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Was heißt denn hier Urlaub?

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Mit dem Van durch Europa - Was heißt denn hier Urlaub?

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Seit Monaten reist Sarah Kringe mit ihrem Freund im VW-Bus um die Welt. Ihr Fazit: Das Leben im Van ist nicht einfach - aber missen möchte sie es nicht mehr. Ein Erfahrungsbericht.

Campingbus
Einmal quer durch Europa und das Zuhause immer mit dabei - für Sarah Kringe zur Zeit Alltag.
Quelle: Sarah Kringe

Mit einem Scheppern springt die große Klappe hinten im Bus auf. Genervt drehe ich mich um. Wenn wir über eine holprige Waldstraße fahren, passiert das häufig. In der Ukraine, mit ihren vielen Schlagloch-Pisten, haben wir uns daran gewöhnt, dass der Innenraum vom Camper ein unübersichtliches Chaos ist, sämtliche Schränke offen stehen und die Matratze schief zwischen Spüle und Bettkasten klemmt. So etwas bringt uns schon lange nicht mehr aus der Ruhe.

Heute allerdings haben wir den "worst case": Der Inhalt unserer Küche ist herausgepurzelt. Viele Gewürzgläser sind aufgesprungen, im Camper sieht es aus wie nach dem Holi-Festival. Das Currypulver hat sich gelb-pudrig auf unserer blauen Cordcouch verteilt, unter den Füßen knistern die gemahlenen Chilischoten. "Wir müssen uns da endlich etwas einfallen lassen", sagt mein Freund Mathias zum hundertsten Mal, während wir alles wieder an seinen Platz räumen.

Einfach los und quer durch Europa

Campingbus
Einfach dort stehen bleiben, wo es schön ist.
Quelle: Sarah Kringe

Mathias habe ich letzten Herbst bei einem Urlaub in Österreich getroffen. Wir haben uns kaum gekannt, als wir beschlossen, unsere Jobs zu kündigen und gemeinsam durch Europa zu fahren. Seit drei Monaten sind wir nun sogenannte Vanlifer: Wir leben und reisen in unserem VW-Transporter, den Mathias in mühevoller Handarbeit zu einem Miniatur-Zuhause umgebaut hat. Ob das nicht ein bisschen gewagt sei, als erstes gemeinsames Heim nur ein paar Quadratmeter zu haben, habe ich damals eingewandt. "Scheiß di ned oa", hat er in unwiderstehlichem Österreichisch meine Bedenken beiseite gewischt.

Und so stehen wir jetzt in einem finnischen Wald, umgeben von hohen Kiefern und sortieren unsere Kücheneinrichtung. Über den Balkan, die Ukraine und das Baltikum sind wir nach Südfinnland gereist, in den nächsten Wochen wollen wir hoch zum Nordkapp. Die Tage werden bereits kürzer und der Sommer hat sich feixend in wärmere Gegenden verabschiedet.

Wenig Platz, viel Disziplin

Zu zweit auf drei Quadratmetern zu leben bedeutet vor allem eins: Disziplin und Rücksicht. Obwohl wir über eine Solaranlage Strom produzieren, eine Standheizung und eine Dusche mit warmem Wasser haben, ist es gerade bei Regen oft verdammt eng im Bus. Und auch ohne kleine Katastrophen, wie italienische Kräuter in der Matratze, verbringen wir viel Zeit damit, hin und her zu räumen.

Wer glaubt, als Vanlifer sei man quasi im Dauerurlaub, irrt. Viele alltägliche Dinge wie Bettmachen, Abspülen oder Kochen dauern mehr als doppelt so lang. Unsere Tage sind gefüllt mit der Suche nach Frischwasser, Wifi-Hotspots und vor allem Stellplätzen.

Klappt das auch im Winter?

Campingbus
Aufräumen und Disziplin gehören beim Vanlife täglich dazu.
Quelle: Sarah Kringe

Wenn wir dann abends einen schönen Übernachtungsplatz gefunden haben, Mathias den Tisch vom Dach geschraubt, die Stühle unter dem Schrank vorgezogen und mit viel Lungenvolumen ein Lagerfeuer angezündet hat, kommt garantiert ein riesiges Wohnmobil mit Satellitenschüssel und Flachbildfernseher daher. Dessen - meist ältere - Besitzer erzählen uns dann, dass sie auch mal "so klein angefangen haben". Wir nicken und lächeln und betrachten mitunter etwas neidisch das Kochfeld mit drei Platten, während bei uns die Nudeln kalt werden, weil auf unserem zusammenklappbaren Holzofen nur ein Topf Platz hat - Nudeln oder Soße, beides gleichzeitig geht nicht.

Wenn wir dann aber am Feuer sitzen, mit Meeresrauschen oder Blick auf die Berge, entschädigt mich das jedes Mal aufs Neue und ich vermisse weder den Flachbildfernseher noch eine größere Küche. Denn im Grunde wissen wir, dass wir unseren kleinen gemütlichen Bus niemals eintauschen würden. Zumindest noch nicht. Aber die größten Herausforderungen stehen uns noch bevor: Schließlich wollen wir den Winter in Skandinavien verbringen, bei Minusgraden und wenig Licht. Dagegen ist ein explodiertes Gewürzregal vermutlich kaum der Rede wert.

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