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Sexuelle Attacken - Missbrauchsvorwürfe bringen Republikaner in die Bredouille

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Roy Moore, Kandidat für den US-Senat, gerät zusehends unter Druck: Eine weitere Frau wirft dem US-Republikaner sexuellen Missbrauch vor. Es steht politisch viel auf dem Spiel.

Roy Moore am 11.11.2017
Roy Moore am 11.11.2017 Quelle: ap

Die Demokraten in Alabama wittern Morgenluft. Zwar haben sie in dem konservativen Südstaat seit 1992 keine Senatswahl mehr gewonnen. Aber durch Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den republikanischen Kandidaten Roy Moore wurden die Karten neu gemischt. Die Republikaner versuchen jetzt, ihre Felle zu retten. Unter den Chor der Kritiker mischte sich auch der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell. "Ich glaube den Frauen", sagte er am Montag und forderte Moore auf, seine Kandidatur aufzugeben. Moore wiederum konterte, indem er McConnell zum Rücktritt aufforderte.

Moores Wahlkampfteam spricht von einer "Hexenjagd"

Der 70-jährige erzkonservative Moore, ein christlicher Fundamentalist und ehemaliger Richter am Obersten Gericht Alabamas, wird beschuldigt, vor rund 40 Jahren ein damals 14-jähriges Mädchen sexuell belästigt und drei weiteren Teenagern nachgestellt zu haben. Er war damals ein Bezirksstaatsanwalt. Die Vorwürfe hatte kürzlich die "Washington Post" publik gemacht - nur wenige Wochen vor der Senatswahl am 12. Dezember, bei der es um die Besetzung eines Platzes geht, der durch den Wechsel von Jeff Sessions auf den Posten des Justizministers frei geworden ist. Und damit nicht genug. Am Montag kam ein weiterer Vorwurf gegen Moore hinzu, als eine Frau erklärte, Ende der 1970er Jahre von ihm mit seinem Auto mitgenommen und sexuell angegriffen worden zu sein. Sie sei damals erst 16 Jahre alt gewesen, sagte die Frau. Moore reagierte umgehend und beteuerte seine Unschuld, während er die Anschuldigungen als "Hexenjagd" abtat.

Es steht viel auf dem Spiel. Die Republikaner haben mit 52 zu 48 Mandaten nur eine knappe Mehrheit im Washingtoner Senat. Geht der Sitz an die Demokraten, wird es extrem eng. Kein Wunder also, dass der Fall das gesamte republikanische Partei-Establishment aufrüttelt. Dass McConnell und andere republikanische Parteigrößen Moore loswerden wollen, liegt aber nicht an den Missbrauchsvorwürfen allein. Bei der innerparteilichen Vorwahl im September hatte Moore seinen gemäßigteren Gegenkandidaten Luther Strange ausgebootet, einen Mann, der vom Washingtoner Establishment gestützt wurde. Moore ist dagegen bekannt für seine extremen Positionen, etwa gegen Homosexuelle und Muslime. Und zweimal war er von seinem Posten in Alabamas Supreme Court entfernt worden: einmal, weil er sich weigerte, eine steinerne Tafel mit den Zehn Geboten aus der Lobby des Gerichtsgebäudes zu entfernen, später, weil er das Urteil des höchsten US-Gerichts zur Legalisierung von Homo-Ehen einfach ignorierte.

Moore: "Washington Post" verbreitet Fake News

Es gibt eine ganze Reihe von Republikanern, die große Bauchschmerzen haben, einen solchen Mann in den US-Senat zu entsenden - aber die bisher Probleme damit hatten, gegen den Strom zu schwimmen. Diese Art von Wählern, die sich schon vorher unwohl fühlten, sind es nun, auf die es ankommt. "Die Vorwürfe (gegen Moore) geben ihnen jetzt einen Grund, gegen ihn zu stimmen oder zu Hause zu bleiben", sagt der demokratische Meinungsforscher John Anzalone. Doch die Demokraten sind noch vorsichtig. Sie versuchen erst einmal, dass die Affäre Moore ihren eigenen Lauf nimmt. Bei Wahlkampfveranstaltungen für Moores demokratischen Gegenkandidaten Doug Jones wurden die Vorwürfe nicht erwähnt.

Moore selbst kündigte bei einem Wahlkampfauftritt am Sonntagabend eine Klage gegen die "Washington Post" - mit dieser Geschichte fing es an - an und warf der Zeitung vor, "Fake News" zu verbreiten. Sich selbst stellte er als Opfer des Washingtoner Polit-Sumpfs dar, der ihn nicht im Senat wolle. Warum sonst sollten die Vorwürfe gerade jetzt publik werden?, fragte er seine Anhänger. Doch Moore ist angeschlagen und der frühere Chef der Republikanischen Partei in Alabama, Marty Connors, erwartet, dass sich die Anschuldigungen am stärksten in den Vororten auswirken - "bei den wirklich, wirklich moderaten Republikanern".

Weitere Frau mit Vorwürfen gegen Ex-US-Präsident George H.W. Bush

Eine weitere Frau hat dem früheren US-Präsidenten George H.W. Bush vorgeworfen, sie unsittlich berührt zu haben. Roslyn Corrigan sagte, sie habe im Jahr 2003 während eines Treffens von CIA-Beamten nördlich von Houston ein Foto mit Bush machen lassen. Sie sei damals 16 Jahre alt und mit ihren Eltern auf der Veranstaltung gewesen. Als das Bild aufgenommen worden sei, sei die Hand von Bush zu ihrem Po gewandert und habe zugedrückt. Ein Sprecher des früheren Staatschefs sagte, Bush habe sich bei jedem entschuldigt, den er während eines Fototermins zu nahe getreten sein könnte. Corrigan ist die fünfte Frau, die Bush - dem Vater von Ex-Präsident George W. Bush - vorwirft, sie begrapscht zu haben.

Nach einem vorherigen Grapsch-Vorwurf einer Schauspielerin Ende Oktober hatte Sprecher Jim McGrath erklärt, Bush habe niemals absichtlich Unbehagen bei jemandem auslösen wollen. Im Alter von 93 Jahren sei er seit rund fünf Jahren an den Rollstuhl gebunden, so dass seine Arme unter die Taille von Menschen fallen, mit denen er Fotos machte, hieß es damals in einer Erklärung. Um bei ihnen Gelassenheit auszulösen, erzähle Bush routinemäßig den gleichen Scherz. Gelegentlich habe er auch die Rückseite von Frauen getätschelt und dies als gutmütige Geste beabsichtigt. "Einige betrachten das als harmlos, für andere ist es offensichtlich unangemessen. Bei jedem, den der Präsident gekränkt hat, entschuldigt er sich aufrichtig."

Der ehemalige republikanische US-Präsident George W. Bush kritisiert Donald Trump harsch. Er verurteilt Trumps Politik, ohne ihn auch nur einmal beim Namen zu nennen.

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