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Misslungener Start zur ISS - Eine schwere Panne mit Folgen

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Eigentlich sollte es ein Routinestart der Sojus-Kapsel zur ISS werden. Dann versagte die zweite Stufe der Trägerrakete. Der Besatzung passierte nichts. Aber die Panne hat Folgen.

Zwei Raumfahrer konnten sich mit einer Notlandung retten. Alexander Gerst, Kommandant der ISS, wird nun wohl länger als geplant auf der Raumstation bleiben müssen.

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Es herrschte strahlender Sonnenschein über der Plattform "Gagarin-Start" von Baikonour in der kasachischen Steppe, als um 10.40 Uhr MESZ die bemannte Rakete "Sojus MS-10" zur Internationalen Raumstation ISS startete. Geplant war, dass die beiden Besatzungsmitglieder, der Russe Alexej Owtschinin und der NASA-Astronaut Nick Hague, 187 Tage in der ISS arbeiten werden. Doch nach der 119. Sekunde wurde klar, dass aus diesen Plänen nichts wird. Die zweite Raketenstufe schaltete sich havariebedingt ab, und vier Sekunden danach reagierte in einer Höhe von mehr als 50 Kilometern das Rettungssystem. Knapp 400 Kilometer von Baikonour entfernt landete kurze Zeit später die Raumkapsel mit beiden Männern, die mit dem Schrecken davon gekommen sind.  

Ein Schock für die russische Raumfahrt

U.S. Astronaut Nick Hague und der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin an Bord der Sojus-Kapsel
U.S. Astronaut Nick Hague und der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin an Bord der Sojus-Kapsel
Quelle: NASA

Es war ein Schock, den diese Panne ausgelöst hat. Roskosmos-Chef Dmitrij Rogozin war sichtlich niedergeschlagen, als er den Weltraumbahnhof Baikonour eiligst verließ, um zur Landestelle der Rettungskapsel zu fliegen. Der zuständige Vizepremier Juri Borissow erklärte, dass man hoffe, dass die USA Verständnis für die entstandene Situation demonstriere und dass man die Ergebnisse der sofort eingeleiteten Untersuchungen nicht verheimlichen werde. In deren Verlauf sind viele Fragen zu beantworten. Wie konnte es zu dem heutigen Zwischenfall kommen? Oder: Wie geht es weiter mit den Flügen zur ISS?

Laut bisherigen Informationen soll das Loslösen der seitlichen Blöcke von der ersten Raketenstufe die Havarie verursacht haben. Diese hätten die Orientierung des zentralen Blocks der zweiten Raketenstufe so beeinflusst, dass die Triebwerke abgeschaltet wurden. Der für den Bau dieser Raketenstufen zuständige Vereinigte Motorenbau-Konzern verweigerte einen Kommentar und verwies darauf, dass man die exakten Untersuchungsergebnisse abwarten wolle.

Russische Raumfahrt braucht Zeit - die NASA auch

Beobachter konstatierten derweil, dass die heutige Panne nur eine von vielen sei, die in den letzten Monaten und Jahren das Ansehen der russischen Raumfahrt lädierten. Schlamperei und mangelnde Produktionsdisziplin wurden als Ursachen genannt. Personelle Veränderungen und stärkere Kontrollen haben jedoch noch keine durchgreifende Wirkung erzielt. Dafür ist Zeit nötig.    

Zeit braucht auch die NASA, um eigene Raketen für den Transport von Astronauten zur ISS und generell in den Kosmos einzusetzen. Im kommenden Jahr sollen die ersten beiden bemannten Testflüge erfolgen. Daher wolle man auf die Nutzung russischer Transportraumschiffe für bemannte Flüge vorerst nicht verzichten, erklärte NASA-Administrator Jim Bridenstine in Baikonour. Bis Februar 2020 sind dementsprechend Plätze in Sojus-Raketen für US-amerikanische Astronauten gebucht worden.

Keine Probleme für ISS-Besatzung

In der ISS sind derweil die Besatzungsmitglieder um Kommandant Alexander Gerst wieder zum gewohnten Arbeitsrhythmus zurückgekehrt. Die geplante abendliche Begrüßungsfeier für Owtschinin, der 2016 bereits rund 170 Tage in der Station verbracht hatte, und für Raumfahrtneuling Hague ist ersatzlos gestrichen. Gleiches gilt für die für den 19. und 25. Oktober angekündigten Außeneinsätze des deutschen ESA-Astronauten. Wie lange er nun tatsächlich in der Station verbringen wird, ist unklar.

Sowohl aus NASA-, als auch aus Roskosmos-Kreisen hieß es erst einmal: Der für den 20. Dezember vorgesehene nächste bemannte Flug von Oleg Konenko und David Saint-Jacques zur ISS muss möglicherweise verschoben werden. Und selbst wenn der nächste Progress-Raumtransporter, der mit der gleichen Trägerrakete wie die Sojus MS-10 am 31. Oktober zur ISS starten sollte, nicht zum Einsatz kommen kann, müssen Gerst sowie der Russe Sergej Prokopjew und die Amerikanerin Serena Maria Auñón-Chancellor nicht hungern. Die Vorräte reichen bis zum ursprünglich geplanten Eintreffen einer neuen Crew im Dezember. Und bei einem rationellen Verbrauch kann man gar bis April 2019 über die Runden kommen.

Ungeachtet des Schadens von rund 61 Millionen Euro, den der Fehlstart von Baikonour am Donnerstag verursachte, hat Kremlsprecher Dmitrij Peskow ganz recht: "Gott sei Dank, die Kosmonauten sind am Leben!"

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