufdringlich", sagt die 40-jährige Mutter und fügt hinzu: "Natürlich hoffe ich, dass meiner Tochter so etwas niemals passiert".

Laut einer Umfrage befürworten 69 Prozent der Frauen, die wie Joanna republikanisch-konservativ wählen, die Ernennung Brett Kavanaughs zum obersten Richter. Trotz der Anschuldigungen, trotz der offenen Fragen, trotz neuer Zeugenaussagen, trotz des aggressiv-aufbrausenden Verhaltens von Brett Kavanaugh vor dem Justizausschuss.

Trumps Vertraute Kellyanne Conway hat gerade öffentlich gemacht, dass auch sie vor Jahren Opfer sexueller Gewalt war. Missbrauchsvorwürfe dürften aber nicht als Waffe in parteipolitischen Gefechten genutzt werden, warnt sie.

Machtpolitik der alten, weißen Männer

"Es geht doch längst nicht mehr darum, ob Brett Kavanaugh Christine Blasey Ford sexuell belästigt hat, ob er an Komabesäufnissen teilgenommen oder im Justizausschuss gelogen hat", sagt Linda Fittante, Fotografin aus Brooklyn. "Es geht nur noch um nackte Machtpolitik. Die alten weißen Männer, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, haben panische Angst davor, diese Macht zu verlieren."

Zum Beispiel bei den anstehenden Kongresswahlen im November. Im Repräsentantenhaus stehen 435 Sitze zur Wahl, im Senat werden ein Drittel der Senatorenposten neu vergeben. Noch haben die Republikaner in beiden Kammern eine Mehrheit, aber die ist knapp. "Der Skandal um den obersten Richterposten hat die Frauen überall im Land aufgerüttelt. Sie werden in Massen an die Wahlurnen strömen", glaubt Linda. "Wann, wenn nicht jetzt ist die Zeit, das Ruder herumzureißen?"

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