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Geplante Fusion mit Tata Steel - Thyssen-Chef: Abbau soll Zehntausende Arbeitsplätze sichern

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Die Fusion von Thyssenkrupp und Tata Steel wird Tausende Arbeitsplätze kosten. Für Konzern-Chef Heinrich Hiesinger macht aber genau das "Zehntausende Arbeitsplätze viel sicherer", wie er im ZDF heute journal sagte. Mehrere Bundesministerien sind da skeptisch.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger verteidigt im Gespräch mit dem ZDF das geplante Zusammengehen mit dem Konkurrenten Tata. Langfristig, so Hiesinger, werde man so eher Arbeitsplätze in der deutschen Stahlbranche sichern können.

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Hiesinger sagte, das Unternehmen gehe davon aus, dass möglicherweise 4.000 Arbeitsplätze gefährdet seien - diese Zahl bezieht er auf das neu enstandene Unternehmen. Bei dem Zusammenschluss entstehe laut Hiesinger nämlich "ein Unternehmen mit 48.000 Mitarbeitern an mehr als 34 Standorten, das 15 Milliarden Euro Umsatz" machen werde. "Das ist wirklich ein Schritt nach vorne", sagte er im ZDF heute journal.

Mit dieser Ehrlichkeit wolle man schaffen, dass jetzt alle wissen, woran sie sind. Für den Thyssenkrupp-Chef bedeutet diese Bekanntmachung eine Erleichterung. Für Hiesinger war es eine schwere Phase. Aber um auf dem Kapitalmarkt bestehen zu können, wurde bislang nichts nach außen getragen. Jetzt könne Thyssenkrupp endlich mit den Mitarbeitern sprechen und erklären, warum diese Maßnahme getroffen werde und wie der Übergang laufen solle. Hiesinger will so gemeinsame Lösungen suchen. "Dann ist ein gemeinsamer Weg möglich", glaubt er.

Doch was, wenn die Fusion scheitert?

Das Risiko eines Scheitern der Fusion zwischen den beiden Global Playern ist laut Hiesinger in der Stahlbranche gering. Er erinnert daran, dass Thyssenkrupp ja auch durch eine solche Fusion entstanden sei. Er verweist darauf, dass alle großen europäischen Stahlunternehmen durch große Zusammenschlüsse entstanden sind. Für Hiesinger gleichzeitig aber auch ein Dilemma, das mit dieser Fusion behoben werden soll. Ob er damit meint, dass Tata Steel auch in Asien Möglichkeiten eröffnet, sagt er im ZDF heute journal nicht explizit.

Zudem sei diese Fusion auch nicht mit Auslandgeschäften von Thyssenkrupp in Brasilien und den USA, wo große Werke für hohe Schulden gesorgt hatten, zu vergleichen. Diesmal aber beinhalte die Fusion, dass das Wissen von mehreren europäischen Stahlexperten zusammengeführt wird. "Unsere Stahlmannschaft gehörte immer zu den besten in Europa", sagte Hiesinger. Man wisse sehr genau, auf was man sich einlasse. Tata Steel sei ein sehr verlässlicher Partner - auch in Sachen Kultur gäbe es eine große Nähe, zum Beispiel in Sachen Wertschätzung für Mitarbeiter und soziale Verantwortung. Das sei eine sehr gute Basis für die Zusammenarbeit.

Tausende Stellen betroffen

Unabhängig davon, ob Stahl ein Markt der Zukunft ist oder nicht, wolle Thyssenkrupp "seiner Verantwortung gerecht werden, Arbeitsplätze zu sichern", so der Konzernchef.

Dass jetzt so viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden, sei in der Stahlindustrie nichts neues. Alle zwei bis drei Jahre wurde Programme aufgesetzt, die Arbeitsplätze in Frage gestellt hätten. Er spricht davon, dass Alleingänge in der Vergangenheit noch viel mehr Arbeitsplätze gekostet hätten. Nur mit dieser Fusion könne man die Überkapazität maßvoll reduzieren. Daher werde man den Abbau von 2.000 Stellen bei Thyssenkrupp auch nicht verhindern können.

