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Gläubigerausschuss - Air Berlin: Das große Rangeln

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Erstmals hat sich der sogenannte Gläubigerausschuss getroffen - darin finden sich die wichtigsten Geldgeber des nun insolventen Konzerns Air Berlin. Es gibt keine konkreten Ergebnisse des Treffens - aber alles steht unter dem Motto: Tempo, Tempo, Tempo.

Zum ersten Mal haben heute offiziell die Gläubiger über die Zukunft von Air Berlin beraten. ZDF-Reporter Carsten Behrendt berichtet, wie es mit der Airline weitergehen wird und was das für Passagiere bedeutet.

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Ein gewichtiges Wort in der Versammlung jener, denen Air Berlin viel Geld schuldet, spricht die Bundesanstalt für Arbeit (BA). Könnte man leicht übersehen, aber in der Tat zahlt mit der Insolvenz die BA nun für drei Monate die Gehälter der rund 7.200 Beschäftigten der Fluglinie in Deutschland. Logisch, denn Air Berlin ist ja nun einmal nicht mehr zahlungsfähig und darf dennoch weiter fliegen. Ohne Personal nicht denkbar. Damit aber erwirbt der Staat über seine Beschäftigungsagentur Ansprüche gegen die Fluggesellschaft.

Reinhard Schlieker
Reinhard Schlieker, ZDF-Wirtschaftsredakteur

Auch mit dabei: Die Commerzbank. Sie vertritt die Fremdkapitalgeber; dann wäre da noch Eurowings: Diese Fluggesellschaft hat 38 Jets samt Besatzungen von Air Berlin gemietet und dafür schon reichlich gezahlt. Viele Leasingfirmen haben Anspruch auf Geld, denn alle Flugzeuge von Air Berlin sind nicht deren Eigentum, sondern auf dem Markt geliehen. Damit sind nur einige genannt - nicht im Ausschuss vertreten sind bislang all jene, die Anleihen von Air Berlin gezeichnet haben - im theoretischen Gegenwert von 840 Millionen Euro.

Aktionäre kommen als letztes dran

Keine Angst also vor großen Zahlen. Nur die Aktionäre sollten sich an kleinere Werte gewöhnen. Zuletzt war die Air-Berlin-Aktie noch 38 Cent wert, und auch das sollte man als durchaus spekulativ ansehen. Die Aktionäre nämlich werden die letzten sein, die etwas vom möglicherweise zu verteilenden Kuchen abbekommen.

Ganz vorne steht wie gesagt der Staat, zumal auch der gerade gewährte 150-Millionen-Überbrückungskredit zur Rückzahlung ansteht. Diesen Betrag sollten die Verbindungen von Air Berlin inklusive Start- und Landerechten wohl locker einbringen. Der Verkauf der nicht insolventen Air-Berlin-Tochter Niki aus Österreich ist ebenfalls so ein werthaltiger Unternehmensteil. Darum rangeln nun viele Beteiligte.

Wöhrl vermutet Staatskomplott

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl etwa. Er will dieses Unternehmen als Ganzes übernehmen und erhalten - dem schenken die anderen Beteiligten kaum Aufmerksamkeit. Dabei besaß Wöhrl einst die LTU und die Deutsche BA - beide Linien verkaufte er dann an Air Berlin. Seine Firma "Intro" ist weiterhin im Fluggeschäft tätig und deren Angebot womöglich gar nicht so abwegig. In jedem Fall dürfte es über kurz oder lang zu juristischen Auseinandersetzungen kommen, denn Wöhrl sieht ein Komplott des Staates zugunsten der Lufthansa. Brisante Materie allemal.

Im Unterholz lauert dann noch Ryanair, deren als Schrecken der Branche bekannte Chef Michael O’Leary für jede Überraschung gut ist, vor allem wenn es gegen etablierte nationale Fluglinien geht. Die Lufthansa zu stören dürfte ihm ein Herzenswunsch sein. Ehe also der Staub sich legt, wird sich sicher jemand finden, der ihn gleich wieder aufwirbelt. Der offenkundige Wunsch der Politik, die Akte Air Berlin noch vor den Bundestagswahlen zuklappen zu können, mag ein Wunschtraum bleiben.

Und wenn es allen Beteiligten auch noch so eilig ist: Bestimmte Prozeduren brauchen ihre Zeit. Alle Zeit der Welt hilft jedoch nichts, wenn das Geld vorher alle ist. Und von daher kommt es nun eben doch auf geschmeidige Prozesse an, denn wenn der Flugbetrieb einmal stockt, sind die Start- und Landerechte gefährdet und der ganze Rest wäre nicht mehr viel wert.

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