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Aufzug der Zukunft - Hoch hinaus ganz ohne Seil

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Der Paternoster war einmal - die Aufzüge der Zukunft sehen ganz anders aus: Der Essener Konzern ThyssenKrupp stellt heute eine Innovation vor. Der "Multi"-Lift soll ganz ohne Seile auskommen. So könnten nahezu unbegrenzt viele Kabinen in einem Schacht fahren.

Thyssen-Krupp stellt einen neuen "Multi"-Aufzug vor. Anstatt eines Seils bewegen Magnetfelder die Kabinen im Schacht. Der Konzern erhofft sich davon ganze neue Einsatzmöglichkeiten.

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Markus Jetter blickt in einen Aufzugschacht und spricht von einer "Revolution". Jetter arbeitet für ThyssenKrupp, in einem Test-Turm im baden-württembergischen Rottweil erprobt der Konzern neue Aufzugsysteme. Heute wird eines davon, genannt "Multi", eingeweiht. Das Besondere: Der Aufzug funktioniert ohne ein einziges Seil. "Das Seilsystem, das wir seit 160 Jahren bei Aufzügen kennen, legen wir auf die Seite", sagt Jetter. Mehr Effizienz, weniger Wartezeit, bislang unerreichte Höhen - das sind Jetters Versprechen. Wie soll das gehen?

Zwischen Transrapid und Paternoster

Die Entwickler haben die Logik des in Deutschland gescheiterten Transrapid-Projekts auf Aufzüge übertragen. Anstatt eines Seils bewegen Magnetfelder die Kabinen im Schacht. Die Fahrkörbe schweben also sozusagen nach oben oder unten. Da keine hinderlichen Seile im Schacht sind, können laut Jetter beliebig viele Kabinen im Schacht unterwegs sein. "Je höher Gebäude werden, desto länger werden die Fahrstrecken und desto ineffizienter ist es, nur eine Kabine im Schacht zu betreiben", sagt Jetter. Mehrere Kabinen also - das erinnert an einen Paternoster.

Ein Problem aber stellte sich den Entwicklern: Was tun, damit sich die einzelnen Kabinen nicht gegenseitig im Weg stehen? Die Lösung: Die Kabinen fahren nicht nur vertikal, also nach oben oder unten, sondern auch horizontal, also von links nach rechts. Und so entstand eine ganz neue Idee, nämlich mehrere Gebäude mit Aufzügen zu verbinden. Noch Zukunftsmusik, auch wenn Andreas Schierenbeck, CEO der ThyssenKrupp Elevator AG, schon sehr konkrete Vorstellungen hat: "In 20 oder 30 Jahren werden wir vernetzte Gebäude sehen, wo Aufzugskabinen auch zwischen Gebäuden fahren", sagt er, "aber vielleicht auch bis zur nächsten U-Bahn-Station."

Reaktion auf Urbanisierung

Der erste Multi soll in einem Hochhaus in Berlin eingebaut werden. Aber die Manager von ThyssenKrupp schielen auch auf ganz andere Märkte. "Sicherlich ist der Markt im Mittleren Osten, aber auch in China und den USA. Überall da, wo in sehr vielen Städten sehr hoch gebaut wird", sagt Schierenbeck. Unerreichte Höhen von Gebäuden wollen sie mit dem "Multi" ermöglichen. Denn ohne Seil, so die Vorstellung der Entwickler, spielen Seilgewicht und Seilschwingungen - bisher oft Hemmnisse für allzu hohe Aufzüge - bald womöglich keine Rolle mehr.

Der Konzern reagiert damit auf eine globale Entwicklung in Sachen Städtebau: Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Dort wird immer dichter und immer höher gebaut. Das will ThyssenKrupp für sich nutzen. Ob das mit dem "Multi"-Aufzug auch in der Praxis gelingt, muss der Konzern in den nächsten Jahren beweisen.

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