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Mugabe gibt Macht ab - Vom Hoffnungsträger zum Despoten

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Er galt einst als Hoffnungsträger Afrikas, doch sein wachsender Hunger nach Macht ließ Robert Mugabe zum Despoten werden und trieb Simbabwe in den Ruin.

Simbabwe: Robert Mugabe
Simbabwe: Robert Mugabe Quelle: dpa

In fast vier Jahrzehnten an der Macht hat sich Simbabwes Präsident Robert Mugabe vom Freiheitskämpfer und weltweit respektierten Hoffnungsträger zu einem Despoten entwickelt, der sein Land heruntergewirtschaftet hat. Der 93-Jährige wollte sich nächstes Jahr für eine weitere Amtszeit als Präsident bewerben, für seine Nachfolge baute er schon Gattin Grace (52) auf.

Doch dann machten ihm seine alten Weggefährten der Armee einen Strich durch diese Rechnung. Nur Tage nach dem Militärputsch vom Mittwoch vergangener Woche wandten sich offensichtlich alle Weggefährten in Windeseile von ihm ab. Um einer Amtsenthebung durch das Parlament zu entgehen, erklärte er am Dienstag seinen Rücktritt.

Wachsender Hunger nach Macht

Mugabes Verdienste, im Jahr 1980 das weiße Minderheitsregime zu überwinden und Demokratie einzuführen, sind unbestritten. Doch er wurde immer machthungriger und verlor den Blick für die Probleme der Menschen. Aus der Kornkammer des südlichen Afrikas wurde ein verarmtes, hungriges Land. Die Infrastruktur verfiel, die Währung kollabierte, Hunderttausende verließen das Land.

Der Mann mit dem kuriosen Zahnbürsten-Bärtchen und den großen Brillengestellen klammerte sich zuletzt immer brutaler an die Macht - vermutlich auch, weil er Angst davor hatte, ihm könnte wegen früherer Vergehen der Prozess gemacht werden. Pressefreiheit und Opposition ließ er nach Kräften unterdrücken. Als gewiefter Taktiker bemühte er auch immer wieder das (weiße) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden.

In Simbabwe ist Langzeitpräsident Robert Mugabe nach 37 Jahren an der Macht zurückgetreten. Damit ist er einer Amtsenthebung durch die eigene Partei zuvor gekommen.

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Mugabe engagierte sich bereits Anfang der 1960er Jahre im politischen Kampf gegen das rhodesische Siedlerregime. Dafür saß er zehn Jahre lang im Gefängnis. Nach seiner Haftentlassung 1974 ging er ins Nachbarland Mosambik und wurde schnell einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Regierungschef Ian Smith. Nach Jahren des Guerillakampfes gewann Mugabes Partei 1980 die Parlamentswahlen, er wurde Premierminister, 1987 auch Präsident.

Versöhnung im Vordergrund, Machtkämpfe im Hintergrund

Karte von Afrika - Simbabwe mit Harare
Karte von Afrika - Simbabwe mit Harare Quelle: ZDF

Der stets elegant gekleidete Intellektuelle und brillante Rhetoriker verblüffte Freund und Feind zunächst mit einem auf Ausgleich zwischen Schwarz und Weiß zielenden Versöhnungskurs. Die Wirtschaft wuchs, die Regierung investierte erfolgreich ins Gesundheits- und Bildungswesen. Die Alphabetisierungsrate stieg rasant. Mugabe sorgte für ein bis heute anhaltendes Klima, in dem gute Bildung von allen Familien als Priorität betrachtet wird. Damit war er für viele der Archetyp eines erfolgreichen und modernen afrikanischen Regierungschefs.

Doch Machtkämpfe focht Mugabe skrupellos aus. Zudem setzte der Angehörige der dominanten Volksgruppe der Shona schon bald das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern wurden von 1982 bis 1987 Tausende Ndebele getötet.

Blutiger Kampf gegen die Weißen

Mit einem Beschluss, weiße Bauern zu enteignen, brach Mugabe Ende der 90er Jahre mit der Politik der Versöhnung gegenüber Weißen. 1999 wurden über 800 Großfarmer enteignet - ohne Entschädigung. Mugabes Anhänger besetzten Tausende Farmen, viele Landwirte und deren Familien wurden getötet.

Viele Farmen wurden an Verbündete Mugabes gegeben, die keine Erfahrung mit Landwirtschaft hatten, oder an überforderte schwarze Kleinbauern. Die Produktion von Mais und Tabak brach ein. Das Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

"Nur Gott wird mich abwählen können."

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai gewann die Wahl 2008 nach Einschätzung vieler Beobachter schon im ersten Durchgang. Die Wahlkommission verlangte jedoch eine Stichwahl - und gab den Schergen von Mugabes Partei Zanu-PF damit genügend Zeit für eine Welle der Gewalt gegen die Anhänger der Oppositionspartei MDC. Tsvangirai zog seine Kandidatur zurück, um Schlimmeres zu vermeiden. "Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können", fabulierte Mugabe.

Viele Simbabwer resignierten und warteten zuletzt schlicht auf den Tod ihres greisen Präsidenten. Mit einem Militärputsch indes rechnete niemand. Mugabes längere Auslandsaufenthalte nährten immer wieder Spekulationen über seinen Gesundheitszustand.

Bis zuletzt Meister des Comebacks

Sobald er sich länger nicht öffentlich zu Wort meldete, kursierten Gerüchte über seinen Tod. Selbst als 92-Jähriger nahm er das noch mit Humor: "Es stimmt: ich war tot. Aber ich wurde wie immer wiedergeboren", feixte er im September 2016. In diesem Jahr wurde er bei Auftritten mehrfach schlafend fotografiert, beim Gehen wurde er häufig gestützt.

Mugabes erste Frau Sally war 1992 gestorben. Später heiratete er seine frühere Sekretärin Grace Marufu, mit der er drei Kinder hat. Grace Mugabe, 41 Jahre jünger als Mugabe selbst, wurde oft für ihren luxuriösen Lebensstil kritisiert. Mögliche Rivalen und Kronprinzen hat Mugabe immer wieder kalt gestellt, er wollte keine geregelte Nachfolge. Nun wird er diesbezüglich nichts mehr zu melden haben.

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