Sie sind hier:

Mit 18 in den Bundestag - "Warum sollten wir Jungen nicht auch was zu sagen haben?"

Datum:

Mit gerade 18 Jahren wollen Diyar Agu, Lea Laux und Floris Beer am 24. September in den Bundestag. Was motiviert die jüngsten Direktkandidaten der Republik? Welche politischen Ziele haben sie und wie sind ihre ersten Erfahrungen im Wahlkampf? heute.de hat nachgefragt.

Im neuen ZDF-Format "Wähl mich!" bekommen sechs Jungpolitiker aus sechs verschiedenen Parteien die Chance, ihren jeweiligen Wunschwähler zu treffen und ihn von sich und der eigenen Partei zu überzeugen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Diyar Agu hat gerade sein Abi gemacht. Er könnte jetzt die Ferien genießen, seinen 18. Geburtstag Anfang September ausgelassen mit Freunden feiern und sich sonst auf den Start seines Wirtschaftsingenieurwesen-Studiums freuen. Könnte. Agu hat aber anderes im Sinn: Als Direktkandidat der Linken im Oberbergischen Kreis steckt der noch 17-Jährige Gummersbacher mitten im Wahlkampf. Sein Ziel: "Am 24. September in den Bundestag einziehen", wie er sagt.

"Fest an der Seite der Schwächsten"

Diyar Agu macht keinen Witz. Er ist ein ernsthafter junger Mann - und einer von circa 2.570 Direktkandidaten, die miteinander in 299 Wahlkreisen um die meisten Erststimmen der Wähler konkurrieren. Das Prinzip ist einfach: Wer die meisten Wählerstimmen in seinem Wahlkreis bekommt, kann direkt nach Berlin umziehen. Im Bundestag haben die Direktkandidaten etwa die Hälfte aller Sitze inne - und damit als Parlamentarier ein ordentliches politisches Gewicht.

"Unser Wahlkreis ist bisher vor allem Schwarz geprägt, aber wir versuchen, das zu ändern", sagt Agu. Seine Themen: der Kampf gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit. "Mit Milliardengeschenken an die Finanz- und Wirtschaftslobby hat die Große Koalition die Verelendung der sozialen Infrastruktur billigend in Kauf genommen - damit muss Schluss sein", sagt der Jung-Politiker, der sich vorgenommen hat, "fest an der Seite der Schwächsten der Gesellschaft zu stehen".

Lob von den Älteren: Gut, dass die Jugend noch was macht!

In die Linke ist Diyar Agu bereits vor zwei Jahren eingetreten. Seit 2016 ist er Sprecher des Ortsverbandes in Gummersbach und Delegierter für den Bundesparteitag. Für sein politisches Engagement erhalte er "überraschend viel Zuspruch", sagt er. "Ich hätte das so nicht erwartet." Im Wahlkampf höre er auch von älteren Leuten immer wieder Sätze wie diesen: "Gut, dass die Jugend noch was macht!"

Für den Sohn kurdischer Einwanderer ist das eine Selbstverständlichkeit: "Warum sollten wir Jungen nicht auch was zu sagen haben?", fragt er und sagt weiter: "Die Demokratie in Deutschland bietet uns ja zum Glück auch die Chance, uns zu engagieren. Wo meine Familie herkommt, werden Leute, die sich politisch engagieren, unterdrückt und eingeschüchtert. Hier herrscht dagegen die Freiheit. Diese Chance müssen wir Jungen nutzen."

Junge Piratin in Konkurrenz mit politischen Schwergewichten

Mit solchen Gedanken steht der junge Mann aus Nordrhein-Westfalen nicht allein. Denn es gibt eine Vielzahl von Teenagern, die sich wie Agu politisch engagieren. Auch die Abiturientin Lea Laux, Direktkandidatin der Piratenpartei im Saarland, begründet ihren politischen Einsatz damit, dass sie "die Freiheit und die Grundrechte schützen" und sich für mehr Bürgerbeteiligung stark machen wolle.

Um die Stimmen der Wähler wirbt sie mit dem Slogan: "Ich upgrade dein Demokratiesystem, wenn du mich im Parlament installierst." Die 18-Jährige hat im Wahlkreis Saarlouis mit Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) allerdings harte politische Konkurrenz. Neutrale Beobachter würden sagen: Piratin Laux kämpft wohl auf verlorenem Posten.

Engagement für "ernsthafte Partei mit satirischem Hintergrund"

Lea Laux, die für die Piraten bereits im Frühjahr im Landtagswahlkampf angetreten ist, sieht es realistisch: "Wir versuchen hier, das bestmögliche Ergebnis herauszuholen und wollen vor allem den jungen Wählern zeigen, dass wir uns für ihre Rechte und echte Basisdemokratie einsetzen."

Ähnlich sieht es auch der noch 17-jährige Schüler Floris Beer, der im Nordosten der Republik im Wahlkreis Frankfurt (Oder)-Oder-Spree als Direktkandidat der Partei DIE PARTEI auf Stimmenfang geht. DIE PARTEI ist durch ihren Vorsitzenden, den Satiriker Martin Sonneborn, zu Bekanntheit gekommen. Als "Spaßpartei" will Beer, der am 12. September 18 wird, DIE PARTEI aber nicht verstanden wissen. "Wir sind eine ernsthafte Partei, die mit satirischem Hintergrund viele gute Ideen herausarbeitet", sagt er.

Teenager will AfD-Vize Alexander Gauland hinter sich lassen

Seine Themen sieht er vor allem beim Kampf gegen Kinderarmut und Arbeitslosigkeit. "Das sind hier schon die großen Themen", sagt der Schüler, der im nächsten Jahr Abitur macht. Nehmen ihm die Leute auf der Straße ein ernsthaftes Engagement ab? "Manche denken, wir machen da nur Spaß, andere aber sind erstaunt und froh über unseren Einsatz", sagt Beer, den rund 20 Leute im Wahlkampf unterstützen.

"Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir eine junge Alternative zu den Altparteien sind - und vor allem auch eine Alternative zur AfD", so Beer. In seinem Wahlkreis hat er es mit AfD-Vize Alexander Gauland zu tun. "Was die AfD macht, finde ich unerträglich", sagt Beer und erklärt auch damit sein politisches Engagement als Direktkandidat. "Wir dürfen solchen Leuten nicht das Land überlassen", sagt er und klingt dabei sehr ernst.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.