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Mobilfunk in Mecklenburg-Vorpommern - Aufbruch im Land der Funklöcher

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In Mecklenburg-Vorpommern will die Landesregierung jetzt selbst Funkmasten bauen, um eine flächendeckende Mobilfunk-Abdeckung zu schaffen.

Jan Framke startet seinen Dienstwagen und macht sich auf den Weg Richtung Küste. Bei Ribnitz-Damgarten liegt ein Neubaugebiet, in dem gerade mehrere seiner Fertighäuser hochgezogen werden. Framke ist Leiter der Hausmontage und Bauleitung von ScanHaus, der Nummer 5 der deutschen Fertighaushersteller, 800 Mitarbeiter, 650 Projekte im Jahr. Der Oberbauleiter verbringt viel Zeit im Auto, Zeit zum Telefonieren. Kunden melden sich, die Bau-Trupps brauchen Anweisungen, die Zentrale hat Nachfragen. Framke will den Krankenstand seiner Leute abfragen und wählt seine Büronummer. Doch obwohl er gerademal ein paar Kilometer von seinem Firmensitz in Marlow östlich von Rostock entfernt ist, bleibt die Leitung tot.

Funklochhochburg Mecklenburg-Vorpommern

Das erste Funkloch. Hinterm nächsten Dorf wird’s etwas besser. Dann das nächste. Mecklenburg-Vorpommern ist löchrig, mit Brandenburg ist es führend unter den Funkloch-Ländern in Deutschland. Wenige Einwohner verteilt auf viel Fläche, wenige größere Städte. Die Kundschaft der Mobilfunkanbieter ist weit verstreut. Und deshalb stehen die Funkmasten auch nicht an jeder Ecke, sondern sammeln sich dort, wo es sich für die Anbieter lohnt. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Schnelles Internet und ein leistungsfähiges Mobilfunknetz gehören heute zur Daseinsvorsorge wie Strom und Wasser.
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin

Auf die Bundesregierung und ihre lange angekündigte Mobilfunk-Strategie will man nicht mehr warten in Mecklenburg-Vorpommern.  Noch im Februar hatte SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Bundesrat eine Initiative eingebracht und eine flächendeckende Mobilfunk-Abdeckung in ganz Deutschland gefordert. "Schnelles Internet und ein leistungsfähiges Mobilfunknetz gehören heute zur Daseinsvorsorge wie Strom und Wasser", begründete Schwesig ihre Forderung. Die Tilgung weißer Flecken auf der Mobilfunkkarte sei nicht nur eine technische Frage. "Es geht um die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland." Im März hatte die CDU eine Funkloch-App freigeschaltet, um einen Überblick über die Funklöcher zwischen Schwerin und Greifswald zu bekommen. CDU-Generalsekretär Wolfgang Waldmüller: "Wir müssen jetzt handeln!" Der Landtag hatte anschließend beschlossen, 50 Millionen Euro bereitzustellen, damit flächendeckend neue Funkmasten gebaut werden können.

Neue Landesgesellschaft soll 232 Masten errichten

In dieser Woche nun hat das Projekt Fahrt aufgenommen: Der Landtag beauftragte mit den Stimmen der Großen Koalition sowie von AfD und Linken in seltener Einmütigkeit die Landesregierung, eine Landesgesellschaft zu gründen und in den nächsten Jahren ein Funkmasten-Programm umzusetzen. Ziel: 4G-Standart überall und lückenlos. Das Land nimmt das Problem selbst in die Hand.

"Klar, dass es da auch Widerstand geben wird.
Christian Pegel, Infrastrukturminister

Infrastrukturminister Christian Pegel, SPD, hat bereits den Bedarf ermittelt: 232 Funkmasten müssen gebaut werden, Kosten: 58 Millionen Euro. Geld ist da, das Ziel ist klar, jetzt müssen nur noch die Masten aufgestellt werden. Das kann allerdings dauern, denn die Genehmigungsverfahren brauchen mindesten zwei bis drei Jahre. Außerdem müssen noch die künftigen Nachbarn der Masten von der Idee überzeugt werden. "Klar, dass es da auch Widerstand geben wird", so Pegel. Und klar ist auch, dass mit den Mobilfunkbetreibern dann erst noch Verträge geschlossen werden müssen, damit die Masten auch senden können.

Hoffnung für Godern

Volker Helms wird´s freuen. Denn der Ortsvorsteher von Godern am Schweriner See wartet schon lange auf Besserung. Die Hälfte der rund 300 Einwohner hat regelmäßig Probleme mit ihren Mobiltelefonen. Godern liegt nur ein paar Kilometer vor der Landeshauptstadt, doch wer hier mobil telefonieren will, muss flexibel sein. An der einen Straßenecke funktioniert nur Vodafone, an der nächsten ist nur die Telekom erreichbar. Volker Helms hat bereits Bedarf für einen neuen Funkmast  für Godern angemeldet. Proteste dagegen dürfte es wohl kaum geben.

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