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Vor Mülheim-Kärlich-Abriss - Der Atomausstieg und seine Baustellen

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Am 31. Dezember 2022 ist Schluss. Dann geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Doch von einem echten Ausstieg kann noch lange nicht die Rede sein.

Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich
Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich im Mai 2019: Die Hälfte des Kühlturms ist bis auf eine Höhe von 80 Metern bereits abgetragen.
Quelle: dpa

Politprominenz lässt sich gern bei Grundsteinlegungen ablichten, denn da entsteht etwas Neues. Wenn die kommissarische SPD-Chefin und rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sich an diesem Freitag zur Abwechslung Abrissarbeiten anschaut, muss es schon etwas Besonderes sein. Es werden spektakuläre Bilder erwartet, wenn am ehemaligen Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich der Rest des Kühlturms einstürzt. Die Atomkraft in Deutschland ist auf dem Rückzug.

Mit Hilfe einer ferngesteuerten Spezialmaschine werden Stück für Stück des Kühlturmes abgetragen, aufgenommen am 26.03.2019
Rückblick: Ferngesteuerten Spezialmaschine im März 2019 bei Abrissarbeiten am Kühlturm in Müllheim-Kärlich
Quelle: dpa

Sieben Reaktoren zur Stromerzeugung sind noch in Betrieb. Bis Ende dieses Jahres scheidet Philippsburg 2 aus, bis Ende 2021 sind Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C dran. Die drei letzten sind Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Am 31. Dezember 2022 ist Schluss. Geschafft ist der Atomausstieg damit aber noch lange nicht. 

"Neben dem Rückbau der Kraftwerke liegt die große gesellschaftliche Herausforderung in der Entsorgung ihrer hoch radioaktiven Abfälle", sagt die Vizepräsidentin des Bundesamts für Entsorgungssicherheit, Silke Albin. "Sie sind eine Gefahr für hunderttausende von Jahren."

Das sind die großen Baustellen:

Rückbau

Abschalten, abreißen, fertig? So läuft das nicht. Mülheim-Kärlich etwa wird seit 2004 "zurückgebaut", 1.700 Tonnen radioaktiver Abfall entstehen dem Betreiber RWE zufolge. Bis statt eines Akw wieder die berühmte "grüne Wiese" da ist, können leicht Jahrzehnte vergehen, und richtig teuer ist es auch.

Zwischenlager

Irgendwo muss der strahlende Müll hin - ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gibt es noch nicht. An den Atomkraftwerken oder in der Nähe wurden Zwischenlager gebaut. Ob die ausreichend geschützt sind, etwa auch vor Terrorangriffen, bezweifeln Kritiker immer wieder. Problematisch außerdem: In den 30er Jahren laufen Genehmigungen aus. Bis dahin wird es kein Endlager geben.

Endlager

Nach jahrzehntelangem Krach um Gorleben hat Deutschland mit der Endlager-Suche ganz von vorn angefangen. Sie soll transparent, ergebnisoffen und nach wissenschaftlichen Kriterien ablaufen. Gerade wird anhand von Daten ausgewertet, welche Regionen grundsätzlich in Frage kommen. Ärger ist programmiert, denn wer will schon den Atommüll bei sich haben? Der Zeitplan: 2031 soll ein Standort gefunden sein, Mitte des Jahrhunderts Müll eingelagert werden.

Finanzen

Die Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall hatten 2017 insgesamt knapp 24 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung des Nuklearmülls an einen Staatsfonds überwiesen. Anlage-Experten sollen daraus bis zum Jahr 2100 rund 169 Milliarden machen. So viel kostet die Entsorgung Prognosen zufolge. Gelingt es, das Geld zu vermehren? Reicht es am Ende aus? Da sind viele skeptisch.

Energiewende

Knapp 12 Prozent des Stroms in Deutschland kommt aus der Kernkraft, die müssen bis Ende 2022 ersetzt werden - nach und nach soll der Ökostrom-Anteil klettern. Dazu kommt der Kohleausstieg für den Klimaschutz bis spätestens 2038. Aber die Energiewende stockt, gegen neue Stromleitungen und Windräder gibt es viel Widerstand. Immer wieder wird die Forderung laut, doch länger auf Atomstrom zu setzen. Aber davon hält die Bundesregierung nichts.

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