Sie sind hier:

Energie aus Wildpflanzen - Mit "Bienenstrom" gegen das Insektensterben

Datum:

Den Stromanbieter wechseln, und schon werden aus Feldern bunte Wiesen. Im schwäbischen Nürtingen geht das mit "Bienenstrom". Ein Projekt mit Zukunft, sagen Umweltschützer.

Mit „Bienenstrom“ gegen das Insektensterben
Mit "Bienenstrom" gegen das Insektensterben
Quelle: Stadtwerke Nürtingen

Wenn Landwirt Jörg Kautt über sein Feld blickt, sieht er blühende Pflanzen und hört das Summen hunderter Insekten. Er nimmt am Projekt "Bienenstrom" teil und ist absolut begeistert davon. "Je länger man drinnen im bunten Feld steht, desto mehr Insekten sieht man um sich, einfach schön."

Doppelt gut für die Umwelt

Ökostrom als Energiequelle in Deutschland ist nichts Neues - schon lange gibt es umweltfreundliche Alternativen zu Kohle und Atomkraft. Das Projekt "Bienenstrom" legt jedoch noch eine Schippe drauf: Auf Feldern werden Wildpflanzen angepflanzt, auf denen sich bis zur Ernte Bienen und andere Insekten tummeln können. Sie finden dort eine bunte Vielfalt, die es auf nur mit Raps oder Getreide bepflanzten Feldern nicht gibt. Der Ertrag des Feldes wird schließlich in Biogasanlagen zu Strom gemacht, der wiederum ins Netz eingespeist wird. Bienenstrom-Kunden bekommen Ökostrom, wenn auch genau genommen nicht direkt den Strom aus dem Projekt.

Ein doppelter Effekt also: Es wird Öko-Strom gewonnen und gleichzeitig helfen die Wildpflanzenfelder im Kampf gegen das Insektensterben. Nicht nur die Zahl, sondern auch die Vielfalt ist nämlich rückläufig. Insekten sind als Bestäuber und als Futter etwa für Vögel wichtig. Studien sehen Pestizide, Überdüngung und große Felder ohne Blüten-Ränder als Ursache für das Sterben, aber auch Siedlungen und die Lichtverschmutzung. Die bedroht vor allem nachtaktive Insekten.

Biomasse aus Wildpflanzen

Für Umweltschützer ist "Bienenstrom" deshalb eine Idee, die in die richtige Richtung geht. "Biomassekulturen aus Wildpflanzen können ein wichtiger Beitrag gegen das Insektensterben sein", so Gottfried May-Stürmer vom BUND. Biogas aus Wildpflanzen sei sowohl für die Artenvielfalt als auch für Boden und Grundwasser sehr viel besser als etwa Mais.

Das Projekt "Bienenstrom" steht allerdings noch ganz am Anfang. Erst letztes Jahr wurde es von den Stadtwerken Nürtingen gemeinsam mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb ins Leben gerufen. Die Idee: der Natur mithilfe von Blühflächen etwas Gutes zu tun.

Kleiner "Blühhilfe-Beitrag" an die Bauern

Um diese Idee auch umzusetzen, braucht es natürlich Landwirte, die bereit sind, ihre Felder umzuwandeln. Das stößt nicht bei allen auf Begeisterung, denn Mais ist ertragreicher, bringt den Bauern also mehr Geld ein. "Mit einer Lehraussaat und der Optimierung der Blühmischung durch einen Experten konnten wir dann aber das Eis brechen", erklärt Volkmar Klaußer, Geschäftsführer der Stadtwerke Nürtingen. Zudem erhalten die Bauern einen "Blühhilfe-Beitrag" zur Entschädigung: Für jede verkaufte Kilowattstunde Strom fließt ein Cent direkt vom Verbraucher an den Bauern. Elf Landwirte sind in der Region bereits im Boot.

Landwirt Jörg Kautt
Landwirt Jörg Kautt in seinem Feld.
Quelle: Stadtwerke Nürtingen

Bei Jörg Kautt hat es nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht, er war von Anfang an begeistert. "Ich finde das toll, ich bin gleich eingestiegen", so Kautt. Seine Blühfläche ist mit einem Hektar ein Teil der knapp 14 Hektar Wildpflanzen, die "Bienenstrom" momentan umfasst und mit denen 300 Haushalte versorgt werden können. Und dass seine wilden Blumenfelder von manchen Nachbarn belächelt werden, stört ihn überhaupt nicht. "Man kann's halt nicht allen recht machen."

"Noch haben Sie uns nicht die Bude eingerannt", sagt Klaußer entspannt. Er blickt gelassen in die Zukunft, denn die Nachfrage ist groß und Rückmeldungen durchweg positiv. Seine Zwischenbilanz: "Wir halten das Projekt für zukunftsfähig und planen einen Ausbau der Blühflächen." Denn noch gebe es in der Schwäbischen Alb genügend Platz für bunte Wiesen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.