2.000 Stellen bei Thyssenkrupp fallen weg

Thyssenkrupp und Tata Steel hatten am Mittwoch eine Absichtserklärung über den Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten in einem Joint Venture unterzeichnet. Die Verhandlungen über die Details sollen bis Anfang 2018 abgeschlossen sein. Ziel ist die Schaffung eines führenden europäischen Anbieters von Flachstahl. Die beiden Unternehmen rechnen mit Einspareffekten in Höhe von 400 bis 600 Millionen Euro. Neben den Aufsichtsgremien beider Konzerne muss die EU-Kommission der Transaktion zustimmen.

Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel mit Sitz in den Niederlanden rund 48.000 Mitarbeiter an 34 Standorten beschäftigen. Thyssenkrupp zufolge werden durch die Fusion voraussichtlich bis zu 2.000 Stellen in der Verwaltung und möglicherweise bis zu 2.000 in der Produktion abgebaut. Laut Hiesinger verteilen sich diese 4.000 Stellen auf beide Unternehmen. Bei dem deutschen Industriekonzern wären demnach bis zu 2.000 Arbeitsplätze betroffen. Hiesinger betonte, dass Tata Steel mit Thyssenkrupp die gleichen Werte teile. Beide Unternehmen empfänden Verantwortung sowohl gegenüber den Mitarbeitern als auch der Gesellschaft.

Nahles und Zypries warnen Konzern

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) forderte Thyssenkrupp auf, die Arbeitnehmervertreter "umfassend" in die Beratungen über anstehende Verhandlungen einzubeziehen. "Die Standorte in Deutschland müssen erhalten, betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen werden", forderte Nahles. Zudem sei es wichtig, dass im Falle eines Zusammengehens der Unternehmenssitz in Deutschland liege. Die deutschen Standorte seien "absolut wettbewerbsfähig".

Auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) richtete Warnungen an Thyssenkrupp. Das Vorhaben sei "von großer Tragweite für die Region, die Beschäftigten und den Stahlstandort Deutschland", sagte Zypries. Ein solcher Schritt brauche die Akzeptanz der Beschäftigten, die aber noch nicht überzeugt seien. "Gegen die Arbeitnehmer ist keine tragfähige Lösung denkbar", unterstrich sie. Zudem gelte mit Blick auf den deutschen Stahlkonzern: "Die Montan-Mitbestimmung ist ein hohes Gut und muss erhalten bleiben."

"Duisburg ist Thyssenkrupp"

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) reagierte ebenfalls besorgt auf die Fusionspläne. "Für mich hat der Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte oberste Priorität", erklärte Link am Mittwoch in der Ruhrgebietsstadt, wo die Stahlgesellschaft des Essener Konzerns ihren Sitz hat. "Ohne entsprechende Garantien" sehe er "keine Einigungsmöglichkeit zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretung".

Die geplante Verlegung des Verwaltungssitzes in die Niederlande lasse ihn daran "zweifeln, ob der Konzern auch zukünftig auf Mitbestimmung und Tarifrecht setzen will", erklärte Link und ergänzte: "Als Sohn eines ehemaligen Mitarbeiters von Thyssenkrupp blutet mir wirklich das Herz, denn Duisburg ist Stahl und Duisburg ist Thyssenkrupp - wir sind stolz auf den Stahl".

Die Gewerkschaft IG Metall rief für Freitag zu einer Großkundgebung in Bochum auf. Es würden "mehrere Tausend" Teilnehmer erwartet, sagte Mike Schürg, Pressesprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen. "Wir brauchen Arbeitsplatzsicherheit und Standortsicherheit", sagte er. Zudem müsse das deutsche Mitbestimmungsmodell gesichert bleiben und "endlich Transparenz" in dem Verfahren hergestellt werden.

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