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Modellstädte für saubere Luft - Ideen für Bus und Bahn gesucht

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Schnupper-Tickets für 365 Euro im Jahr, mehr Haltestellen, Busspuren vorbei am Stau: Für bessere Luft will der Bund neue Ideen voranbringen. Fünf Modellstädte werden gefördert.

Archiv: Ein Bus fährt in den Busbahnhof in Herrenberg ein, aufgenommen am 13.02.2018
Projekte für bessere Luft: Herrenberg in Baden-Württemberg ist eine von fünf Modellstädten, die vom Bund gefördert werden.
Quelle: dpa

Im Kampf gegen zu viele Diesel-Abgase in deutschen Städten will der Bund auch neue Ideen für einen attraktiveren Nahverkehr voranbringen - damit mehr Autofahrer in Busse und Bahnen umsteigen. Fünf "Modellstädte" bekommen dafür bis 2020 insgesamt bis zu 130 Millionen Euro Förderung vom Bund. Das teilten Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) jetzt mit. Schlagen die Projekte ein, könnten sie dann auch Vorbild für andere Kommunen mit zu hoher Luftverschmutzung sein.

Umweltschützern und der Opposition reicht das bei weitem nicht aus. Städte und Kommunen begrüßten die Pläne, forderten jedoch noch weitere Anstrengungen.

Bonn, Essen, Mannheim, Reutlingen und Herrenberg

Bonn und Essen in Nordrhein-Westfalen sowie Mannheim, Reutlingen und Herrenberg in Baden-Württemberg sollen nun möglichst schnell mit ihren Vorhaben starten. "Nur, wenn wir für saubere Luft sorgen, können wir auch Fahrverbote vermeiden", sagte Schulze. Scheuer betonte: "Nur ein gut ausgebauter und preislich attraktiver öffentlicher Personennahverkehr kann überzeugen." In den fünf Städten leben zusammen rund 1,3 Millionen Menschen und Zehntausende weitere im jeweiligen Umland, die profitieren sollen. Allerdings gibt es im deutschen Nahverkehr jährlich mehr als zehn Milliarden Fahrgäste.

Die Bundesregierung will bis 2020 mehr als 125 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um in fünf Modellstädten Konzepte für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu testen.

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Konkret plant zum Beispiel Bonn als Schnupperangebot für Neukunden ein Jahresticket für das Stadtgebiet zum Preis von 365 Euro - also einen Euro für den Nahverkehr pro Tag. Tagestickets soll es für fünf Personen zum Preis für eine Person geben. Am Wochenende und bis in den späteren Abend hinein sollen Hauptlinien in dichteren Takten fahren. Für Firmen sollen die Hürden für Jobtickets gesenkt werden. Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) verspricht sich dadurch erheblich mehr Fahrgäste und will Pendler aus den Pkws locken.

Handy-App, Prämie, mehr Stopps und Linien

In der Ruhrgebietsstadt Essen ist der öffentliche Nahverkehr bisher eine "Achillesferse", wie OB Thomas Kufen (CDU) sagte. Nun sollen Verbesserungen angeschoben werden - mit mehr Bussen und Fahrern. Auf wichtigen Linien sollen Fahrgäste während der Hauptzeiten alle fünf statt alle zehn Minuten einsteigen können. Eine Prämie soll Neukunden ein 24-Monats-Abo schmackhaft machen. Geplant sind Fahrradstraßen.

Mannheim setzt nach Worten des 1. Bürgermeisters Christian Specht auf eine Handy-App, mit der man einfach einsteigen kann, ohne sich um "Preiswaben" kümmern zu müssen. Berechnet werde nur die günstigere Entfernung nach Luftlinie. Buslinien zu großen Firmen sollen weniger Umwege fahren. Ein wichtiges Element ist auch ein neuer Umschlagplatz für Güter - vom Diesel-Lkw auf Elektrotransporter in die City.

In Reutlingen sollen 100 neue Bushaltestellen und zehn neue Linien eingerichtet werden - ein "Quantensprung", wie die 1. Bürgermeisterin Ulrike Hotz sagt. Auf einer früheren Bahntrasse soll ein Radschnellweg entstehen. Herrenberg will den Preis fürs Tagesticket von sieben auf drei Euro senken. Auf zentralen Achsen sollen digitale Leitsysteme das zulässige Tempo auf Geschwindigkeiten zwischen 20 und 40 Kilometer pro Stunde herunterregeln. So soll es weniger "Stop and Go" geben, wie der 1. Bürgermeister Tobias Meigel erläutert.

Mitte 2019 erste Zwischenbilanz

Insgesamt sind laut Bundesverkehrsministerium 112,7 Millionen Euro verplant, der Rest soll aber im Fördertopf bleiben. Für die Jahre 2019 und 2020 gehen an Bonn 39,34 Millionen Euro, an Mannheim 28,37 Millionen Euro, an Essen 21,22 Millionen Euro, an Reutlingen 19,22 Millionen Euro und an Herrenberg 4,52 Millionen Euro. Im Sommer 2019 soll es eine erste Zwischenbilanz der Projekte geben.

Die Regierung hatte die Modellstädte auch der EU-Kommission genannt, die Deutschland wegen anhaltender Überschreitungen von Grenzwerten für Stickoxide (NOx) im Visier hat und am Europäischen Gerichtshof verklagen will. Der Bund hat auch einen Fonds von einer Milliarde Euro für Maßnahmen in stark belasteten Kommunen aufgelegt. In der Streitfrage technischer Umrüstungen älterer Wagen stellten Schulze und Scheuer eine Verständigung in Aussicht - beharrten aber auf ihren Positionen. Die Umweltministerin will solche Umbauten an Motoren, der Verkehrsminister bekräftigte seine Bedenken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Entscheidung bis Ende September angekündigt.

Städtebund: Nur ein Baustein

Umweltverbänden und Opposition gehen die Vorhaben nicht weit genug. Die Grünen fordern Unterstützung für alle Städte mit schlechter Luft. "Dazu muss die Bundesregierung eine Nahverkehrsoffensive starten und ein Eine-Milliarde-Investitionsprogramm auf den Weg bringen", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Städte und Kommunen begrüßten die Projekte für bessere Luft in den Modellstädten. Allerdings könne dieses Konzept "nur ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer echten Verkehrswende sein, die wir in allen Städten und Gemeinden brauchen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtebunds, Gerd Landsberg, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Letztlich müsse der Individualverkehr reduziert werden.

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