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CSU-Idol starb vor 30 Jahren - "Mit Strauß wäre das nicht passiert"

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Er ist die CSU-Legende: Franz Josef Strauß. Heute, zu seinem 30. Todestag, pilgern die Nachfolger Seehofer und Söder an sein Grab. Strauß bleibt Vorbild. Fragt sich nur, für was.

Franz Josef Strauß während eines CSU-Parteitages 1979 in München
Franz Josef Strauß auf dem CSU-Parteitag 1979: Er war Verteidigungs- und Bundesfinanzminister. 1980 trat er als Kanzlerkandidat der Union an, verlor aber gegen Helmut Schmidt (SPD). Von 1978 bis 1988 war Strauß bayerischer Ministerpräsident.
Quelle: dpa

Wenn auf CSU-Veranstaltungen mal gähnende Langeweile einzieht, wenn keiner mehr dem Redner zuhören will und alle sich lieber ihrem Bierglas zuwenden, dann gibt es ein Zauberwort, das sofort höchste Aufmerksamkeit und feuchte Augen herstellt.

Das Zauberwort ist:  Franz Josef Strauß. 

Der 1988 gestorbene legendäre Parteichef muss so ziemlich für alles herhalten, was heutzutage schief läuft und was ER - natürlich - souverän geregelt hätte. "Mit Strauß wäre das nicht passiert", heißt es dann. Früher war halt auch in der CSU alles besser ...

Apropos Souverän: Bayern hatte im 19. Jahrhundert den Märchenkönig Ludwig II. und im 20. Jahrhundert hätte es Franz Josef Strauß republikanisch fast auch so weit gebracht. Die Huldigungen der Untertanen für "FJS" kamen dem königlichen Vorbild durchaus nahe. Und die mehrtägige Staatstrauer nach Strauß' Tod war durchaus eines barocken Königshauses würdig. Der damalige Staatssekretär Peter Gauweiler salutierte gar vor dem aufgebahrten Sarg von Franz Josef Strauß.

Strauß: die schillernde Figur

Zweifellos hat Franz Josef Strauß maßgeblich dazu beigetragen, dass Bayern vom belächelten Bauernland zu einer wirtschaftlichen Boomregion wurde. Aber vielleicht finden ihn ja die heutigen Christsozialen auch deshalb so toll, weil er immer gegen die Schwesterpartei CDU und den damaligen CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl gestänkert hat - weitgehend erfolglos übrigens. Auch der Versuch von Strauß, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufzukündigen, ist kläglich gescheitert. Heutzutage mag sich mancher an den aktuellen CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer und dessen Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel erinnert fühlen. Ende hier noch offen. 

Auch sonst taugt FJS nicht unbedingt als Vorbild. Er war in zahlreiche Affären verwickelt, hofierte Diktatoren in aller Welt, machte das Apartheid-Regime in Südafrika salonfähig. Und manchem CSUler in der damaligen Zeit stieß sauer auf, dass er die vorher viel beschimpfte DDR mit einem Milliardenkredit wirtschaftlich über Wasser hielt. Gar nicht mehr folgen wollten die Christsozialen, als der Hobbyflieger Strauß ausgerechnet Flugbenzin von der Steuer befreien wollte. Selbstherrlich wie ein Fürst eben.

Wallfahrt zur Gruft

Grabstätte von Franz Josef Strauß in Rott am Inn (Archivbild von 1995)
Strauß' Grab in Rott am Inn: Hierher pilgern bis heute seine Anhänger.
Quelle: dpa

Trotz alledem pilgern sie immer noch eifrig zur Strauß-Gruft in Rottal am Inn, auch heute wieder. Beileibe nicht nur alte CSU-Kämpen. Da taucht schon mal eine Gruppe aus der Jungen Union auf. Irgendwie bleibt FJS Vorbild, man weiß bloß nicht für was. Ist es die Sehnsucht nach einem zünftigen, krachledernen Burschen, der irgendwie gemacht hat, was er wollte? Und neuerdings könnte auch die Sehnsucht nach den alten Zeiten dazu kommen, in denen ein Franz Josef Strauß mal eben 58,3 Prozent der Stimmen bei der Landtagswahl holte.

Edmund Stoiber und Horst Seehofer haben als Nachfolger in Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt sich immer auf den großen Strauß berufen. Immerhin haben diese beiden die absolute Mehrheit für die CSU in Bayern gehalten.

Bei den aktuell schlechten Umfrageergebnissen der CSU wird der nostalgische Blick zurück wohl nicht mehr helfen. Wenn der jetzige CSU-Ministerpräsident Markus Söder sich nun auf das Vorbild Strauß beruft, kann man das angesichts der aktuellen Umfragewerte eher schon als Ruf nach Beistand von oben sehen.

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