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Ein Monolith für die Moderne

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Neues Bauhaus-Museum in Weimar - Ein Monolith für die Moderne

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Mit einem großen Festakt wird heute in Weimar das neue Bauhaus-Museum eröffnet. Der schlichte Betonkubus ist neue Heimat für das Erbe der Weimarer Moderne.

Tagsüber grau, nachts von LED-Streifen erleuchtet: Ein schlichter Betonkubus ist die neue Heimat für das Erbe der Weimarer Moderne. Das neue Bauhausmuseum kann jetzt erstmals umfassend die weltweit älteste Bauhaus-Kollektion präsentieren. 1925 hatte Bauhaus-Gründer Walter Gropius die Sammlung angelegt, mittlerweile besitzt die Stiftung Weimarer Klassik 13.000 Bauhaus-Objekte. Dazu zählen unter anderem die berühmte Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld oder die Bauhauswiege von Peter Keler.

Keine Schnörkel, keine Ablenkung durch die Architektur: streng nach dem Bauhausgedanken, dass die Form sich schmucklos der Funktion anpasst, nimmt sich auch das Museum zurück. Dabei ging es ihr nicht darum, Bauhausarchitektur zu kopieren, meint Architektin Heike Hanada. "Bauhäuslerisch" sei aber die Idee, einen neuen Typus von Museum zu entwickeln. Nicht der Raum, sondern die Exponate sollten im Mittelpunkt stehen. Vorbild, sagte Hanada dem ZDF, waren alte Industriehallen- mit ihrer räumlichen Großzügigkeit und ihrem Werkstattcharakter.

Workshops, Werkstätten und Labore

Bauhaus in Weimar, aufgenommen am 04.04.2019
Bauhaus in Weimar
Quelle: AP

Auf rund 2.000 Quadratmetern ist jetzt reichlich Platz für die neue Dauerpräsentation, aber auch für Workshops, Wechselausstellungen und ein umfangreiches Begleitprogramm. "Das Bauhaus kommt aus Weimar" - so lautet der selbstbewusste Titel der neuen Dauerausstellung. Neben Designikonen und bislang nicht gezeigten Zeitdokumenten stehen Utopien und Experimente zur Lebensgestaltung des frühen Bauhauses und der zwanziger Jahre im Mittelpunkt der Schau.

Aufgeteilt auf mehreren Etagen werden die Objekte in verschiedenen Themenfeldern wie "Der neue Mensch" oder "Die Bühne" präsentiert. Zum Abschluss des Rundganges fragt die Ausstellung "Scheitern? Und was bleibt?" und setzt sich mit den drei Direktoren des Bauhauses auseinander. Parallel dazu gibt es im Haus Werkstätten und Labore. Sogenannte Bauhausagenten hatten schon im Vorfeld mit Schulen kooperiert, Schülerideen sind in die Ausstellung eingeflossen. Unter anderem soll ein Werkstattlabor dazu einladen, wie einst die Bauhäusler mit Form, Farbe und Material zu experimentieren.

Museum steht an einem sensiblen Ort

Rund 27 Millionen Euro haben das Land Thüringen und der Bund in den Bauhaus-Monolithen investiert. Er steht an einer besonders exponierten Stelle - manche sagen Bruchstelle - zwischen dem klassischen Weimar und in Sichtweite des ehemaligen sogenannten Gauforums mit seiner trutzigen Architektur. Für dessen Bau waren einst auch Häftlinge des KZ Buchenwald eingesetzt worden. Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora plant jetzt eine Dauerausstellung zur Zwangsarbeit an diesem Ort.  

Dass sich das neue Bauhausmuseum gegen diesen ehemaligen NS-Prestigebau architektonisch behauptet, sei eine Herausforderung gewesen, meint Architektin Hanada. 1925 hatten die Nazis das Bauhaus schließlich aus Weimar vertrieben. Jetzt soll das neue Bauhausmuseum Kernstück für ein künftiges "Quartier der Moderne" werden.

"Diese Stadt wird anders"

Dazu zählt auch das Neue Museum. Zeitgleich mit der Eröffnung des Bauhaus-Museums startet hier die Ausstellung "Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900". Sie behandelt die Vorgeschichte des Bauhauses. Die Vorgeschichte, die Bauhaus-Bewegung, die NS-Zeit - das neue Quartier macht diese Zusammenhänge verstehbar. Dadurch "wird diese Stadt anders", ist Helmut Seemann, der Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, überzeugt. Weimar ist gleich Goethe und Schiller, die Rechnung gehe jetzt nicht mehr einfach auf. Stattdessen könne man hier den Weg von der Klassik zur Moderne zeigen: Weimar - ein "Kontinuum von spektakulären kulturellen Ereignissen".

Viel Stoff jedenfalls für die vielen Besucher, mit denen Weimar schon an diesem Wochenende rechnet, wenn das neue Bauhaus-Museum - und auch die Ausstellung im Neuen Museum - kostenlos angeschaut werden können. Rund um die Eröffnung gibt es zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem einen Festumzug wie ihn einst die Bauhäusler gern und oft zelebrierten. Und ab Freitagabend leuchtet dann das Bauhausmuseum - ein lichtbekränzter Monolith für die Moderne.

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