Sie sind hier:

Experte warnt vor CO2-Anstieg - "Die Welt verhält sich wie ein Geisterfahrer"

Datum:

2018 hat der Ausstoß an CO2-Treibhausgasen zugenommen. Treiber sind Indien, China, die USA und die EU. Klimaforscher Mojib Latif spricht im ZDF von "fatalen Folgen".

Für den Klimaforscher Mojib Latif verhält sich die Welt "so ähnlich wie ein Geisterfahrer". Man fahre "in umgekehrte Richtung" und stehe nun vor einer "gewaltigen Herausforderung".

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Dem dramatischen Appell von UN-Generalsekretär António Guterres, der zur Eröffnung der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz gemahnt hatte, schon jetzt sei der Klimawandel für viele Menschen und auch ganze Staaten eine "Frage von Leben und Tod", kann sich Klimaforscher Mojb Latif nur anschließen. Der Experte erklärt im ZDF-Morgenmagazin, dass sich die Welt in Sachen CO2-Ausstoß so verhalte wie ein Geisterfahrer, der in umgekehrter Richtung auf der Autobahn unterwegs sei. "Die Einschläge rücken näher", warnt Latif.

CO2-Ausstoß müsse bis 2030 um 45 Prozent sinken

Nach den jüngsten Berichten des Weltklimarates müssten die weltweiten Treibhausemissionen bis zum Jahr 2030 um 45 Prozent sinken, so Latif. Bis 2050 dürfe es praktisch keinerlei Treibhausgase mehr geben. Zum Vergleich erklärt der Forscher: Seit Beginn der Klimaschutzverhandlungen Anfang der 1990er Jahre sei der weltweite CO2-Ausstoß um über 60 Prozent gestiegen: "Wir stehen hier vor einer gewaltigen Herausforderung."

Doch selbst Deutschland würde es nicht schaffen, seine Klimaziele einzuhalten. Dabei sei es durchaus möglich, sofort mit dem Kohleausstieg zu beginnen. Das habe der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen aufgezeigt. "Deutschland verliert hier seine Vorreiterrolle", fürchtet Latif.

Man könne Ländern wie Brasilien oder Indonesien keine Vorhaltungen machen, dass sie ihre Regenwälder abholzen, wenn man zuhause selber Waldflächen rodet, um Braunkohle zu fördern. "Bei den internationalen Verhandlungen geht es um Glaubwürdigkeit, geht es um Vertrauen und wir sind dabei, die Dinge zu verspielen."

Latif: CO2-Steuer muss kommen

Um die Emission von Kohlendioxid in den Griff zu kriegen, komme man um eine CO2-Steuer nicht herum. "Ich bin fest davon überzeugt, CO2 muss einen Preis haben, sonst bewegt sich nichts. Deswegen ist diese Steuer richtig", betont Latif. Das Geld solle nicht verschwinden, sondern gut eingesetzt werden, dann wäre die Akzeptanz auch viel höher. "Alle Klimaökonomen sagen unisono, man braucht eine CO2-Bepreisung, sonst wird man hier nicht vorankommen."

Von dem Weltklimagipfel in Kattowitz verspricht sich Mojib Latif hingegen nicht allzuviel. Die Konferenz sei aber von Angfang an nicht als großer Wendepunkt gedacht gewesen, so Latif. Es gehe dort eher um technische Details. Wie kann man den Ausstoß einzelner Länder messen und vergleichbar machen. Wie kann man armen Ländern helfen, die von Klimawandel besonders betroffen sind. Ein Erfolg sei für ihn, wenn man verbindliche Ziele festlegen würde. "Das wird aber nicht passieren, das hat man in Kopenhagen 2009 versucht, das ist da auch schon gescheitert." Es bräuche einfach stringentere Regeln.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.