Sie sind hier:

Müll durch Online-Handel - Eine Flut aus Folie, Pappe und Karton

Datum:

Jederzeit und bequem einkaufen: Die Deutschen shoppen zunehmend online, der Boom produziert tonnenweise Müll. Trotzdem ist die Öko-Bilanz des Online-Handels nicht ganz so schlecht.

Verpackungsmüll zu Weihnachten
Verpackungsmüll zu Weihnachten Quelle: imago

Das Geschäft brummt. Rund um Weihnachten sowieso, aber auch sonst hat der Online-Handel enorme Zuwachsraten. Allein von 2015 auf 2016 gab es laut Handelsverband Deutschland (HDE) ein Plus von 10,8 Prozent. Für 2017 werden ähnliche Zahlen erwartet. Der Boom stellt vor allem die Zulieferer vor Herausforderungen, aber auch die Abfallwirtschaft. Beim Verpackungsmüll sind die Deutschen nämlich Europameister. Um stolze 540 Prozent hat der Verbrauch im so genannten "Distanzhandel" seit 1996 zugenommen, so das Umweltbundesamt.

Denn was verschickt wird, soll heil ankommen - mit der Hilfe von tonnenweise Papier, Pappe, Karton, Folie oder Styropor. "Im Online-Handel wird im Vergleich zu Groß- und Einzelhandel meistens sehr viel mehr Verpackungsmaterial eingesetzt, da immer eine zusätzliche Umverpackung nötig ist", erklärt Katharina Istel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). "Der Online-Handel ist ein Treiber für den zunehmenden Verpackungsmüll."

Volumen hat zugenommen

Bemerkt haben das auch schon die Müllabfuhren. Weil weniger Print-Medien gelesen werden, seien die Papiertonnen in den letzten Jahren zwar tendenziell leichter geworden, sagt Evi Thiermann vom Abfallwirtschaftsbetrieb München. "Das Volumen hat jedoch durch die Pakete und Verpackungen des Online-Handels zugenommen."

Der Online-Handel also als böser Umweltsünder? Ganz so einfach ist es offenbar doch nicht. Eine Studie des Deutschen CleanTech Instituts von 2015 kommt zu dem Schluss, dass es sogar klimafreundlicher ist, sich etwas liefern zu lassen, als selbst einkaufen zu gehen. Begründet wird das damit, dass im Online-Handel die Waren möglichst effizient gelagert und ausgeliefert werden. Der CO2-Ausstoß sei dagegen deutlich höher, wenn der Kunde mit dem Privat-Auto in die Stadt fährt - zum Shoppen in beheizten und hell beleuchteten Geschäften.

Bessere Öko-Bilanz

Auch das Öko-Institut rechnet vor, dass die Bilanz beim Online-Kauf sogar dann noch besser ist, wenn beim Online-Kauf nicht passende Schuhe als "Retour" zurückgeschickt werden, und wenn gleichzeitig der konventionelle Käufer mit dem Bus zum Einkaufen in die Stadt fährt. Allerdings müsse das noch weiter erforscht werden, gibt Moritz Mottschall vom Institut zu Bedenken. "Es kann ja zum Beispiel sein, dass die Zeit, die beim Online-Kauf gespart wird, für andere Autofahrten genutzt wird." Dann sei nichts gewonnen.

Ebenso wenig, wenn die Kunden "Beratungsdiebstahl" begehen, sich also im Geschäft schlau machen und dann online bestellen. Möglich sei zu guter Letzt auch, dass "durch die niedrige Schwelle für einen Einkauf häufiger Impulseinkäufe getätigt werden", so Mottschall. Heißt: Es werden öfter Sachen bestellt, die man eigentlich gar nicht braucht. Der Konsum würde steigen und damit auch die negativen Folgen für die Umwelt. Mottschall: "Dann kommt viel mehr ins Spiel als das Recycling der Verpackungsmaterialien."

Frische Ware in Styropor

Nach einem Schrumpfen des Online-Marktes sieht es im Moment jedenfalls nicht aus. Ein neuer Trend: Verkauft werden im Netz zunehmend auch Lebensmittel. Mehrere hundert Portale bieten sie schon an, darunter auch große Händler. Das Problem: Lebensmittel müssen schnell geliefert werden und frisch bleiben. Das bedeutet einmal, dass Lieferungen seltener gebündelt werden, also extra verpackt in kleineren Mengen kommen. Und dann wird die Ware oft in Styropor gesteckt - zusammen mit Kühlakkus oder Eiswürfeln in Tüten.

Immerhin gibt es Ideen, um das Problem zumindest zu verkleinern: Einige Anbieter nutzen recycelte Kühlwolle oder kompostierbare Boxen. Verbraucherschützer fordern daneben Pfandsysteme, etwa für Kühltaschen. Aber: "Bisher habe ich noch keine überzeugende Lösung gesehen", so Katharina Istel vom NABU. Das gelte sogar für nicht verderbliche Lebensmittel, "die in wesentlich mehr Einwegkartons oder Einwegtüten geliefert werden, als Kunden im Supermarkt freiwillig mitnehmen würden." Als Verbraucher solle man sich deshalb fragen, ob es wirklich nötig ist, das Essen im Internet zu bestellen.

Anreize für den Handel

"Der Trend wird sich kaum aufhalten lassen", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). "Also sollte man versuchen, ihn so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten." Das heißt zum Beispiel: Lieferwege verkürzen, mehr Recycling-Material einsetzen,  Kartonagen wiederverwenden. Auch Katharina Istel fordert:  Es müsse Anreize für den Handel geben, materialeffizientere Lösungen zu finden. Papier, Pappe und Co sollten teurer sein.

Wirtschaftliche Gründe könnten tatsächlich ein Impuls sein. Denn schon jetzt suchen viele Händler nach Wegen, mit denen sie Verpackungen und Platz im Lieferwagen sparen können. Branchen-Riese Amazon etwa nutzt nach eigenen Angaben eine Software, die vor dem Verpacken die passende Kartongröße festlegt. Damit sei die Zahl der zu großen Kartons deutlich reduziert worden, heißt es.

Dennoch: "Zu große Verpackungen sind im Online-Handel leider häufig der Regelfall", sagt Fischer. Er fordert von den Händlern außerdem, keinen kostenlosen Versand mehr anzubieten. "Denn der erhöht die Bereitschaft der Kunden für Mehrfachbestellungen und führt zu unnötig anfallenden Retouren."

Gezielt bestellen

Und der Kunde selbst ? Der sollte gezielt bestellen, empfiehlt etwa der Rat für Nachhaltige Entwicklung. Also nur das, was er auch wirklich behalten will. Denn mehr als 200 Millionen Paket-Retouren im Jahr würden einen "enormen Transport- und Verpackungsaufwand" nach sich ziehen.

Und vielleicht sollten sich die Verbraucher ja auch einfach mal beschweren, wenn die schmucke Vase nur mit Mühe im Eck eines Riesen-Kartons gefunden werden kann - zwischen Unmengen an unnötigem Füllmaterial.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.