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Mobilfunkstandard 5G - "Völlig neue Möglichkeiten"

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Bald gibt es 5G - in China, den USA und dann in Deutschland. Das Wirtschaftsmagazin makro sprach mit dem Branchenexperten Hartmut Leuschner, was dies konkret bedeutet.

5G ist weit mehr als nur ein neuer Standard zum mobilen Telefonieren, wie die meisten Leute glauben. 5G ermöglicht praktisch eine komplett mobil vernetzte Welt. Das hat weitreichende Implikationen. Für die Industrie seien die enorm kurzen Reaktionszeiten von großem Nutzen, sagt Hartmut Leuschner, der seit vielen Jahren die Telekommunikationsmärkte analysiert. "In China", so Leuschner, "gibt die Regierung das Tempo vor" - und hat mit dem führenden Netzausrüster Huawei ein echtes Ass im Ärmel. Die Risiken der 5G-Anwendungen liegen auf der Hand: Millionen potentieller Eingangstore für Cyberangriffe.

makro: In den neuen Mobilfunkstandard 5G setzen Staaten und Unternehmen große Hoffnungen. Welche Chancen bietet die neue Technik konkret?

Hartmut Leuschner: Wenn wir das Internet der Dinge künftig ernst nehmen wollen, mit Abermillionen von vernetzten Haushaltsgeräten, Straßenlaternen und Umweltsensoren, reichen uns bald die Kapazitäten der Netze nicht mehr, dafür brauchen wir 5G.

Zudem bietet die enorm kurze Reaktionszeit von 5G für die Industrie völlig neue Möglichkeiten der Automatisierung, des Einsatzes von Robotern, von autonomen Fahrzeugen aller Art auf dem Firmengelände, später auch auf öffentlichen Straßen. Denken Sie auch an Traktoren, Baumaschinen und Busse, die künftig teils ohne Fahrer auskommen könnten.

Ein dritter Aspekt, der in der Gesundheitsindustrie diskutiert wird, ist die Patientenversorgung und Gesundheitskontrolle aus der Ferne, wo ich auf garantierte konstante Netzverbindung angewiesen bin. Auch das wird 5G künftig bieten können.

makro: Mit 5G nimmt die Industrie 4.0 erst richtig Fahrt auf. Wie sind deutsche Unternehmen hier aufgestellt?

Ein selbstfahrendes Uber-Fahrzeug.
Ein selbstfahrendes Uber-Fahrzeug.
Quelle: Uber/EPA//dpa

Hartmut Leuschner: Das kann man nicht pauschal beantworten. Die Automobilindustrie ist wohl schon am weitesten, da man in der Fertigung, in der Vernetzung der Fahrzeuge und der Idee selbständig fahrender Autos die meisten Anwendungsbereiche hat. Mittelständische und kleinere Unternehmen aber laufen Gefahr von der ersten Phase der Entwicklung weniger zu profitieren, da sie oft nicht die IT-Fachkräfte haben, um sich frühzeitig einzuklinken.

Nicht umsonst haben die Industrieverbände schon im September in einer gemeinsamen Erklärung angemahnt, Interessen des Mittelstandes bei der Lizenzvergabe besser zu berücksichtigen und Netzbetreiber dazu zu verpflichten, 5G nicht nur in Ballungsräumen anzubieten.

makro: China und die USA gehen bei 5G in die Offensive. Was können Deutschland und Europa sich dort abschauen?

Hartmut Leuschner: Man kann die Regionen schlecht vergleichen. In den USA haben Netzbetreiber wie AT&T oder Verizon mehr als dreimal so viele Kunden wie zum Beispiel die Deutsche Telekom in Europa und das ohne die Erschwernisse unterschiedlichster nationaler Regulierungen und Frequenzvergaben. In China wiederum gibt die Regierung das Tempo vor und sagt den Netzbetreibern wo sie zu investieren haben. Aber man kann von den Erfahrungen der dortigen 5G-Tests profitieren.

makro: Inwieweit steigt in der vernetzten 5G-Welt das Sicherheitsrisiko - Stichwort Cyber-Kriminalität?

Hartmut Leuschner:  Man schafft allein beim Internet der Dinge Millionen potentieller Eingangstore für Cyberangriffe. Hier helfen neue Technologien wie Router, die jedes eingehende Signal in der Wohnumgebung auf Angriffe überprüfen. Unternehmen werden in Sachen Sicherheit umdenken müssen, wenn von Rauchmelder bis zu Firmenauto, von den Sicherheitskameras bis zur Warenausgabe alles miteinander vernetzt ist.

makro: Mit Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) kontrollieren hierzulande wenige Anbieter die  Netzinfrastruktur. Gibt es einen Mangel an Wettbewerb?

Hartmut Leuschner: In Sachen Netze gibt es zwar nur drei Anbieter, das heißt aber nicht, dass es in Sachen Inhalte und Services keinen Wettbewerb gibt. Eine alternative SIM-Karte kann ich auch bei einem virtuellen Netzbetreiber bekommen oder bei einem Elektronikhändler. Es werden sich auch in Deutschland kapitalkräftige Anbieter von 5G-Diensten etablieren, die sich selbst oder über Drittanbieter die nötigen Netzkapazitäten kaufen oder künftig bei neuen Frequenzvergaben mitbieten.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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