Sie sind hier:

Missbrauchsskandal - Papst entlässt früheren Erzbischof

Datum:

Er war einer der einflussreichsten Kirchenmänner der USA: Nun ist der frühere Erzbischof von Washington wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand verbannt worden.

Papst Franziskus hat den früheren US-Kardinal Theodore McCarrick wegen eines Missbrauchsskandals aus seinem Priesterstand entlassen. Die Höchststrafe für Geistliche im Kirchenrecht.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Theodore McCarrick
Theodore McCarrick
Quelle: Andrew Medichini/AP/dpa

Vor einem Vatikan-Spitzentreffen über Missbrauchsfälle hat Papst Franziskus den emeritierten Erzbischof von Washington wegen sexueller Vergehen aus dem Priesterstand entlassen. Theodore McCarrick sei des sexuellen Fehlverhaltens im Umgang mit Minderjährigen und Erwachsenen schuldig befunden worden, so der Vatikan.

Die Versetzung in den Laienstand ist eine der härtesten Strafen für Geistliche. Der Vatikan hatte McCarrick bereits im Sommer die Erlaubnis entzogen, Gottesdienste zu feiern.

McCarrick wurde in seiner Heimat vorgeworfen, Minderjährige und Priesteranwärter missbraucht zu haben. Im Zuge des Skandals war auch sein Nachfolger, Kardinal Donald Wuerl, zurückgetreten.

Vorwürfe gegenüber Papst Franziskus

In der Affäre war auch Franziskus in die Kritik geraten. Der konservative Erzbischof Carlo Maria Viganò hielt dem Pontifex vor, die Vorwürfe gegen McCarrick lange ignoriert und Sanktionen gegen diesen gar rückgängig gemacht zu haben. Der Heilige Stuhl war nach eigenen Angaben im September 2017 vom Erzbistum New York informiert worden, dass ein Mann McCarrick beschuldigt hatte, ihn in den 1970er Jahren missbraucht zu haben.

Im Sommer 2018 hatte die Staatsanwaltschaft des US-Staats Pennsylvania einen großangelegten Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche der USA offengelegt: Mehr als 300 Priester sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Weitere Fälle wurden in anderen Bundesstaaten aufgedeckt.

Der Ponifex hat die Spitzen der Bischofskonferenzen aus aller Welt vom 21. bis 24. Februar in den Vatikan einberufen, um über die zahlreichen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu sprechen. Bei dem Treffen solle es zu allererst darum gehen, ein Bewusstsein für das "Drama" zu schaffen, hatte Franziskus gesagt.

Missbrauchsopfer äußerte sich erleichtert

Eines der Missbrauchsopfer des ehemaligen US-Kardinals Theodore McCarrick hat sich erleichtert über dessen Entlassung geäußert. Seine Kindheit werde er zwar nicht zurückbekommen, aber: "Heute bin ich glücklich, dass der Papst mir geglaubt hat", ließ James Grein am Samstag über seinen Anwalt mitteilten. Er hoffe, dass McCarrick nicht länger in der Lage sein werde, die Macht der Kirche auszunutzen, um Familien zu manipulieren und Kinder zu missbrauchen.

Grein ist der Sohn eines Freundes von McCarrick und hatte im Dezember vor einem Vatikanermittler gegen den ehemaligen Erzbischof von Washington ausgesagt. Er warf dem heute 88-Jährigen vor, ihn seit seinem elften Lebensjahr etwa 20 Jahre lang missbraucht zu haben, sogar während der Beichte. Er habe tieftraurig am Prozess gegen McCarrick teilgenommen, sagte Grein jetzt. Es sei Zeit, die Kirche zu reinigen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.