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Ölpreise steigen nach Drohnenangriffen

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Raffinerie in Saudi-Arabien - Ölpreise steigen nach Drohnenangriffen

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Die Angriffe in Saudi-Arabien treffen eine der wichtigsten Ölraffinerien der Welt. Das treibt die Rohölpreise an. Möglich ist, dass das auch deutsche Tankkunden zu spüren bekommen.

Öl ist wegen der Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien deutlich teurer geworden. In den ersten Handelsminuten legten die Ölpreise am Montag bis zu 20 Prozent zu. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 65,33 US-Dollar. Das waren 5,11 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 4,35 Dollar auf 59,20 Dollar. In der Spitze waren sie vorübergehend auf den höchsten Stand seit mehreren Monaten gestiegen.

Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland - 2018 war es ein Prozent
Mineralölwirtschaftsverband

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer hierzulande dürften sich aber nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Grenzen halten. "Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland - 2018 war es ein Prozent", sagte ein Verbandssprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht." Der globale Ölpreis könnte sich zwar kurzfristig erhöhen. Ob sich das spürbar und dauerhaft auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen. Andere Länder seien mittelfristig in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren.

Der Dax verlor nach der ersten Handelsstunde 0,64 Prozent auf 12.388,52 Zähler. Zuvor hatte der deutsche Leitindex acht Handelstage in Folge Gewinne verbucht. Vor allem Aktien aus der stark vom Ölpreis abhängigen Luftfahrt- und Reisebranche gerieten unter Druck. Hingegen zählten etwa Anteile aus dem Öl- und Gassektor zu den Gewinnern. Gefragt waren zudem der japanische Yen oder der Schweizer Franken.

Huthi-Rebellen bekennen sich zur Attacke

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco erschüttert. Nach Angaben von Saudi Aramco ist der Komplex in Abkaik die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Ersten Angaben zufolge führten die Angriffe zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet.

Die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannten sich zu der Attacke und kündigten weitere Angriffe an. US-Präsident Donald Trump drohte den Urhebern mit einem Vergeltungsschlag. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Samstag den Iran für die Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht. Washington und Teheran streiten sich ohnehin wegen des iranischen Atomprogramms. Teheran bestritt jegliche Beteiligung an den Drohnenangriffen.

US-Präsident Donald Trump genehmigte die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er - falls erforderlich - die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Die Energieagentur IEA in Paris sieht zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Dauerhafte Auswirkungen?

Wie stark die Erdölpreise auf den Drohnenangriff reagieren werden, hängt nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie der US-Bank. Ein dauerhafter starker Anstieg des Ölpreises ist aus Sicht des Bankhauses Berenberg unwahrscheinlich. Kurzfristige Produktionsausfälle könnten wohl durch das Anzapfen strategischer Ölreserven ausgeglichen werden. Hinzu komme, dass das Angebot an Rohöl heute flexibler sei als früher, nicht zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Förderung in den USA.

Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird
Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa. Die Anrainerstaaten des persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt."

Wie ernst der Schaden sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudi-Arabien wieder voll hergestellt werden könne, sei ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen in London. Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, urteilte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, im Interview des Finanzsenders Bloomberg TV. "Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein."

Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management sagte, sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, könnte das - insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der Internationalen Energieagentur (IEA) - einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Raffinerie in Abkaik "ist das Herz des Systems"

Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden
Analyst Robert McNally

Experten sehen ein Eingreifen der USA denn auch nicht als ausgemachte Sache. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und heute als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. "Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme", sagte er. "Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden."

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