Sie sind hier:

Moorbrand gelöscht - Meppen: Gesundheitsgefährdung in Kauf genommen?

Datum:

"Der Brand ist aus!", verkündet die Bundeswehr. Doch hinter den Kulissen brodelt es weiter. Messdaten belegen: Der Kohlenmonoxid-Grenzwert in der Luft wurde überschritten.

Wochenlang brannte nach einem Waffentest der Bundeswehr ein Moor in der Nähe des niedersächsischen Meppen. Jetzt konnte der Brand nach Bundeswehrangaben gelöscht werden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Die Kommunikation der Bundeswehr beim Moorbrand Meppen liest sich wie ein PR-Desaster: Seit dem 3. September steht das Moor im niedersächsischen Meppen in Brand. Erst zehn Tage später erfährt das niedersächsische Innenministerium von dem Feuer - mehr durch Zufall, lediglich inoffiziell habe das Kompetenzzentrum Großschadenslagen des Innenministeriums am 13. September durch die Anforderung von Feuerwehrmaterial davon erfahren, beklagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) später im Innenausschuss des niedersächsischen Landtages. Mehr als zwei Wochen nach Ausbruch des Moorbrandes lässt die Bundeswehr erstmals den Schadstoffgehalt der Luft messen. Zu diesem Zeitpunkt ziehen bereits dicke Rauchschwaden durch die umliegenden Gemeinden.

Streit um Kohlenmonoxid-Grenzwerte

Messen ließ die Bundeswehr allerdings, wie Andreas Sagurna, Leiter Zentrum Brandschutz der Bundeswehr, jetzt in einer Pressekonferenz eingestehen muss, lediglich, um Gesundheitsrisiken für Einsatzkräfte - Feuerwehr, THW, Feldjäger - auszuschließen. Für Einsatzkräfte gelten Kohlenmonoxid-Grenzwerte von 27 ppm, teilte Dr. Barbara Schmidt, Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, mit. Für die Zivilbevölkerung hat das Umweltbundesamt den Grenzwert festgesetzt, den auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt: 9 ppm.

Pikant: Einzelne Messungen der Kreisfeuerwehr Leer hatten Kohlenmonoxid-Werte von bis zu 20 ppm in der Gemeinde Stavern, unweit des Moores, ergeben. Die Kreisfeuerwehr hatte diese Daten in der Nacht vom 18. auf den 19. September erhoben und an die Bundeswehr weitergeleitet - mit der dringenden Handlungsempfehlung, weitere Messungen durchzuführen, teilte Dominik Janßen von der Kreisfeuerwehr Leer mit. Erst durch weitere Messungen hätte eine Gesundheitsgefährdung festgestellt und eine mögliche Evakuierung angeordnet werden können. Doch dazu kam es nie.

Messungen der Feuerwehr ignoriert

Die Bundeswehr legte die Feuerwehr-Messungen beiseite. Für die Zivilbevölkerung ist der Landkreis zuständig. In Stavern wurde mit 20 ppm der Grenzwert für die Zivilbevölkerung um mehr als das Doppelte überschritten. Der Erklärungsversuch der Bundeswehr wirkte heute schwach: "Die Frage, die dahinter steht: Warum haben wir erst dann gemessen? Das ist das, was es zu klären gilt in der Nachbearbeitung. Und eine Spekulation, ob dort etwas gemessen werden hätte können, möchte ich nicht abgeben", sagte Sagurna.

Der Moorbrand ist gelöscht. In den nächsten Tagen kontrolliert eine Brandwache der Bundeswehr weiter, ob sich die Glutnester abermals entzünden. Am Wochenende sollen die Temperaturen noch einmal steigen, ein weiteres Risiko will man nicht eingehen. In der Bundeswehr brodelt es weiter - für sie beginnt erst die Aufarbeitung ihres regelrechten Kommunikations-Desasters.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.