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Musikstreaming - Des Kunden Freud', des Künstlers Leid

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Ob Hip-Hop, Rock, Klassik oder Metal: Wer viel Musik hört, nutzt heute Streaming-Dienste über das Internet. Und die haben die Musikszene kräftig umgekrempelt. Doch nicht alle sind damit glücklich, dass es Flatrates gibt.

Unbegrenztes Streaming mit dem Smartphone? Dank einer neuen Telekom-Option kein Problem! Jedoch nur über eine Hand voll von Partnerplattformen. Verbraucherschützer schlagen Alarm. Die Bundesnetzagentur überprüft, ob SpeedOn die Netzneutralität einhält.

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Noch vor zehn Jahren sah das Leben von Musikliebhabern anders aus: Sie besuchten illegale Tauschbörsen, hörten Internet-Radio oder steckten Unsummen in ihre CD-Sammlungen, bei der eine simple Remix-CD auch mal 15 Euro kostete. Mit dem Musikstreaming ist heute alles ander: Für zehn Euro monatlich gibt es Zugriff auf den kompletten Katalog der Musikindustrie - legal und ohne Einschränkung. Ebenfalls praktisch: Streaming-Dienste sind nicht nur auf Smartphones und PCs nutzbar.

Auch moderne Hifi-Anlagen, WLAN-Lautsprecher und Soundsysteme im Auto werden unterstützt. Und damit es keinen Ärger beim Hören gibt, kostet ein Familienaccount etwa 15 Euro - damit die Kinder nicht die Social-Media-Reputation ihrer Eltern ruinieren, wenn sie versehentlich "Das Lied der Schlümpfe" auf Papas Facebook-Account teilen.

Kommerzielle Angebote sind kaum zu unterscheiden

Mehr als zehn große Streaming-Dienste buhlen weltweit um Kunden. Dabei muss man sich schon sehr anstrengen, um größere Unterschiede zwischen Spotify, Apple Music, Amazon Play Music, Deezer, Napster oder Google Play Music zu entdecken - das Angebot ist weitgehend identisch.

Dass sich die Dienste kaum voneinander unterscheiden, liegt daran, dass die Musikindustrie ihre Lizenzen an alle gleichermaßen verkauft. Bei durchschnittlich 40 Millionen Songs ist für jeden Geschmack etwas dabei - großartig, aber auch etwas sinnfrei. Denn bei einer Titellänge von durchschnittlich drei Minuten kann man 13.600 Jahre durchgehend Musik hören. Nur in Sachen Hörbücher herrscht ein großer blinder Fleck, das Klassik-Angebot ist meist erbärmlich - dafür gibt’s Pop, Rock, Hip-Hop, Jazz und sogar Rares bis zum Abwinken.

Für die Kunden ist das erfreulich. Der Wettbewerb ist zu hart, als dass sich die Anbieter eine Blöße geben. Apps für Android und iOS, Unterstützung für Entertainment-Hardware, Webplayer und Computerzugang sind heute ein Muss. Und von den neuen Internet-Lautsprechern (Amazons "Alexa Echo", Apples "Homepod" u.a.) versprechen sich die Dienste viel - ein kleiner Sprachbefehl, und schon ertönt die gewünschte Musik. Laut Universal Music Group-Chef Frank Briegmann spült das Streaming inzwischen mehr Geld in die Kassen als der klassische Tonträgerverkauf. Zufriedene Kunden, zufriedene Labels - eigentlich müssten alle glücklich sein. Doch dem ist nicht so.

Miese Verteilung: Den Künstlern bleibt zu wenig

Streaming passt sehr schön zum Trend "nutzen statt besitzen". Doch die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich auch daran, wie sie mit ihren Künstlern umgeht - und Musiker haben es in Zeiten von Streaming nicht leicht. "34.000.000 mal gestreamt, 1.700 Pfund nach Steuern. Danke Apple, YouTube, Spotify", twitterte beispielsweise Geoff Barrow, musikalisches Mastermind der britischen Band Portishead - und er ist nicht der einzige Musiker, der mit der Situation unzufrieden ist.

Aber wohin fließt das Geld? Eine Studie der Beratungsfirma Ernst und Young schlüsselt das in einer Beispielrechung für Spotify auf. Von den 9,99 Euro behält der Dienst 21 Prozent (2,08 Euro). Das Plattenlabel bekommt 73 Prozent (7,32 Euro). Die restlichen 68 Cent gehen an die Musiker. Im Schnitt bekommt der Künstler - je nach Vertrag - pro gespieltem Song 0,0052 bis 0,0073 Euro. Kein Wunder also, dass die Musiker mit Streamingdiensten hadern, deren CDs nicht ein Millionenpublikum erreichen - und selbst dann reicht es manchmal nicht zum Leben.

Mit Musik die Netzneutralität aufweichen

Das ist aber nicht der einzige Ärger, den es in Sachen Streaming gibt. So haben die Telekommunikationsriesen digitale Musik für sich entdeckt. O2, Vodafone und T-Mobile haben Deals mit Napster, Deezer und Spotify abgeschlossen, um ihre Smartphone-Angebote attraktiver zu gestalten. T-Mobile zum Beispiel gründete dafür den Smartphone-Zusatzdienst "StreamOn". Damit können T-Mobile-Kunden auf dem Handy private und öffentlich-rechtliche Musik- und Videoströme empfangen und ansehen. Diese Datenpakete werden nicht auf das monatlich verfügbare Datenvolumen angerechnet - auf den ersten Blick prima für den Kunden.

Doch Kritiker sehen dadurch das Internet-Solidarprinzip "Alle Daten werden gleichwertig behandelt" in Gefahr. Denn so bekommen Musikdaten plötzlich "Vorfahrt". Dass es keine Daten-Zweiklassengesellschaft geben darf, wurde jedoch durch eine EU-Verordnung im vergangenen Jahr noch einmal explizit bestätigt. Daten sollen "ohne Diskriminierung, Beschränkung oder Störung" fließen können - dieses Prinzip wird dadurch aber aufgeweicht. Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt, dass die Firmen für freien Datenfluss Zusatzgebühren verlangen könnten - und es bleibt wohl ein frommer Wunsch, dass davon auch nur ein Cent bei den Musikern ankäme.

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