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Der Fotograf Mário Macilau - Mosambik in Nahaufnahme

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Früher lebte er selbst auf der Straße: Der mosambikanische Fotograf Mário Macilau ist bekannt geworden mit Bildern von Straßenkindern in seiner Heimat.

Die meisten Künstler pflegen einen Anfangsmythos, der den Beginn ihrer Arbeit umgibt. Beim Fotografen Mário Macilau aus Mosambik ist es die Sache mit dem Telefon seiner Mutter. Als er 23 Jahre alt war, schilderte er einst in der BBC, kam einer seiner Freunde mit einer Kamera an. Einer Nikon FM2. Er hatte sie von der portugiesischen Familie bekommen, für die er arbeitete und konnte nichts damit anfangen. Macilau, der schon seit seinem 14. Lebensjahr mit geborgten Kameras fotografierte, wollte sie haben. Das Problem: Er hatte kein Geld. Also tauschte er sie für sein Handy ein, das seine Mutter ihm kurz zuvor geschenkt hatte. Seiner Mutter erzählte er mit schlechtem Gewissen, man habe ihn überfallen und das Handy gestohlen.

Mehr als zehn Jahre später ist Macilau ein gefeierter Fotograf, der vielfach ausgestellt wurde: bei Festivals in seiner Heimatstadt Maputo, im Senegal, in Bangladesch, China und Nigeria, außerdem in Galerien in London, New York, Lissabon und kürzlich in Dubai. Seiner Mutter bringe er jedes Mal, wenn er wieder nach Hause komme, neue Handys mit, sagt der 34-Jährige.

Es war eine Frage des Überlebens

Macilau wuchs in armen Verhältnissen in einer Siedlung nahe der Hauptstadt Maputo auf. Sein Kindheitstraum, als Journalist zu arbeiten, wurde bald von der bitteren Realität beiseite geschoben. Als er sieben Jahre alt war, verließ sein Vater die Familie, um im benachbarten Südafrika zu arbeiten. Macilau begann, die Backwaren seiner Mutter auf dem Markt in Maputo zu verkaufen und nahm dort Gelegenheitsjobs an: Autos waschen, Einkäufe transportieren. Er schlief oft auf dem Markt mit seinen Freunden. Sicher war das nicht, es gab keinen Ort, um etwas aufzubewahren, also habe man sich gegenseitig beklaut. Für Macilau "eine Frage des Überlebens". Die Mutter konnte ihren Sohn nicht zur Schule schicke, weil sie kein Geld für die Gebühren hatte.

Macilau fand seinen eigenen Weg, las viel, brachte sich Englisch bei und fing als Teenager mit dem Fotografieren an. Von den alten Aufnahmen, die er in einer provisorischen Dunkelkammer im Haus seiner Mutter entwickelte, hat er nichts aufbewahrt - aus Unwissen. Später veröffentlichte er seine Fotos im Internet, wurde für eine Ausstellung in Lissabon eingeladen und schaffte so den Einstieg in die Kunstwelt.

Splitter des Alltags

Seit einigen Jahren ist das Interesse an zeitgenössischer Kunst aus Afrika stark gestiegen. Zu den dynamischsten Kultur-Hotspots auf dem Kontinent gehören die senegalesische Hauptstadt mit der Biennale Dak’Art und Kapstadt mit dem Museum des früheren Puma-Chefs Jürgen Zeitz. Macilau gehört zu einer Generation junger Künstler, die afrikanische Realitäten aus der eigenen Erfahrung heraus porträtieren. Berühmt wurde er mit seiner Fotoserie über Straßenkinder in Maputo, die bei einem deutschen Verlag als Buch veröffentlicht wurde.

Es sind zumeist eindringliche Porträts, in denen die Protagonisten direkt und angstfrei in die Kamera schauen, Splitter des Alltags auf der Straße: zwei Gesichter, die hinter der gesprungenen Scheibe eines Gebäudes hervorlugen, das sie vor dem Regen schützen soll, ein Kopf unter einem hellen Leinensack mit drei Löchern als Ninja-Maske. Der 13-Jährige spielt Ninja, heißt es in den Bildtexten, die Macilau stets mitgibt. Das Projekt habe sich ergeben, weil ihn die Straßenkinder zum Fotografieren einluden. Er habe die Kinder als Freund fotografiert, nachdem er langsam und ohne Kamera eine Beziehung aufgebaut habe, schreibt Macilau in einem Kommentar des Projektes.

Die schwarz-weiß-Optik, der Fokus auf die Protagonisten oder ein Detail, bei dem die Umgebung ganz zurücktritt, die herausgearbeiteten Texturen von Oberflächen - all diese Charakteristika prägen die Serie. Macilaus Spezialität sind Porträts, oft von Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gezwungen werden. In Zusammenarbeit mit einer Hilfsorganisation machte er Fotos von Mosambikanern im Umland Maputos, die von den wiederkehrenden Dürren und dem allgemeinen Mangel an Frischwasser betroffen sind. Im Frühjahr 2019 soll Macilaus neues Buch über naturbezogene religiöse Praktiken in Mosambik erscheinen. Eine Ausstellung in Berlin ist laut dem Künstler auch geplant.

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