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Machthaber im Porträt - Mugabe: Vom Hoffnungsträger zum Despoten

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Er ist der älteste Staatschef der Welt - und einer der korruptesten: Simbabwes Staatschef Robert Mugabe. Mit dem möglichen Putsch könnte seine brutale Regentschaft bald enden.

Robert Mugabe in Harare am 8.11.2017
Robert Mugabe in Harare am 8.11.2017 Quelle: reuters


Er sei wie Jesus Christus, hat Robert Mugabe einmal gesagt. Jedes Mal, wenn man ihn für tot halte, sei er wieder auferstanden. Der einstige Jesuitenschüler muss es ja eigentlich wissen. Doch der Zahn der Zeit nagt mittlerweile derart an Simbabwes einzigem Staatspräsidenten, dass er seine 93 Jahre kaum mehr verbergen kann. Mugabes längere Auslandsaufenthalte nährten immer wieder Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Sobald er sich länger nicht öffentlich zu Wort meldete, blühten Gerüchte über seinen Tod auf. Selbst als 92-Jähriger nahm er das noch mit Humor: "Es stimmt: Ich war tot. Aber ich wurde wie immer wiedergeboren", feixte er im September 2016. In diesem Jahr wurde er bei Auftritten mehrfach schlafend fotografiert, beim Gehen wurde er häufig gestützt.

Bilder von öffentlichen Auftritten zeigen einen Sterblichen mit schmerzverzerrtem Gesicht. Die Anwärter auf die Macht haben sich längst in Stellung gebracht - vorneweg seine eigene Ehefrau, die prunksüchtige Ex-Sekretärin Grace (51). Mugabe wollte sich nächstes Jahr für eine weitere Amtszeit als Präsident bewerben, für seine Nachfolge hatte er schon Gattin Grace (52) aufgebaut. Ihr Lager innerhalb der Partei wird als "Jungtürken" bezeichnet. Das Gegenlager um den früheren Vize-Präsident Emmerson Mnangagwa (70) heißt im Volksmund "Team Lacoste", wohl nach der edlen Polohemd-Marke. Von der Opposition meldet Joice Mujuru (61), Vorsitzende der Partei Zimbabwe People First (ZimPF), Ansprüche an.

Keinen anderen Regierungschef erlebt

Mugabe engagierte sich bereits Anfang der 1960er Jahre im politischen Kampf gegen das rhodesische Siedlerregime. Dafür musste er zehn Jahre lang im Gefängnis schmoren. Nach seine Haftentlassung 1974 ging er ins Nachbarland Mosambik und wurde schnell einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Regierungschef Ian Smith. Nach Jahren des Guerillakampfes gewann Mugabes Partei 1980 die Parlamentswahlen, er wurde Premierminister, 1982 auch Präsident.

Seit seiner staatlichen Unabhängigkeit 1980 hat das einstige Rhodesien keinen anderen Regierungschef erlebt als Mugabe: erst als Premierminister, seit 1987 als Staatspräsident. Und es erlebte gute Tage - zunächst. Über den Daumen gepeilt waren es zehn Jahre des Aufschwungs, zehn schwere Jahre und ein gutes Dutzend desaströse.

Als Anführer schwarzer Rebellen hatte Mugabe in einem blutigen Bürgerkrieg die "Kornkammer Afrikas" aus der Hand der weißen Eliten erobert. Und als alle schon mit einem großen Gemetzel an der kolonialen Oberschicht rechneten, packte der neue starke Mann zur Überraschung der Weltöffentlichkeit die Friedenspfeife aus und rief zu Versöhnung und zum gemeinsamen Wiederaufbau auf. Ein Star war geboren; ein ethnisches Massaker an rund 20.000 angeblichen Kollaborateuren wurde geflissentlich übersehen.

Kluge und soziale Wirtschaftspolitik - zunächst

Die meisten Weißen blieben im Land - und erlebten staunend mit, wie der gutaussehende Intellektuelle mit seinem lupenreinen Englisch Gesundheits- und Bildungsprogramme für die Schwarzen auflegte und eine kluge, soziale Wirtschaftspolitik betrieb. Die westliche Welt überschlug sich mit Elogen. Wie Mugabe - so musste es Afrika machen.

