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Daniela Schadt verlässt Schloss Bellevue - "Mit großer Herzenswärme"

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Ein Bundespräsident kommt nie allein. Joachim Gauck hat Daniela Schadt an seiner Seite. Auch sie prägte seit 2012 das höchste Amt im Staat. Und das so, wie dieses Land gerne sein möchte: freundlich, zugewandt, schlau, unaufgeregt. Es sei denn, es kommt Prinz Philip. Oder Adam.

Die große Mehrheit der Deutschen ist laut Umfragen überzeugt, dass Joachim Gauck als Bundespräsident einen guten Job gemacht hat. ZDFzeit bietet exklusive Einblicke in sein Leben.

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Adam ist gut drei Jahre alt. Die Haut fleckig, über Kopf, Hand, Arm, Schulter Spuren schlimmster Verbrennungen, die immer noch höllisch schmerzen müssen. Adam schaut verschämt nach unten, an Leib und Seele verletzt. Sein Anblick trifft ins Herz. Auch Daniela Schadt, als sie 2015 das Foto des Jungen, der im Bürgerkrieg von Darfur fast verbrannte, sieht. Sie peilt einen Punkt in der Luft daneben an, ringt um Fassung, wenige Sekunden. Dann findet sie sie wieder, ist wieder Schirmherrin des Kinderschutzwerkes UNICEF und souverän im Dienste der guten Sache unterwegs. Ein bloßes Aushängeschild ist sie eben nie gewesen.

"Sie hat echt zugehört"

Traditionell kümmert sich die Frau des Bundespräsidenten um Karitatives. Schadt war Schirmherrin nicht nur von UNICEF, auch von der Kinder- und Jugendstiftung, dem Windsbacher Knabenchor, der Aktion zur Rettung der Bienen "Deutschland summt" und den Special Olympics, also für Sportler mit geistiger Behinderung. Fragt man dort nach Schadt, schwappt eine Welle der Sympathie und Anerkennung durchs Telefon. "Ein echtes und warmes Interesse" habe sie für die Kinder und Jugendlichen gezeigt, "frei von Allüren, mit großer Herzenswärme und nie von oben herab", sagt Agnes Kick von der Kinder- und Jugendstiftung. Schadt habe sich früh um 4 Uhr in den Zug gesetzt, um ein Projekt in Trier zu besuchen, selbst wenn sich abends noch Königin Silvia in Bellevue zum Abendessen angesagt hatte. Sie habe sich Zeit genommen, wollte wissen, was aus den Jugendlichen und Projekten im Laufe der Jahre geworden ist. "Sie hat echt zugehört."

Fußball spielen, Schneeschuh laufen - Schadt hat das alles mit den Kindern gemacht. Auch bei Special Olympics Deutschland sitzt eine Träne im Knopfloch. Es sei die Verbindung aus fachlichem Interesse und "persönlicher, ehrlicher Empathie, die wirklich gelebt und nicht gespielt war", sagt Präsidentin Christiane Krajewski. Sie sei den Menschen immer auf Augenhöhe begegnet, "ganz natürlich und zugewandt". Und sie habe den Special Olympics zu mehr Bekanntheit verholfen, so dass das 25-jährige Jubiläum mit Bundesinnenminister, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und 30 Bundestagsabgeordneten im Schloss Bellevue gefeiert wurde. "Keine Selbstverständlichkeit", sagt Krajewski.

Und UNICEF? "Ein Glücksfall", sagt Jürgen Heraeus, Vorsitzender der Organisation in Deutschland, über Schadt. Sie habe "ihre Rolle mit der ihr eigenen Mischung aus Intelligenz, Warmherzigkeit, Neugierde und Geschick so wunderbar ausgefüllt, dass sie stets alle Herzen gewonnen hat". Vor allem ihr Einsatz für die syrischen Kinder habe zur großen Hilfsbereitschaft in der deutschen Bevölkerung beigetragen. Schadts "Geheimwaffe", sagt Heraeus, sei "ihre offene, authentische Art - sie findet stets ihre eigenen Worte, mit denen sie auch komplexe Zusammenhänge klar und ohne Beschönigung auf den Punkt bringt".

Bei Unsinn nutzt der schönste Hut nichts

So viel Lob wäre ihr vermutlich unangenehm. Daniela Schadt hat nie ein Hehl daraus gemacht: Sie wäre gerne Journalistin geblieben und werde es im Herzen auch immer bleiben. Aber politische Kommentare abgeben, wenn vom Partner in Schloss Bellevue Kommentare verlangt werden - das passt nicht. Also hat sie das, was sie in ihrem Beruf gelernt hat, in den neuen, unbezahlten, als First Lady mitgenommen. Auf Menschen zugehen: "Hallo, guten Tag", kein Termin Schadts, in dem sie nicht mit forschen Schritt die Menschen begrüßt. Neugierig sein, Fragen stellen, zuhören und seine Meinung sagen, gern garniert mit ein bisschen Spott: "Bei Unsinn schützt der schönste Hut nicht vor Kritik", sagte sie dem "Tagesspiegel". Und was sie nicht preisgeben will, umschiffte sie freundlich. So freundlich, dass ihre Ex-Kollegen in den Interviews auch nicht weiter nachhakten.

