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Verurteilte in El Salvador freigesprochen

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Wegen angeblicher Abtreibung - Verurteilte in El Salvador freigesprochen

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Evelyn Hernandez saß 33 Monate in Haft. Sie wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt - wegen einer angeblichen Abtreibung. Nun hat ein Gericht in El Salvador sie freigesprochen.

Evelyn Hernandez vor Gericht in Ciudad Delgado, El Salvador
Evelyn Hernandez vor Gericht in Ciudad Delgado, El Salvador.
Quelle: reuters

Nach knapp drei Jahren Haft ist die nach einer mutmaßlichen Fehlgeburt wegen Abtreibung angeklagte Evelyn Hernández vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Es lägen nicht genügend Beweise gegen die Angeklagte vor. "Ich bin mir nicht sicher, deshalb kann ich Evelyn nicht verurteilen", erklärte der Richter.

Gott sei Dank, der Gerechtigkeit wurde Genüge getan.
Evelyn Hernández nach dem Urteil

"Gott sei Dank, der Gerechtigkeit wurde Genüge getan", rief die 21-jährige Hernández am Montag nach der Urteilsverkündung vor Dutzenden wartenden Frauen in Ciudad Delgado, einem Vorort der Hauptstadt San Salvador. Die Unterstützerinnen brachen in Jubel aus und skandierten: "Ja, wir haben es geschafft!"

Fehlgeburt in der 32. Schwangerschaftswoche

Hernández sei nach einer Vergewaltigung in der 32.
Schwangerschaftswoche gewesen, als sie starke Schmerzen im Bauch spürte und auf einer Toilette im Jahr 2016 mutmaßlich eine Fehlgeburt erlitt.

Später wurde der Fötus in einem Klärtank leblos aufgefunden. Hernández' Mutter sagte damals, sie habe ihre Tochter ohnmächtig neben der Toilette entdeckt. Die junge Frau selbst erklärte, sie habe von der Schwangerschaft nichts gewusst.

Staatsanwälte glaubten der Darstellung von Mutter und Tochter jedoch nicht, dass sie keine Ahnung gehabt hätten, dass ein Fötus in der Klärgrube gelandet sei. Die Justiz erhob Anklage. Gerichtsmediziner konnten nicht feststellen, ob der Fötus in der Gebärmutter oder im Klärtank starb.

Hernández wird zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt

Hernández wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, 33 Monate ihrer Strafe saß sie bereits ab. Im Februar das Urteil aufgehoben und ein neues Verfahren angeordnet.

Es war das erste Mal, dass ein solcher Fall in El Salvador wieder aufgerollt wurde. Die Staatsanwaltschaft warf Hernández im neuen Prozess vor, ihren Fötus nicht geschützt zu haben. Ihre Anwältin Bertha María Deleón sprach von einem "sehr fairen" Urteil des Richters.

In El Salvador gilt totales Abtreibungsverbot

In El Salvador werden Frauen, die nach Fehlgeburten staatliche Krankenhäuser aufsuchen, oft der vorsätzlichen Tötung des Fötus bezichtigt und angeklagt. Darauf können 30 bis 40 Jahre Haft stehen.

Von solchen Strafen sind häufig arme, junge Frauen und Opfer von Vergewaltigung betroffen. Im zutiefst religiösen El Salvador gilt ein totales Abtreibungsverbot. Frauen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen lassen, drohen zwei bis acht Jahre Gefängnis. Staatsanwälte und Richter stufen Fälle, in denen Kinder tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben, aber häufig als Mord ein - darauf stehen zwischen 30 und 50 Jahre Haft.

Amnesty International begrüßt Urteil

Schätzungen zufolge werden im mehr als sechs Millionen Einwohner zählenden zentralamerikanischen Land jedes Jahr 25.000 Frauen nach sexueller Gewalt schwanger. Es wird angenommen, dass jährlich Tausende heimliche Abtreibungen in El Salvador ausgeführt werden.

Das ist ein überwältigender Sieg für die Rechte von Frauen in El Salvador.
Erika Guevara-Rosas, Amnesty International

Menschenrechtler begrüßten den Freispruch im Fall Hernández. "Das ist ein überwältigender Sieg für die Rechte von Frauen in El Salvador", erklärte Erika Guevara-Rosas, die für den amerikanischen Kontinent zuständige Direktorin bei Amnesty International.

Das Urteil stelle klar, "dass keine Frau zu Unrecht des Mordes beschuldigt werden" dürfe, nur weil "sie einen Geburtsnotfall erlitten" habe. El Salvador müsse nun der "diskriminierenden Praxis der Kriminalisierung von Frauen" ein Ende setzen. Derzeit sitzen in El Salvador 16 Frauen wegen Abtreibungen oder Totgeburten im Gefängnis.

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