Die Armee Simbabwes hat Spekulationen über einen Militärputsch zurückgewiesen. Sie gibt an, gegen Kriminelle im Umfeld von Staatschef Mugabe vorgegangen zu sein.

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Es ist viel psychologisiert und politologisiert worden, warum der erfolgsgewohnte Könner seit den 90er Jahren zu einem eiskalten Monster mutierte - vermutlich auch, weil er Angst davor hatte, ihm könnte wegen früherer Vergehen der Prozess gemacht werden. Pressefreiheit und Opposition ließ er nach Kräften unterdrücken. Als gewiefter Taktiker bemühte er auch immer wieder das (weiße) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden.

Ein wichtiger Faktor scheint der Tod seiner ersten Frau Sally 1992 gewesen zu sein, mit der er keine Kinder haben konnte. Mugabe heiratete seine Sekretärin Grace, die zügellosen Luxus liebt. Hummer und Champagner gehörten fortan zur Grundausstattung, auch als seine Landsleute bereits zu Tausenden verhungerten.

Marktwirtschaft statt Dirigismus

Ein zweiter psychologischer Knick dürfte die Befreiung von Nelson Mandela im Februar 1990 gewesen sein. Dass der Freiheitsheld aus dem Nachbarland Südafrika ihm auf Anhieb den Rang als das Idol des Schwarzen Kontinents ablief, konnte der eitle Mugabe nicht verwinden. Die Landreform, die der Präsident seit 1990 einleitete, begünstigte die eigene Klientel statt der landlosen Masse. Marktwirtschaft wich Dirigismus, und die Einmischung Simbabwes in den Bürgerkrieg im Kongo führte den Staatshaushalt in die Roten Zahlen. Endgültiger politischer Wendepunkt war ein verlorenes Verfassungsreferendum 1999.

Mugabe wandte sich voll Verachtung von seinem eigenen Volk ab. Von nun an war der Machterhalt sein einziges Interesse. Mit einem Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte brach Mugabe Ende der 90er Jahre mit der Politik der Versöhnung gegenüber Weißen. 1999 wurden über 800 Großfarmer entschädigungslos enteignet. Mugabes Anhänger besetzten Tausende Farmen, zahlreiche weiße Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet. Viele Farmen wurden an Verbündete Mugabes gegeben, die keine Erfahrung mit Landwirtschaft hatten, oder an überforderte schwarze Kleinbauern. Die Produktion von Mais und Tabak brach rasant ein. Das löbliche Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

Zur Person: Robert Gabriel Mugabe

Die Elendsquartiere rund um Harare und andere Städte wurden in der Aktion "Schmeißt den Müll raus!" von Bulldozern zusammengeschoben, Hunderttausende Menschen vertrieben und in noch tiefere Not gestürzt. Die Inflation stieg auf Tausende Prozent; das Land hungerte.

Offizielle Amtszeit endet 2018

Seinen ernsthaftesten Konkurrenten dieser Jahre, Oppositionsführer Morgan Tsvangirai, hängte Mugabe nach einer leichten Besserung der wirtschaftlichen Lage bei den Wahlen 2013 deutlich ab. Der hatte 2008 die Wahl nach Einschätzung vieler Beobachter schon im ersten Durchgang gewonnen. Die Wahlkommission verlangte jedoch eine Stichwahl - und gab den Schergen von Mugabes Partei ZANU-PF damit genügend Zeit für eine Welle der Gewalt gegen die Anhänger der Oppositionspartei MDC. Tsvangirai zog seine Kandidatur zurück, um Schlimmeres zu vermeiden. "Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können", fabulierte Mugabe. Auf internationalen Druck hin akzeptierte Mugabe zähneknirschend doch die Bildung einer Einheitsregierung mit Tsvangirai. Seit 2013 regiert er wieder ganz allein - die offizielle Amtszeit endet 2018.

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