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Klimaforscher zu Waldschäden - Latif: "Im Moment sehe ich nur Symbolpolitik"

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Unserer grünen Lunge, dem Wald, geht es schlecht. Klimaforscher Mojib Latif sagt im ZDF-Morgenmagazin, das liege nicht nur am Klimawandel und der Erderwärmung.

Braun verfärbte Schwarzkiefern bei Volkenberg, Bayern
Quelle: dpa

Nach Angaben von Förstern, Waldbesitzern, Umweltschützern und Politikern gibt es derzeit großflächige Schäden in bisher unbekanntem Ausmaß. Die Rede ist von Notfallplänen, Aufforstungsprogrammen und nationalen Krisengipfeln. Meteorologe Mojib Latif sagt im ZDF, da müsse international einiges passieren.

ZDF: Massive Waldschäden in einem bisher nicht bekannten Ausmaß. Ist der Klimawandel schuld?

Vertrocknete Kiefer in einem Wald in Brandenburg
Vertrocknete Kiefer in einem Wald in Brandenburg
Quelle: dpa

Mojib Latif: Zum Teil ist der Klimawandel schuld. Das liegt daran, dass wir wirklich eine außergewöhnlich schnelle Entwicklung in den letzten zehn Jahren hatten, und wir wissen einfach, dass Ökosysteme, insbesondere auch die Wälder, einfach mit diesem Tempo der Erderwärmung nicht mithalten können. Dann kommt es eben zu den typischen Auswirkungen, die wir im Moment sehen: Die Trockenheit, die extrem hohen Temperaturen sorgen dafür, dass die Bäume weniger widerstandsfähig sind, und dann haben Schädlinge relativ einfaches Spiel.

ZDF: Waldsterben war schon in den 80er-Jahren ein großes Thema. Sehen Sie dazu irgendwelche Parallelen?

Latif: Damals hatten wir das Waldsterben infolge des sauren Regens. Das war relativ einfach in den Griff zu bekommen, in dem wir einfach die Kraftwerke sauberer gemacht haben, so dass weniger Schwefel ausgestoßen wurde. Aber jetzt haben wir die globale Klimakrise, und die ist nicht so einfach in den Griff zu bekommen. Deswegen müssen wir endlich auch auf der höheren Ebene, auf der politischen Ebene, auf der internationalen Ebene versuchen, schneller voranzukommen. Man muss es mal so deutlich sagen: International passiert gar nichts, und wenn man das als Naturwissenschaftler betrachtet, so wie ich, dann gibt es überhaupt keinen Klimaschutz, weil nur der weltweite Ausstoß und Treibhausgase zählen.

Diese Umweltprobleme wurden gelöst, weil sich Menschen dafür eingesetzt haben.

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ZDF: In Sibirien brennen 2,8 Millionen Hektar Wald. Was wird diese Katastrophe für eine Folge haben?

Latif: Ja, das ist Wahnsinn. Die Arktis brennt, kann man fast sagen. Es ist ja nicht nur in Sibirien so, es ist in Alaska, in Kanada. Die Arktis hat sich ohnehin am stärksten erwärmt von allen Weltregionen in den letzten Jahrzehnten und die Waldbrände bringen noch mehr Treibhausgase in die Atmosphäre, sorgen eben für eine zusätzliche Erwärmung. Dann der Ruß, der sich auf die Schnee- und Eisflächen legen kann: Dadurch wird mehr Sonnenlicht absorbiert, und das Ganze kann sich nochmal stärker erwärmen. Stichwort: Meerespiegelanstieg. Die Permafrostgebiete können noch schneller auftauen und es ist gewissermaßen eine Zeitbombe, da riesige Methanvorkommen in die Atmosphäre entweichen könnten und dann nochmal der Erderwärmung einen richtigen Schub geben würden.

ZDF: Könnte eine weltweite, großflächige Aufforstung den Klimawandel bremsen?

Latif: Auf jeden Fall bremsen. Das ist richtig, insofern ist es Gebot der Stunde tatsächlich so viel aufzuforsten wie es möglich ist. Aber das wird nicht reichen. Wir werden den Klimawandel nicht in den Griff bekommen nur - in Anführungsstrichen - durch Aufforstung. Insbesondere müssen wir eben auch berücksichtigen, dass im Moment netto mehr Wald weltweit verloren geht, als wir neu pflanzen. Insbesondere die Regenwälder werden in einem unglaublichen Maße abgeholzt und zum Beispiel der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat angekündigt, dass er das weiter beschleunigen will.

ZDF: CSU-Chef Söder möchte den Klimaschutz in der Verfassung verankern (…). Wie sehen Sie das? Regierende Politik entdeckt völlig überraschend grünes Gewissen - oder einfach nur Symbolpolitik?

Latif: Also im Moment sehe ich nur Symbolpolitik. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wenn es denn wirklich konkrete Maßnahmen gibt. Aber was ich so im Vorfeld höre, das lässt mich schon zweifeln, dass hier wirklich der große Wurf gelingt. Gerade zwischen SPD und Union laufen doch gerade ziemliche Konfliktlinien, und deswegen warten wir mal ab: Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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