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Schadensbilanz - Weniger Naturkatastrophen zu Jahresbeginn

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Die Münchner Rück stellt weniger Naturkatastrophen im ersten Halbjahr fest. Zum Aufatmen aber ist es zu früh. Naturkatastrophen häufen sich gewöhnlich erst im zweiten Halbjahr.

Archiv: Blick auf ein vom Hurrikan "Irma" zerstörtes Haus am 15.09.2017 in Vilano Beach (Florida)
Ein zerstörtes Haus durch Hurrikan "Irma"
Quelle: dpa

Naturgemäß ist es der Winter, der Menschen zittern lässt. In diesem Jahr kam er mit "Friederike" besonders hart über das Land. Der Wintersturm mit dem sympathischen Namen zog mit unsympathischen Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern über Großbritannien, Nordfrankreich, die Beneluxländer und Deutschland hinweg. Die Folge: Autos gingen kaputt, der Zugverkehr blieb zeitweise auf der Strecke, weil Bäume Oberleitungen umgerissen hatten; Hausdächer wurden beschädigt. Trümmer und Schäden in Höhe von 2, 2 Milliarden Euro hat "Friederike" hinterlassen, 1,7 Milliarden Euro davon waren auch versichert.

Klirrende Kälte und Schnee herrschten auch in Nordamerika bis weit in den März hinein. Dort kam es zu großflächigen Schneestürmen. Das schwerwiegendste Ereignis: Ein Blizzard, der Anfang März Schäden von 2,2 Milliarden US-Dollar hinterließ.

Hurrikans erst in der zweiten Jahreshälfte

Der Naturkatastrophenbericht für die ersten Monate des Jahres hält aber auch erwärmendere Nachrichten bereit: Insgesamt nämlich haben die Naturkatastrophen deutlich weniger Schäden verursacht als sonst zu Jahresbeginn. Nach vorläufigen Zahlen beläuft sich die Gesamtsumme auf rund 33 Milliarden US-Dollar, das sind umgerechnet gut 28 Milliarden Euro. Und das ist der niedrigste Stand seit 2005. "Es ist gut, dass nach extremen Katastrophen mit Rekordschäden wieder eine Phase mit geringen Schäden zu verzeichnen war", fasst Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re, die bisherige Katastrophenbilanz zusammen. Allerdings ist die Betrachtung solcher vergleichsweise kurzer Zeiträume für Naturkatastrophen nur begrenzt aussagefähig. Zum Aufatmen also ist es noch zu früh.

Denn die meisten Naturkatastrophen ereignen sich gewöhnlich in der zweiten Jahreshälfte. "Hurrikans und andere Wirbelstürme bilden sich erst, wenn die Wassertemperatur 26 bis 27 Grad erreicht", erklärt Ernst Rauch, Chef der Klima und Geoforschung des Unternehmens. So führte in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres die Hurrikan-Serie mit den Stürmen Harvey, Irma und Maria dazu, dass die Gesamtschäden rund 340 Milliarden US-Dollar erreichten.

Deswegen musste die Münchner Rück im vergangenen Jahr auch ihre Gewinnprognose drastisch nach unten korrigieren. So bilanzierte Konzernchef Joachim Wenning unlängst auf der Hauptversammlung des Konzerns: "Somit war unser ursprüngliches Gewinnziel von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro nicht mehr erreichbar. Und konsequenterweise erreicht unser Konzernergebnis auch nur rund 400 Millionen Euro."

Klimawandel bringt Extremwetterlagen

Auch der Klimawandel spielt eine immer prominentere Rolle und forciert teilweise Naturkatastrophen. Denn der Temperaturanstieg hat in diesem Jahr zu zwei Extremen geführt: Starke Gewitter mit Sturzfluten auf der einen, Hitze und Dürre auf der anderen Seite. Im Mai und Anfang Juni kam es in Zentraleuropa - auch in Teilen Deutschlands - durch feuchte Luftmassen zu einer Serie von starken Gewittern. Die wiederum lösten zerstörerische Sturzfluten aus. Der Gesamtschaden durch diese Unwetter belief sich auf gut eineinhalb Milliarden Euro.

Gleichzeitig herrscht bereits seit Wochen ein anderes Extrem: Hitze und Trockenheit. Die führt schon jetzt dazu, dass die Ernten geringer ausfallen werden als in anderen Jahren. "In den Trockengebieten muss die jeweilige Landesregierung sich jetzt überlegen, ob sie die Notsituation ausruft, damit Direkthilfen geleistet werden können", meint Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Da solche Phänomene in ihrer Häufung neueren Ursprungs sind, sind die meisten Betroffenen auch nicht dagegen versichert. Bei Sturzflutschäden beispielsweise liegt der versicherte Anteil bei unter 50 Prozent. Schäden durch Sturm oder Hagel dagegen sind hierzulande dagegen größtenteils durch Versicherer abgedeckt.

Erdbeben und Vulkanausbruch

Auf den Klimawandel können solche einzelnen Ereignisse zwar nicht direkt und kausal zurückgeführt werden. "Aber: Klimamodell-Studien zeigen, dass ein künftiger Effekt der Temperaturzunahme häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie intensivere Starkniederschläge sind", sagt Ernst Rauch. "Die Wetterabläufe passen also grob in das Muster, das der Klimawandel für die Zukunft noch häufiger erwarten lässt."

Zu den Großschäden durch Naturereignisse im ersten Halbjahr dieses Jahres zählt natürlich auch der schwere Ausbruch des Vulkans Fuego in Guatemala, bei dem mindestens 100 Menschen ums Leben kamen. Die Schäden dieser Naturkatastrophe sind noch nicht abzuschätzen. Ebenfalls unklar sind die Schäden, die das Erdbeben am 18. Juni in der südjapanischen Präfektur Osaka verursacht hat. Das Beben war etwa in Großstädten Osaka und Kyoto stark zu spüren. Mehrere tausend Gebäude wurden beschädigt. Allerdings gibt es auch hier eine gute Nachricht: Wegen der vergleichsweise hohen Baustandards in den erdbebengefährdeten Gebieten Japans dürften sich die Beschädigungen insgesamt in Grenzen halten.

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