ZDFheute

Mosambik: Noch weit von Normalität entfernt

Sie sind hier:

Nach "Idai" und "Kenneth" - Mosambik: Noch weit von Normalität entfernt

Datum:

"Wir werden noch lange Hilfe brauchen": Den Satz hört man von vielen Betroffenen der beiden Zyklone in Mosambik - und von den Behörden. Alle hoffen auf die Geberkonferenz in Beira.

Vor wenigen Tagen erklärte Mosambik den akuten Notstand für beendet, doch die Lage hat sich für viele Menschen kaum gebessert. Zwar sind zahlreiche Hilfsorganisationen - insbesondere nach "Idai" - in die Hafenstadt Beira gekommen und haben begonnen, die Menschen mit Nothilfe, Lebensmitteln und Hygiene-Artikeln zu versorgen. Doch die Zahl der Bedürftigen ist riesig, gemessen an den Mitteln. Laut mosambikanischer Regierung braucht das Land umgerechnet 345 Millionen Euro, bislang hat es erst knapp 30 Prozent davon erhalten. Die Menschen hoffen jetzt auf die internationale Geberkonferenz, die ab Freitag in Beira stattfindet.

Verheerende Bilanz

Zyklon "Idai" war im März 2019 in drei Wellen über das Land gerollt: Als erstes verursachten die Ausläufer Überschwemmungen in den Provinzen Zambezia und Tete, Mitte März traf der Zyklon in der Nähe der Hafenstadt Beira (ca. 500.000 Einwohner) auf Land und zerstörte und beschädigte unzählige Häuser. Danach kam der Regen, weite Teile des Landes wurden überflutet. Während der Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen versuchten, die größte Not zu lindern, traf gerademal sechs Wochen später mit "Kenneth" ein zweiter Zyklon das Land, diesmal weiter im Norden.

Aktuell sieht die Lage nach den beiden Stürmen in Mosambik laut Regierung so aus:

  • mehr als 2,2 Millionen Menschen brauchen Hilfe
  • 285.000 Häuser sind beschädigt oder vollständig zerstört
  • 113 Gesundheitseinrichtungen/Kliniken sind beschädigt
  • 648 Tote

Hilfe erreicht abgeschiedene Regionen kaum

Das Problem ist Hunger. Wir haben jetzt Mais bekommen, aber wir brauchen Reis, Zucker und Öl, das alles haben wir nicht.
Hawa Ibraimo Comice

Wenige Tage nach "Kenneth" drehen wir in Macomia, einer Stadt im Norden Mosambiks, die der Sturm besonders schwer getroffen hat. Die meisten Lehm-, Holz- und Wellblechhütten wurden ganz oder teilweise zerstört, manche Lehmhäuser sind nach tagelangem Regen einfach in sich zusammengefallen, so wie das Haus von Hawa Ibraimo Comice und ihrem Mann. Wir treffen sie an einer Ausgabestelle für Lebensmittel, wo sie mehrere Tage nach dem Sturm zum ersten Mal Hilfe erhält. Es ist ein Sack Mais, 50 Kilogramm für die fünfköpfige Familie. "Das Problem ist Hunger", sagt sie. "Wir haben jetzt Mais bekommen, aber wir brauchen Reis, Zucker und Öl, das alles haben wir nicht."

Aus den Überresten ihres alten Hauses und ein paar Holzstämmen, die sie gefunden haben, haben sie sich eine notdürftige Unterkunft gebaut, sie schützt kaum vor dem Regen. Hawa Ibraimo Comice und ihre Familie teilen das Schicksal Hunderttausender. Vor allem in den ländlicheren, abgeschiedenen Regionen kam bislang nur wenig Hilfe an. Im Norden kommt ein weiteres Problem hinzu, in der Provinz Cabo Delgado terrorisieren islamistische Milizen die Bevölkerung.

Mosambik: Eine Familie vor ihrem zerstörten Haus
Mosambik: Eine Familie vor ihrem zerstörten Haus
Quelle: AP

Situation erschwert Hilfseinsätze

Wenige Stunden nach unserem Dreh kommt es zum ersten Überfall seit "Kenneth". Unbekannte brennen in einem Dorf, wenige Kilometer außerhalb von Macomia Häuser nieder, es gibt Tote. Unbestätigten Informationen zufolge sollen die Angreifer versucht haben, Lebensmittel zu stehlen, die für die Sturmopfer bestimmt waren. Seitdem gab es offenbar weitere Angriffe. Offizielle Zahlen gibt es kaum. Sicher ist nur eines: Die Situation erschwert den Einsatz der Helfer.

Wir arbeiten mit einem Sicherheitsteam im Feld zusammen und wir wissen, dass wir in einem Gebiet arbeiten, das in puncto Sicherheit besondere Achtsamkeit erfordert.
Agusta Maita, Katastrophenschutz.

"Wir arbeiten mit einem Sicherheitsteam im Feld zusammen und wir wissen, dass wir in einem Gebiet arbeiten, das in puncto Sicherheit besondere Achtsamkeit erfordert", sagt Agusta Maita vom mosambikanischen Katastrophenschutz. "Dort, wo es schwierig ist, zu arbeiten, haben wir das Militär, das uns dabei unterstützt, die Lebensmittel dorthin zu bringen."

Menschen ohne Zuhause werden nach Hause geschickt

Mosambik ist laut UN eines der ärmsten Länder der Welt und mit der Lage weitgehend überfordert. Hilfsorganisationen, unter anderem das Welternährungsprogramm, berichten, dass bereits vor wenigen Wochen Notunterkünfte wie Schulen in Beira für die Sturmopfer geschlossen wurden. Die Menschen wurden nach Hause geschickt, nur dass sie kein Zuhause mehr haben. In Pemba soll das nach Zyklon "Kenneth" schon wenige Tage nach der Katastrophe passiert sein. Man gebe ihnen Land, das sie besiedeln könnten, heißt es teilweise von Seiten der Behörden, nur haben die meisten Menschen alles verloren und nichts mehr, wovon sie sich ein neues Zuhause aufbauen könnten.

Kinder sitzen auf Bänken in einer Halle, nachdem sie Nahrung und Trinkwasser in einem temporären Kinderheim in der Stadt Pemba erhalten haben, aufgenommen am 02.05.2019 in Pemba
Kinder in einer Halle, nachdem sie Nahrung und Trinkwasser in einem temporären Kinderheim in der Stadt Pemba erhalten haben.
Quelle: AP
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.