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ZDFzoom: Auto gegen Fahrrad - Muss Radfahren so gefährlich sein?

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Radfahrer haben wenig Platz auf den Straßen und oft auch wenig Schutz. 254 Menschen starben 2017 innerorts, über 11.700 wurden schwer verletzt. Muss Radfahren so gefährlich sein?

Im letzten Jahr kamen 254 Radfahrer in deutschen Städten ums Leben. Doch es gibt Lösungen für mehr Sicherheit: Sogenannte Assistenz-Systeme im LKW könnten helfen, die Zahl solcher Opfer zu verringern. Sie warnen, wenn sich neben dem Fahrzeug etwas bewegt.

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Es geschieht im vergangenen Herbst an einer Kreuzung in Flensburg: Paul fährt auf dem Radweg zur Schule. An der Ampel neben ihm hält ein Lkw. Als der rechts abbiegt, übersieht er Paul und nimmt ihm die Vorfahrt. Zwei Mal wird er überrollt. Der Junge wird nur 14 Jahre alt. Seine Eltern kommen nicht darüber hinweg: Ihr Sohn hat alles richtig gemacht und ist dennoch tot. "Das ist ein völlig sinnloser Tod gewesen. Ein glückliches Kind, das zutiefst geliebt wurde, wurde einfach aus seinem schönen Leben gerissen", sagt Pauls Mutter.

Radfahrer werden von Lkw-Fahrern kaum gesehen

Pauls Unfall ist einer von vielen, die jedes Jahr auf deutschen Straßen passieren. Das Problem: Radfahrer sind vor allem im Spiegel eines Lkw nur sehr schlecht zu sehen. "Radfahrer sind bei einem Lkw-Unfall besonders gefährdet, tödlich verletzt zu werden - einfach, weil er gleich mehrere Probleme hat: Er stößt mit dem Lkw zusammen, dann stößt er auf die Fahrbahn, auch ein sehr harter Aufprall, und dann kommt es noch in sehr vielen Fällen zum Überrollen und dann spätestens ist der Radfahrer tot," erklärt Sigfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer.

Sogenannte Assistenz-Systeme könnten helfen, die Zahl der getöteten Radfahrer auf deutschen Straßen zu verringern. Sie warnen, wenn sich neben dem Lkw etwas bewegt. Seit einem knappen Jahr sind solche Systeme in Deutschland auf dem Markt. Kosten: zwischen 600 und 2.500 Euro. Doch der Einbau ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Das zuständige Bundesverkehrsministerium erklärt auf Nachfrage: "Die gesetzlichen Voraussetzungen sind international geregelt und können von Deutschland nicht im Alleingang geändert werden". Bis aber eine gesamteuropäische Lösung gefunden ist, können noch Jahre vergehen. Die Gefahr also bleibt.

Stuttgart: Keine Parkplätze für Radwege opfern

Große Fahrradgruppe nutzt mehrspurige Staße komplett
So macht Radfahren natürlich am meisten Spaß.
Quelle: ZDF

Umso wichtiger sind sichere Radwege. Doch wenn für Radwege dem Auto Platz weggenommen wird, beginnen oft die Probleme. Beispiel Stuttgart: Die Stadt erstickt im Dauerstau, der Radverkehr muss gefördert werden. Darüber sind sich alle politischen Parteien einig. Schon seit Jahren will Stuttgart 36 Haupt-Radrouten bauen. Doch fertiggestellt sind davon bislang nur drei. "Der Gemeinderat hat noch einmal einen Rückzieher gemacht, und eine neue Prüfung von Alternativstrecken beantragt", kritisiert Stadträtin Christine Lehmann (B90/Grüne).

Der Fraktionschef der CDU im Stadtrat, Alexander Kotz, erklärt: Grundsätzlich sei er schon für mehr Radwege. Nur nicht auf Kosten der Parkplätze: "Weil diese Stellplätze ja benötigt sind. Die stehen ja bisher nicht leer." Deshalb werden in der baden-württembergischen Landeshauptstadt anstelle von echten Radwegen häufig neue Schilder aufgehängt; Gehwege werden zum Radweg. Und die Stadt Stuttgart bleibt eine autogerechte Stadt.

Berlin: 100.000 Unterschriften für Volksbegehren

Gute Radwege aber sehen anders aus, sagt der Initiator des Berliner Rad-Entscheids Peter Feldkamp: "Ein Radweg ist dann ein guter Radweg, wenn ich ihn benutzen kann, wenn er breit genug ist zum Überholen und wenn ich ohne Probleme meine zehnjährige Tochter darauf fahren lassen würde." Für bessere Radwege haben Feldkamp und seine Berliner Mitstreiter ein Volksbegehren gestartet. "Wir haben in dreieinhalb Wochen über 100.000 Unterschriften gesammelt!" So viele Unterschriften zeigten Wirkung: Der Berliner Senat hat jetzt ein eigenes Radgesetz beschlossen: 100 Kilometer Radschnellwege sollen entstehen, dazu 100.000 Radabstellplätze - der Senat stellt für vier Jahre jährlich 200 Millionen Euro bereit. Der Wandel beginnt. Doch noch fehlt in vielen deutschen Städten der politische Wille zur Veränderung - immer dann, wenn das Auto Platz hergeben soll.

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