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Für Upcycling und faire Mode - Model kämpft gegen Fast Fashion

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Für Model Marie Nasemann ist Mode nicht nur ein Job. Lange war Shoppen ihr Hobby - wie Kleidung produziert wurde, interessierte sie nicht. Heute ist das ganz anders.

Die weltweite Produktion von Kleidung und Schuhen hat sich in 15 Jahren verdoppelt. "Fast Fashion" heißt das System, das die Branche geschickt anheizt. Die ökologischen Folgen sind fatal.

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28 min
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Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2013, bei dem mehr als 1.000 Arbeiter und Arbeiterinnen ums Leben kamen, war ein Schlüsselerlebnis für Model und Schauspielerin Marie Nasemann. "Ich habe mir eigentlich zum ersten Mal Gedanken gemacht. Wie kann es sein, dass ein T-Shirt genauso viel kostet wie ein Cappuccino? Ich hab mich beim Shoppen einfach nicht mehr wohlgefühlt." Heute setzt sie sich mit ihrem Blog Fairknallt für mehr Nachhaltigkeit in der Mode ein. Denn vor allem unter Fast Fashion, dem massenweisen Konsum von Billig-Klamotten, leiden Menschen und Umwelt in den Herstellungsländern.

Marie Nasemann
Model Marie Nasemann kämpft gegen Bilig-Modeproduktion und für die Wiederverwertung von Kleidung.
Quelle: Picture Alliance

Billig-Mode in der Altkleidersammlung

Die weltweite Kleidungsproduktion hat sich laut eines Reports der Ellen MacArthur Foundation zwischen 2000 und 2015 verdoppelt. Aber nicht nur die Herstellung steht in der Kritik, auch die Entsorgung. Durch Fast Fashion wächst die Menge an Altkleidern. Für karitative Sammler und Sortierbetriebe wird das zunehmend zum Problem. Denn sie müssen immer größere Berge sortieren und finden dabei immer weniger Kleidung, die noch tragbar ist.

Dabei finanzieren sie das kostenlose Einsammeln von Altkleidern mit dem Verkauf von gut erhaltener Secondhand-Ware. "Die immer weiter sinkenden Qualitäten in Altkleidersammlungen gefährden insgesamt irgendwann die kostenlose Abgabe von Textilien, weil sich das System einfach nicht mehr durch den Weiterverkauf von Waren refinanzieren kann", sagt Thomas Ahlmann von Fairwertung, dem Dachverband der karitativen Kleidersammler. Die vorherrschende Faser besteht inzwischen aus billigem Polyester. Erst der Siegeszug dieser Faser hat den Massenkonsum möglich gemacht, sie ist die Faser der Fast-Fashion-Welt.

Finalistinnen von "Germany's Next Topmodel": Sara Nuru (19, l), Mandy Bork (18, m) und Marie Naseman (20, r)
Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: "Germany's Next Topmodel"-Finale 2009: Sara Nuru (vorn), Mandy Bork (Mitte) und Marie Naseman (ganz rechts).
Quelle: DPA

Downcycling statt Recycling

Die Modebranche wirbt mit Textilrecycling. Ein Teil der Altkleider, die nicht mehr tragbar sind, wird tatsächlich recycelt, etwa zu Dämmstoffen und billigen Putzlappen für die Industrie. Kai Nebel, Textilexperte an der Technischen Hochschule in Reutlingen, sieht diese Art der Weiterverwertung kritisch. Denn es handelt sich in der Regel um Downcycling.

Echte Wertschöpfung dagegen wäre es, aus alten Kleidungstücken neue zu machen. Doch das ist aufwendig und teuer: "Das Recycling im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit bei Textilien ist ein beliebtes Marketingkonzept geworden. Es sind sicherlich Ansätze da, dass man eben ressourcenschonender und nachhaltiger vorgehen möchte. Aber realistisch ist das nicht."

Mode verursacht mehr CO2-Ausstoß als Flüge

Schon heute wird ein Teil der eingesammelten Altkleider verbrannt. Wie viel es ist, weiß aktuell niemand. Klar ist nur: Das Verbrennen von Kleidung ist eine massive Ressourcenverschwendung. Denn laut Vereinten Nationen werden allein bei der Produktion nur einer Jeans mehrere Tausend Liter Wasser verbraucht. Außerdem verursache die Modeindustrie weltweit mehr klimaschädliches CO2 als alle internationalen Schifffahrten und Flüge zusammen.

Wenn es bei der aktuellen Fashion Week in Berlin einen Trend gibt, dann ist es Nachhaltigkeit. Modeindustrie und Designer bewegen sich und präsentieren nachhaltige Kleidung, die keineswegs langweilig ist.

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2 min
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Doch wirklich nachhaltige Mode zu finden ist gar nicht so einfach. Für ihren Blog Fairknallt überprüft Marie Nasemann zusammen mit einem Nachhaltigkeitswissenschaftler Labels und deren Produktionsprozesse. "Viele Marken geben überhaupt keine Informationen heraus. Es gibt auch viele Marken, die sogenanntes Greenwashing betreiben. Also sich als grün ausgeben, obwohl sie es nicht sind." Marie Nasemann kauft heute weniger Klamotten und wenn dann oft Secondhand. Ihre ausrangierten Teile verkauft sie auf Flohmärkten. Denn wenn Kleidungsstücke länger getragen werden, müssen weniger neue produziert werden.

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