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Sexhandel-Vorwurf gegen Milliardär - Ein selten schmutziger Fall

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Dutzende minderjährige Mädchen soll US-Milliardär Epstein in einem Sexring missbraucht haben. Durch seine Kontakte könnte sich die Affäre in einen politischen Skandal verwandeln.

Pressekonferenz zum Fall Epstein in New York: Staatsanwalt Geoffrey Berman
Pressekonferenz zum Fall Epstein in New York: Staatsanwalt Geoffrey Berman
Quelle: AP

Es ist ein dramatischer Auftritt. Jeff Berman zeigt auf ein Fotoposter neben sich, seine Stimme zittert: "Wenn Sie glauben, dass Sie ein Opfer dieses Mannes sind, dann wollen wir von Ihnen hören." Dann nennt der New Yorker Staatsanwalt die kostenlose Telefonnummer des FBI. Berman kann den Ekel nicht verbergen angesichts der Taten, die seine Behörde dem Investmentbanker und Milliardär Jeffrey Epstein vorwirft.

Epstein soll Mädchen als Sexsklaven missbraucht haben

Epstein soll über Jahre mehrere Dutzend Mädchen und junge Frauen als Sexsklaven gehalten, sie selbst missbraucht und an Bekannte und Geschäftsfreunde für Sex verliehen haben. Es könnte einer der größten Prostitutions- und Missbrauchsfälle der US-Geschichte werden, mit massiven Nebenwirkungen auch in politischen Kreisen.

Samstagnacht hatte das FBI den 66-jährigen Superreichen bei seiner Rückkehr aus Paris am Flughafen Teterboro in New Jersey verhaftet. Mit großem Aufgebot durchsuchte die Bundespolizei auch Epsteins Haus in Manhattan und fand dabei offenbar zahlreiche Fotografien mit minderjährigen Mädchen. Bei einer Verurteilung drohen dem Beschuldigten bis zu 45 Jahre Gefängnis.

Vorwürfe gab es schon einmal - und einen fragwürdigen Deal

Jeffrey Epstein in West Palm Beach, Florida (Archivbild vom 30.07.2008)
Schon 2008 sah sich Epstein Sexhandel-Vorwürfen ausgesetzt - und bekannte sich im Zuge eines Deals schuldig.
Quelle: AP

Epstein stand schon einmal in Mittelpunkt ähnlicher Ermittlungen. Im Jahr 2005 hatte sich die Mutter eines Mädchens an die Polizei in Miami, Florida, gewandt und dem Milliardär vorgeworfen, er habe ihre Tochter belästigt. Die Untersuchung des FBI förderte damals bereits zahlreiche Belege für den Sexhandel und Prostitution mit Minderjährigen zutage, aber der zuständige Staatsanwalt Alexander Acosta ließ sich auf einen Deal ein: Epstein bekannte sich schuldig und musste im Gegenzug "nur" 13 Monate im teils offenen Vollzug verbringen.

Er übernachtete in einem Privatflügel der Haftanstalt von Palm Beach County und durfte tagsüber in einem nahegelegenen Büro seiner Arbeit weiter nachgehen. Seitdem ist Epstein als Sexualstraftäter vorbestraft. Aufgrund des Deals genossen seine möglichen Mitwisser und Mittäter allerdings Immunität, und den damaligen Opfern war jede Möglichkeit genommen, weitere Prozesse anzustrengen. Durch die neuen Vorwürfe könnte sich das ändern. 

Epsteins hochrangige Freundschaften

Der Fall Epstein hat doppelte Brisanz. Der damalige Staatsanwalt Acosta ist jetzt der Arbeitsminister der Vereinigten Staaten. Darüber hinaus pflegt der beschuldigte Milliardär enge Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft. Donald Trump und Ex-Präsident Bill Clinton zählt er seit vielen Jahren zu seinen Freunden. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Gerüchte, dass Epstein seine Vorliebe für junge Mädchen bei Parties auf seinen Anwesen in New York, Florida, New Mexico und den US Virgin Islands mit Freunden und Bekannten teilte.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 hatte eine Frau namens Katie Johnson behauptet, Donald Trump habe sie im Alter von 13 Jahren bei einer Epstein Party vergewaltigt. Sie zog den Vorwurf später zurück, der Präsident bestritt die Vorwürfe. Ebenso wie Bill Clinton und der Staranwalt Alan Dershowitz, die mehrfach beschuldigt wurden, sich an den Ausschweifungen Epsteins beteiligt zu haben.

Beschuldigter soll Sexring betrieben haben

Demonstranten mit Bildern von Jeffrey Epstein in New York
Demonstranten mit Bildern von Jeffrey Epstein in New York
Quelle: Reuters

Nach Recherchen der Zeitung "Miami Herald" soll Epstein einen Sexring betrieben haben, bei dem minderjährige Mädchen vor allem in sein Haus in Palm Beach gebracht wurden, wo er sie für Massagen mit Bargeld bezahlte. Dabei sei es dann auch zu sexuellen Handlungen gekommen.

Nach Angaben des "Herald" habe der Geschäftsmann den Mädchen dann mehr Geld angeboten, wenn sie andere Minderjährige in Einkaufszentren und auf der Straße für ihn rekrutierten. Insgesamt sollen so mindestens 70 - 80 Mädchen sexuell belästigt und missbraucht worden sein.

Affäre könnte sich in politischen Skandal verwandeln

Gleiches wirft nun auch die Staatsanwaltschaft in New York dem Milliardär vor: "Minderjährige Mädchen wurden manchmal von Opfern angeworben", so Jeff Berman, "diese Opfer bekamen Bargeld, wenn sie andere anschleppten, um diese dann zu missbrauchen." Auch Mitarbeiter des Investmentbankers sollen dabei geholfen haben, deshalb richten sich die neuen Ermittlungen auch gegen mögliche Mitwisser und Mittäter.

Das dürfte all jene beunruhigen, die Jeffrey Epstein zu seinen engen Bekannten und Freunden zählt, denn sie selbst könnten in das Visier der Fahnder geraten. "Mein Büro wird nicht ruhen, bis Täter dieser Art ihre gerechte Strafe erhalten haben", sagt Staatsanwalt Jeff Berman entschlossen. Es ist mehr als ein dramatischer Auftritt. Die Epstein-Affäre könnte sich schnell in einen politischen Skandal verwandeln.

Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios in Washington.

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