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MSF zum neuen Ebola-Ausbruch - "Die Epidemie ist nicht unter Kontrolle"

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Hunderte Menschen in Zentralafrika sind bei der neuen Ebola-Epidemie gestorben. Ärzte ohne Grenzen fordern eine bessere Prävention und mehr Impfungen. Doch die Mittel fehlen.

Ein kongolesischer Gesundheitshelfer verabreicht Ebola-Impfstoff an ein Kind im Himbi-Gesundheitszentrum in Goma (Kongo), aufgenommen am 17.07.2019
Ebola-Impfungen im Kongo
Quelle: Reuters

"Die Anzeichen sind eindeutig: Die Menschen sterben immer noch in den Dörfern, das Gesundheitspersonal infiziert sich immer noch, und das Virus überträgt sich weiterhin", sagt Joanne Liu, Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. "Die Epidemie ist nicht unter Kontrolle, und wir müssen bei ihrer Bekämpfung einen Gang hochschalten: Dabei darf es aber nicht um Bewegungseinschränkungen oder um die Ausübung von Zwang gegenüber der betroffenen Bevölkerung gehen."

Dorfgemeinschaften und Patienten müssten im Mittelpunkt stehen, sie müssten aktive Teilnehmer sein, fordert Liu - denn Ärzte ohne Grenzen hat selbst erfahren, wie schwierig es ist, auf diese Epidemie zu reagieren. "Wir müssen prüfen, was funktioniert und was nicht. Weil die Nachverfolgung von Kontaktpersonen der Ebola-Patienten nicht vollständig gelinge und nicht alle Betroffenen erreicht werden, sei ein großangelegter Ansatz zur Prävention erforderlich. "Das bedeutet: Ein besserer Zugang der Bevölkerung zu Impfungen, um die Übertragung zu reduzieren."

Mehr als 2.500 Menschen seit Mitte 2018 angesteckt

Wegen der Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Trotz intensiver Bemühungen sei die tödliche Fieberkrankheit im Nordosten des Landes nicht unter Kontrolle gebracht worden, betonte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Es sei an der Zeit, dass die Welt den Ausbruch zur Kenntnis nehme.

Mehr als 2.500 Menschen haben sich laut WHO seit Mitte 2018 mit der Krankheit angesteckt. Rund 1.680 der Infizierten starben. Der Ausbruch hat sich zum zweitgrößten in der Geschichte der hochansteckenden Fieberkrankheit entwickelt. Das Risiko einer Ausbreitung in der gesamten Region sei sehr hoch, sagte Tedros. Der Kampf gegen Ebola wird vor allem von der anhaltenden Gewalt in den Kongo-Provinzen Nord-Kivu und Ituri behindert.

Reisewarnungen und Grenzschließungen abgelehnt

Seit Januar registrierten die Behörden rund 200 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal. Dabei wurden sieben Menschen getötet, darunter ein Epidemiologe der WHO. Dutzende Mitarbeiter und Patienten erlitten Verletzungen. Der Notstand bedeutet eine höhere Alarmbereitschaft sowie den schnelleren Einsatz von Finanzmitteln. Betroffene Länder wie der Kongo sollten noch intensiver Ebolafälle identifizieren und Infizierte isolieren, hieß es weiter. Die Impfkampagne solle verstärkt werden. Nachbarländer müssten ihre Grenzen besser überwachen und alles daran setzen, importierte Fälle zu entdecken. Die WHO lehnte jedoch Reisewarnungen und Grenzschließungen ab. Solche Beschränkungen würden den Kampf gegen die Seuche behindern.

Auch seien Untersuchungen an Flughäfen außerhalb der Region nicht nötig. Jenseits des Kongos waren bislang nur in Uganda einige wenige Fälle mit Todesfolge bekanntgeworden. WHO-Generaldirektor Tedros betonte am Mittwochabend, dass keine globale Gefahr bestehe. Zuvor hatte er sich stundenlang mit einem Expertenteam beraten, wie die Krise einzustufen sei. Bei der bislang schlimmsten Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2016 in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone war der WHO Versagen vorgeworfen worden, weil sie zu spät reagiert habe. Damals erkrankten mehr als 28.000 Menschen, von denen rund 11.300 starben.

Kinderhilfswerk warnt vor zweiter Katastrophe

Moussa Sangara, der für das Kinderhilfswerk World Vision die Ebola-Bekämpfung im Ostkongo leitet, sagte, die Erklärung der WHO sollte ein Weckruf sein. Man stehe kurz vor einer zweiten Katastrophe mit womöglich ähnlichem Ausmaß wie vor fünf Jahren. "Die Verantwortlichen in anderen Ländern können nicht mit ihrem Handeln warten, bis Ebola ihre eigenen Grenzen bedroht", sagte Sangara. Ebola-Kranke müssen streng isoliert werden, spezifische Heilmittel gibt es nicht. Eine Stärkung des Immunsystems über Flüssigkeitszufuhr, die Kontrolle anderer Krankheiten und gesunde Ernährung könnten die Todesrate senken.

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