Sie sind hier:

Hafenstadt Genua - Regierung verhängt einjährigen Notstand

Datum:

Nach dem Brückeneinsturz hat die italienische Regierung einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand für Genua verhängt. Außerdem wurde eine Millionen-Soforthilfe freigegeben.

Bei einer Krisensitzung des Ministerrates in Genua sei eine Soforthilfe von fünf Millionen Euro freigegeben worden, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. Dem Autobahnbetreiber drohte die Regierung mit dem Entzug seiner Lizenz und hohen Strafzahlungen. Die Zahl der Todesopfer stieg derweil auf mindestens 39.

Salvini stellt massive Investitionen in Infrastruktur in Aussicht

Die fünf Millionen Euro stammten aus einem nationalen Notfallfonds und seien die "erste Maßnahme der Regierung angesichts dieser Tragödie", sagte Conte bei einer Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung in Genua. Auf die Verhängung des Ausnahmezustands habe zuvor der Präsident der Region gedrungen. Als weitere Konsequenz aus dem Einsturz hatte Innenminister Matteo Salvini noch am Dienstag massive Investitionen in die Infrastruktur seines Landes in Aussicht gestellt. Er machte deutlich, dass er sich dafür nötigenfalls auch über die Stabilitäts- und Schuldenregeln in der EU hinwegsetzen würde.

Guiseppe Conte rief zudem einen nationalen Trauertag aus. Der Termin stehe jedoch noch nicht fest, da der Trauertag mit den Beerdigungen der Opfer zusammenfallen solle. Die Stadt Genua setzte ihrerseits zwei Trauertage an.

Regierung beschuldigt Autobahnbetreiber

Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l'Italia.
Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio

Die Regierung machte den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia für das Unglück verantwortlich. "Die Verantwortlichen haben einen Namen und einen Vornamen und es sind Autostrade per l'Italia", sagte Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio im italienischen Radio. Die Brücke sei eingestürzt, weil Wartungsarbeiten nicht erfolgt seien. "Es war kein Schicksal, es war menschliches Versagen", sagte auch der Staatsanwalt von Genua, Francesco Cozzi.

Verkehrs- und Infrastrukturminister Danilo Toninelli forderte die Führung von Autostrade per l'Italia zum Rücktritt auf. Außerdem prüfe die Regierung die Auflösung des Vertrags mit der Firma sowie die Forderung von Strafgeldern von bis zu 150 Millionen Euro, erklärte er im Online-Netzwerk Facebook. Zunächst werde die Konzession für die A10 überprüft und später alle übrigen, teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur AFP mit. Ministerpräsident Conte bestätigte am Abend, dass die Regierung die Auflösung des Vertrags überprüfe.

Betreiber: Brücke wurde "vorschriftsmäßig" überprüft

Autostrade per l'Italia wies die Vorwürfe zurück. Die Brücke sei vorschriftsmäßig "vierteljährlich" überprüft worden. Es seien zusätzliche Tests mittels hochspezieller Geräte erfolgt, erklärte die Unternehmensführung. Zudem seien in diesem Bereich weltweit anerkannte Institutionen beteiligt gewesen.

Ebenso wie Toninelli besuchte auch Di Maio am Mittwoch den Unglücksort. Ministerpräsident Conte hatte am Dienstagabend bei einem Besuch am Unglücksort eine Überprüfung der "gesamten Infrastruktur" im Land gefordert. An der Stabilität der Morandi-Brücke hatten Experten schon länger Zweifel geäußert.

Hunderte Feuerwehrleute durchkämmten auch am Mittwoch mit Hilfe von Spürhunden und Baggern die Trümmer der Morandi-Brücke. Hatte am Dienstag Regen die Bergungsarbeiten erschwert, waren es danach die Dunkelheit und schließlich am Mittwoch die brennende Sonne.

Zahl der Toten steigt auf 39

Die Zahl der Toten stieg auf 39, wie der italienische Zivilschutz mitteilte. Mehrere Menschen würden vermisst und es gebe 15 Verletzte. Laut Innenminister Matteo Salvini sind unter den Toten drei Kinder im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren. Vier Franzosen, drei Chilenen und ein Peruaner kamen nach Diplomatenangaben aus den Ländern ums Leben.

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war auf einer Strecke von mehr als 200 Metern eingestürzt, wie Luftaufnahmen zeigen. Etwa 35 Autos und drei Lastwagen stürzten etwa 45 Meter in die Tiefe und wurden teils unter Betontrümmern begraben.

Die 1967 fertiggestellte Brücke überspannte dutzende Bahngleise sowie ein Gewerbegebiet mit Gebäuden und Fabriken. Zum Unglückszeitpunkt wurden Wartungsarbeiten an der Brücke vorgenommen, überdies gab es ein Unwetter. Die Autobahnbrücke ist ein Teil der sogenannten Blumenautobahn A10, einer auch von zahlreichen Touristen genutzten wichtigen Verkehrsachse an der italienischen Riviera, die Genua mit Ventimiglia an der französischen Grenze verbindet. Papst Franziskus drückte den Opfern und deren Angehörigen sein Mitgefühl aus. In seiner Predigt zu Mariä Himmelfahrt sprach er vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom von einer "Tragödie".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.