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Mobilität - Eine App für Alle?

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Mit einer App durch die Welt - so lautet die Vision einer vernetzten Mobilität. In Deutschland soll sich zumindest der ÖPNV vernetzen. Doch auch da hapert es an der Umsetzung.

ÖPNV-App des Rein-Main-Verkehrsverbunds (RMV)
Mit der App des Rein-Main-Verkehrsverbunds nicht nur ein Ticket in Mainz oder Frankfurt buchen - sondern weit darüber hinaus. Das soll bald möglich sein.
Quelle: dpa

Als der damalige Berliner Stadtrat für Verkehr, Ernst Reuter, das Versprechen "Mobilität für alle und aus einer Hand" gab, führte das 1929 zur Gründung der Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Fast hundert Jahre später ist es die technische Möglichkeit einer Plattform, die alle Mobilitäts-Angebote miteinander verbindet, die Eberts Parole wieder aktuell macht.

 "Es gibt immer mehr Produkte auf den Straßen, die über Apps genutzt werden, die nicht miteinander verbunden sind", sagt der Mobilitätforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin. "Das macht den ÖPNV unnötig kompliziert und unattraktiv."

Alles über eine App

Im Gegensatz dazu brauche man einen einfachen und bequemen Zugang zum öffentlichen Verkehr, um die Menschen aus dem Auto zu holen. "Alles muss über eine App verfügbar sein, ob U-Bahn, S-Bahn, Fernbahn, Bus oder das Rad", sagt Knie.

Einen Schritt in diese Richtung scheint im kommenden Jahr gemacht zu werden. Dann sollen Nutzer einer Nahverkehrs-App auch Tickets für Busse und Bahnen in anderen Städten kaufen können. Die App mit dem Namen "Mobility Inside" soll es beispielsweise einem Frankfurter ermöglichen, in seiner RMV-App ein Ticket für einen Bus in Karlsruhe kaufen - oder sich eine Stadtbahn-Verbindung in Stuttgart anzeigen lassen.

Dafür wollen sich zunächst sechs Verkehrsverbünde zusammenschließen: Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen (Bogestra), die Dortmunder Stadtwerke (DSW21), die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe, der Rhein-Neckar-Verkehr (RNV), die Verkehrsbetriebe in Stuttgart (VVS) sowie der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). In München und Leipzig laufen nach Angaben des federführenden Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) noch die Entscheidungsprozesse. Ob die Bahn als weiterer Projektpartner schon ab 2020 mitmache, entscheide sich in den kommenden Monaten, heißt es.

"Ein Ticket, eine Anmeldung, alle Angebote"

Mobility Inside will perspektivisch den gesamten öffentlichen Verkehr vereinen. Oder, wie es auf der Website des Projekts heißt: "Ein Ticket, eine Anmeldung, alle Angebote". Das Ziel findet auch Andreas Knie richtig. Allerdings bleibt er skeptisch, was die Umsetzung angeht.

"Die Mobility-Inside-App ist seit ungefähr fünf Jahren im Gespräch und ich habe anfangs auch Hoffnungen damit verbunden", sagt Knie. "Aber durch das verbreitete Kirchturm-Denken ist die Entwicklung längst nicht so weit fortgeschritten, wie es möglich und nötig wäre. Jeder beruft sich auf seine Ansätze und lässt die anderen nicht auf seine Plattform."

Die Gründe für das Schneckentempo, in dem die technischen Möglichkeiten umgesetzt werden, sieht Knie vor allem in der Struktur des öffentlichen Nahverkehrs. "Es wird zwar viel von der Verkehrswende geredet, es passiert aber nichts. Die Zahlen stagnieren, nur da, wo Städte wachsen, wächst der ÖPNV mit."

Pilotprojekt in Berlin

Unterdessen nutzen etwa in Helsinki bereits viele Tausende eine App, die den öffentlichen Nahverkehr mit Car- und Bikesharing, Taxis und Fußwegen kombiniert.

Archiv: Eine Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fährt vor dem Fernsehturm über den Alexanderplatz am 12.03.2019
Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen mit gutem Beispiel voran gehen. Die App "Jelbi" soll künftig mehrere Mobilitätsangebote verbinden.
Quelle: dpa

In Deutschland ist Berlin Vorreiter auf dem Weg zur vernetzten Mobilität. BVG-Chefin Sigrid Nikutta kündigte für diesen Sommer den Start eines Pilotprojekts an. Jelbi, so der Name der App, soll die Nutzer nicht nur per Bus und Bahn, sondern auch mit Mieträdern, E-Rollern, elektrischen Tretrollern, Carsharing-Autos sowie Ride-Sharing-Fahrdiensten durch die Stadt lotsen - Ticketkauf inklusive.

Laut Berliner Zeitung haben sich bereits 25 potenzielle Partner, die sich die Kosten teilen, für das Projekt bei der BVG gemeldet. Nicht dabei sind Car2Go und DriveNow. Deren Mutterkonzerne Daimler und BMW kündigten mit "Reach Now" eine eigene Smartphone-App an, die Mobilitätsangebote zusammenführen soll.

"Es fehlt der große Schub"

"Lokale Ansätze gibt es schon seit Langem", sagt Andreas Knie. "Aber es fehlt der große Schub". Ohne den wird es seiner Meinung nach so laufen wie im Internet, wo "die Googles und Amazons den Markt beherrschen".

Auch im Verkehrsbereich gäbe es mit Uber, dem größten Verkehrskonzern der Welt, bereits den großen Player.

Um das Entwicklungstempo hierzulande zu forcieren, schwebt Mobilitätsforscher Knie eine gesetzliche Lösung vor: "Jeder, der im öffentlichen Raum eine Personenbeförderung anbietet, müsste gesetzlich verpflichtet werden, auch für Kunden anderer Anbieter buchbar zu sein."

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