Dass sie in den vergangenen fünf Jahren viele engagierte Menschen treffen durfte, bezeichnet sie als beglückend. Und damit meinte sie nicht die berühmten Leute, die gekrönten Häupter, Staats- und Regierungschefs. Unsicher war sie, sagte sie 2012, ob sie  alles richtig macht. Knicks oder nicht, kurzer oder langer Händedruck, wo stehen, wo hinlaufen. Einen kleinen Ausrutscher leistete sie sich, als sie Charlène von Monaco ein Zentimeterchen aufs Kleid trat. Das auch noch so ähnlich aussah wie ihres. Das wars es aber auch. Mehr zu tun hatten die Hüter des Bellevue-Protokolls, dass Frau Schadt sich nicht verquatscht. "Wenn ich mal irgendwo festgeredet habe, komme ich immer schlecht wieder weg", sagte sie einmal. Man hätte gerne gewusst, was Schadt Prinz Philip drei Tage lang so alles erzählt hat. Beim Staatsbesuch von Queen Elizabeth II., im Juni 2015, waren sie meistens zwei Schritte hinter Gauck und der Queen unterwegs. Schadt sprach, Prinz Philip, leicht nach vorne gebeugt, hörte zu. Oder so.

Völlig normal, fast

Vielmehr hatte Daniela Schadt für die bunten Blätter nicht zu bieten, nachdem das Thema, dass sie und Gauck nicht verheiratet sind, zu Beginn der Amtszeit schnell durch war. Sie hat kein Smartphone, sondern nur ein altes Handy. Ihre Bahnfahrkarte kauft sie lieber am Schalter als im Internet. Sie spürt beim Kauf von Zahnpasta nicht die Würde des Amtes, fährt gerne Fahrrad, hat früher Volleyball gespielt und hält nichts davon, bei jedem öffentlichen Auftritt ein neues Kleid zu tragen. Völlig normal also. Und wenn sie danach gefragt wird, welchen Einfluss sie auf den Bundespräsidenten hat, wiegelt sie stets ab. "Joachim Gauck ist Joachim Gauck", sagt sie dann. Er kann selbst denken, soll das heißen. Völlig normal, dass ein politisch denkendes Paar auch zuhause über Politik diskutiere. Völlig normal.

Wann fängt das aber bei Paaren an, dass der eine ein bisschen so wie der andere klingt? Wer sich in welchem Punkt wem angenähert hat, lässt sich fröhlich und ausführlich streiten. Bei Gauck/Schadts scheint das nicht anders. Die Tradition, sich Experten zu Themen der Zeit ins Schloss Bellevue einzuladen, haben beide fortgesetzt. Zusammen und getrennt. Meistens liefen das so ab: Begrüßung, Diskussionsrunden, Schadt und/oder Gauck sitzen im Publikum und stellen ab und zu Fragen, Verabschiedung. Doch kurz war der Schluss meistens nicht. Gauck musste das, was er gehört und was in beeeindruckt hatte, noch mal loswerden, gerne auch grundsätzlich zum Thema Europa, Flüchtlinge, Demografie oder so. Und dass die Demokratie gestärkt werden müsse und es doch eigentlich keinen Grund zum Pessimismus gäbe. Nicht anders bei Schadt.

"Ganz wichtig, dass wir uns einbringen"

Neujahrsempfang von UNICEF im Schloss Bellevue, Januar 2017. Schadts letzter. Nach fünf Jahren Schirmherrschaft muss sie noch sagen, dass es ihr "eine Ehre und eine Freude" war, "irgendwie mitwirken zu können". Und dass sie wehmütig ist. Natürlich sei die Situation für viele Kinder "so desolat" wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Man müsse aber auch nicht so tun, als ob früher alles besser gewesen sei. "Ich warne vor zu viel Nostalgie", sagt Schadt. Stichwort Kambodscha, Stichwort Vietnam. "Das war auch nicht alles ein Deckchen sticken. Das muss man ja mal sagen. Was wollte ich eigentlich jetzt sagen? Ach, ich wollte mich bedanken." Das macht sie dann auch - nicht ohne noch schnell von den Flüchtlingskindern im Libanon zu erzählen, die unbedingt ihr Abitur machen wollen. "Das ging mir durch Mark und Bein." Wenn diese jungen Leute schon nicht aufgeben, sei es doch "unangemessen bis dekadent", wenn wir hier in Deutschland resignierten. "Es ist ganz wichtig, dass wir uns einbringen."

Daniela Schadt ist 57 Jahre alt. Wo sie sich künftig einbringen wird, ist noch nicht bekannt. Sie will mit Gauck weiter in Berlin leben. "Auf alle Fälle werde ich nicht zu Hause sitzen und die Rosen schneiden", sagte sie dem MDR. Natürlich sei Rosen schneiden eine schöne Tätigkeit. Aber es werde "noch etwas anderes dazukommen".

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