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Mosambik nach den Tropenstürmen - "Kein Dach über dem Kopf. Nichts."

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Vor fast vier Monaten hinterließen zwei Zyklone in Mosambik ein Bild der Zerstörung. Die Hilfe kommt bei den Menschen an - aber von Normalität ist das Land weit entfernt.

Abgedeckte Häuser, zerstörte Schule – überall rund um die Hafenstadt Beira sind die fürchterlichen Folgen der Tropenstürme "Idai" und "Kenneth" noch zu sehen. Gleich nach meiner Ankunft spricht mich Regina Maunde an. Sie ist 29 Jahre alt und will mir und dem Kameramann unbedingt etwas zeigen: "Wollt ihr gar nicht mein kaputtes Haus filmen? Kommt mit!" Ihr kleines Zuhause - eigentlich stabil gebaut - hat ein tonnenschwerer Baum niedergedrückt. "Eine Katastrophe ist das! Ich habe jetzt gar nichts mehr, ich habe kein Dach über dem Kopf. Keinen Job. Nichts".

"Ich hätte gerne meine schöne alte Schule wieder"

Antonio in Mosambik, aufgenommen am 10.08.2019
Schüler Antonio in Beira, Mosambik
Quelle: Antje Pieper

Vor dem Nichts steht nicht nur Regina. Sie ist nur die erste, die ich so verzweifelt auf meiner Reise erlebe. Was auffällt, sind auch die vielen Kinder auf den Straßen. Unsere Kamera weckt Neugier, viele drängen sich um uns. Antonio zeigt mir seine Schule. Oder das, was davon übrig ist. Wir stehen an einem Ort ohne Dach, ohne Wände, nur eine Wandtafel ist noch zu erkennen.

Dieses Klassenzimmer war wunderschön! Aber jetzt ist alles kaputt. Die Tafel auch
Antonio (9), Schüler

"Dieses Klassenzimmer war wunderschön! Aber jetzt ist alles kaputt. Die Tafel auch", erzählt mir der Neunjährige. Unicef hat Zelte aufgestellt - "Temporary Learning Spaces" heißt das hier. So kann der Unterricht weiter stattfinden. Das sei extrem wichtig, erzählen mir hier alle. Denn Schulen sind mehr als Lehranstalten. Sie bieten Geborgenheit und Zusammenhalt. Und Lehrkräfte könnten hier erkennen, wenn Kinder in Not seien. Viele sind durch die Naturkatastrophen zu Waisen geworden und oft schutzlos, auch gegen Ausbeutung und Missbrauch. Ein großes Problem gerade nach Katastrophen.

Antje Pieper (auslandsjournal-Moderatorin) mit Kindern in Mosambik, aufgenommen am 10.08.2019
auslandsjournal-Moderatorin Antje Pieper in Mosambik.
Quelle: Antje Pieper

Ich beobachte den Unterricht in den Zelten. Wenn einer was richtig sagt, wird laut geklatscht. Die Unruhe ist groß. "Das größte Problem ist der Mangel an Lehrmaterial. Es fehlt an Büchern, Heften und so weiter. Und das Unterrichten im Zelt ist auch nicht so gut, die Schüler sind oft unkonzentriert", erklärt mir die Lehrerin Alzira Pereira de Barros. Antonio hat deshalb auch nur einen Wunsch: "Ich hätte so gerne meine alte, schöne Schule wieder!"

Fluten haben Ernten zerstört

Beira ist die zweitgrößte Stadt Mosambiks. Die Hafenstadt liegt aber nicht nur am Meer, hier münden auch zwei Flüsse in den Indischen Ozean. Auch das war eine der Ursachen für die katastrophalen Überschwemmungen. Entwicklungshelfer Rainer Trump arbeitet für die Caritas und nimmt mich per Boot mit nach Barada - 80 Kilometer südwestlich von Beira. Hier waren ganze Dörfer in den Wassermassen verschwunden, die Fluten haben die Ernten zerstört.

Ich bin dabei, als eine lokale Hilfsorganisation Lebensmittel verteilt. Seit den frühen Morgenstunden warten Menschen aus vier Dörfern auf Maismehl, Bohnen, Öl zum Kochen. Eigentlich wollten die Hilfskräfte schon viel weiter sein, Hilfe zur Selbsthilfe leisten und Saatgut verteilen, aber die Not sei noch immer zu groß, erklärt mir Trump.

Erstmal müssen die Menschen satt sein: "Also, wir wollen nicht später Saatgut hier verteilen und das wird dann aber gegessen. Das ist erstmal ungesund, und zweitens ist Saatgut fünf Mal so teuer. Und es wäre schade, wenn das gegessen wird." Alle packen mit an, damit die schweren Säcke zurück nach Hause, in die Dörfer kommen.

Eine Perspektive für die Menschen

In Tica, nordwestlich von Beira, ist man da schon weiter. Hier werden bereits Tomaten und Salat geerntet. Dolca Tomas Maramba ist für die lokale Hilfsorganisation unterwegs, mit der die Diakonie zusammenarbeitet. Sie ist eine von hunderten Freiwilligen. "Ich mache das, weil ich es gerne tue. Ich helfe gerne. Es gibt so viele Familien, die ein schweres Schicksal ereilt hat!" Menschen wie Dolca haben mich auf meiner Reise nach Mosambik schwer beeindruckt. Sie sorgen dafür, dass auch deutsche Hilfe vor Ort ankommt und die Menschen eine Perspektive bekommen.

Antje Pieper ist stellvertretende Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschichte und moderiert das auslandsjournal. Der Moderatorin auf Twitter folgen.

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