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Hoffnung, aber kein Wundermittel - Mit Antikörpern gegen Migräne

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Kopfschmerzen, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Bei Migräne wird jede Bewegung zur Qual. Und das oft über Tage. Eine Antikörper-Therapie soll Patienten helfen.

Archiv - Illustration: Migräne
Migräne: 20 Prozent der Frauen und sechs bis acht Prozent der Männer in Deutschland kennen die Beschwerden.
Quelle: dpa

Es fängt damit an, dass das Licht immer greller und jedes noch so kleine Geräusch unangenehm wird. Für Peter S. (Name von der Redaktion geändert) ist dann klar: Es kommt eine Migräne-Attacke. Seit elf Jahren passiert das immer wieder.

Bis zu 17 Schmerztage sind es bei ihm pro Monat. Ohne starke Schmerzmittel geht dann gar nichts mehr. Eine Migräne-Attacke zieht sich bei Peter S. meistens über drei Tage. "Diese drei Tage können Sie kaum schlafen. Sie können sich nicht ablenken. Alles was kommt, ist laut. Das ist die Hölle. Das wünsche ich keinem", beschreibt er die Attacken. Viele Betroffene können während der Schmerztage nicht mehr arbeiten, ziehen sich sozial zurück.

Alternative zu bisherigen Medikamenten gesucht

Die meisten Migräne-Patienten greifen zu hoch dosierten Schmerzmitteln, doch die sind keine Dauerlösung. Immer wieder muss Peter S. eine Zwangspause machen, weil er zu viel einnimmt. Bisherige Prophylaxe-Medikamente haben bei ihm starke Nebenwirkungen. Sie machen unter anderem müde, unkonzentriert und führen zu starker Gewichtszunahme.

Weil es so für ihn nicht weitergehen konnte, bewarb sich Peter S. als Proband für eine Studie. Molekulare Antikörper sollen helfen. Ein neuer Therapie-Ansatz in der Schmerzforschung.

Neue Therapie soll Hoffnung bringen

Mann hat Migräne-Attacke am Arbeitsplatz
Die Ursache von Migräne ist unbekannt.
Quelle: imago/Westend61

Die Ursache von Migräne ist bislang nicht bekannt, aber "eine überzeugende Hypothese ist, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die Migräne auslösen", sagt Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Jüngste Forschungen belegen, dass CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide) einer dieser Botenstoffe ist, der bei Migräneanfällen vermehrt ausgeschüttet wird. Verschiedene Antikörper sind nun in der Lage, das CGRP zu blockieren. So, dass die Entstehung der Migräne unterdrückt wird. Dabei werden die Antikörper nicht im akuten Fall, sondern als Prophylaxe einmal im Monat über eine Spritze verabreicht.

Antikörper-Therapie springt nicht bei jedem an

Bei Peter S. war der Effekt zuerst sehr gut. Statt 17 Schmerztagen pro Monat hatte er nur noch sieben bis acht. Dazu keinerlei Nebenwirkungen. "Das macht es nicht weg, aber das hat es deutlich verbessert. Es ist ja auch eine Hoffnung, dass man mal von diesen Schmerzen wegkommt", sagt Peter S.. Doch im dritten Monat der Therapie werden seine Migräneattacken plötzlich wieder häufiger.

In den Studien zeigten circa 40 Prozent der Probanden eine Besserung der Migräne von 50 Prozent und besser. Aber nicht bei jedem Patienten springt die Antikörper-Therapie an, da viele Faktoren die Migräne bewirken können. Auch ist klar: Heilen können Antikörper die Migräne nicht, sondern nur die Schmerzen lindern. Trotzdem will Peter S. die Hoffnung nicht aufgeben. "Es hängt sehr viel für mich von diesem neuen Medikament ab. Noch habe ich Hoffnung, dass das Ganze wird, weil es momentan optionslos für mich ist."

Medikament soll Ende des Jahres auf den Markt kommen

In erster Linie sollen in Zukunft erstmal nur die Patienten mit den neuen Antikörpern behandelt werden, die besonders schwer und häufig von Migräneattacken betroffen sind und bei denen bislang verfügbare Mittel nicht gut gewirkt haben oder starke Nebenwirkungen hervorgerufen haben.

Das erste Antikörper-Medikament ist seit Juli 2018 in Europa zugelassen. Ende dieses Jahres soll es in Deutschland auf dem Markt verfügbar sein. Doch die Therapie ist teuer. Noch ist nicht sicher, für wen und in welchem Umfang die Krankenkassen die Kosten übernehmen werden. Antikörper gegen Migräne könnten vielen Betroffenen helfen, ihre Migräne zu lindern. Ein Wundermittel für alle sind sie aber nicht.

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