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Tunesien nach dem Terror - Urlaub mit Polizeischutz

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Nach den schweren Terroranschlägen vor zwei Jahren hat der Tourismus in Tunesien schwer gelitten. Dank zahlreicher Sicherheitsmaßnahmen kehrt das Vertrauen in das einst beliebte Urlaubsland zurück. Allerdings heißt das auch: Überwachungskameras und Polizei sind omnipräsent.

2015 hat ein islamistischer Attentäter 38 Touristen am Strand in Tunesien erschossen. Der Terror hat zu einem massiven Rückgangs des Tourismus geführt. Mit dem Ausbleiben der Gäste geriet auch die Wirtschaft in die Krise. Wie sieht es heute in Tunesien …

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Das Hotelpersonal in Hammamet winkt den abreisenden Touristen fröhlich zu - und die steigen beruhigt in den Bus, der sie zum 50 Kilometer entfernten Flughafen Enfiddha bringen soll. Beruhigt, denn ihr Bus wird eskortiert von einem Polizeiauto. Zwar in Zivil, doch auf dem Rücksitz sitzt ein Polizist mit einem Maschinengewehr. Das ist eine der sichtbarsten Neuerungen seit diesem Jahr. Sicherheit nicht nur im Hotel, sondern bis zum Abflug.

Nach den Attentaten im Bardo Museum in Tunis und in Sousse im Jahr 2015 mit insgesamt 60 Toten ist der Tourismus in Tunesien eingebrochen. Ein Rückgang der Buchungen um 70 Prozent. 270 Hotels mussten schließen, 75 allein in der Gegend von Hammamet. Das Jahr 2016 ist für viele Tunesier - immerhin leben 800.000 Menschen direkt oder indirekt vom Tourismus - ein schwarzes Jahr.

Langsam geht es wieder aufwärts

Seitdem hat die Regierung viel unternommen und viel investiert. Das zahlt sich jetzt aus, es geht wieder aufwärts. Salma Elloumi Rekik, die Ministerin für Tourismus, ist stolz darauf: "Wir haben sehr eng mit der EU und Deutschland zusammengearbeitet, was die Sicherheit angeht. Wir haben ein Handbuch herausgegeben das zeigt, wie Flugplätze, Hotels und touristische Sehenswürdigkeiten geschützt werden." Und das wohl mit Erfolg: Der Tourismus ziehe 2017 wieder an. Es gebe eine Steigerung von 39 Prozent im Vergleich zu 2016, so die Ministerin.

Bevor sich das Tor, das zum Hotelgelände führt, öffnet, wird jedes Auto untersucht: Mit einem Spiegel geht ein Sicherheitsmann um das Fahrzeug herum, der Kofferraum wird durchsucht. Und bevor man dann das Hotel betreten kann: Scanner für Taschen, Koffer und Rucksäcke. Wie auf einem Flughafen. Und im Hotel, auf den Terrassen und an den Pools: Überwachungskameras.

Regelmäßige und strenge Kontrollen

Mourad Solaani, Chef der Polizei für Sicherheit der Touristen in Hammamet und der Tourismusinspektor Ben Rejab Anas kontrollieren regelmäßig, ob alles in Ordnung ist. Jede Überwachungskamera - die Bilder der Kameras werden 30 Tage aufgehoben -, jeder Detektor, jedes Walkie-Talkie - alles wird überprüft. Solaani erzählt, dass sie manchmal auch unangemeldet auftauchen. "Da schicke ich dann einen Beamten in Zivil los, der kommt vom Meer über den Strand - das ist ja immer die Schwachstelle. So wollen wir die Sicherheitsleute am Strand zu mehr Wachsamkeit sensibilisieren."

Nach jeder Inspektion schicken Solaani und Ben Rejab ihren Bericht, der die Mängel aufzeigt, an das Hotel. Schwachstellen können dreckige Kameras oder ein Baum sein, dessen Äste eine Kamera verdecken. Das Hotel hat dann zwei Wochen Zeit, nachzubessern. Hotels, die nicht kooperieren und den Sicherheitsstandards nicht entsprechen, können sogar von der Regierung geschlossen werden.

Touristen befürworten die Maßnahmen

Sonne, blaues Meer, weißer Strand - das ist das Klischee vom perfekten Urlaub. Wären da nicht die Polizisten, die auf Pferden am Strand patrouillieren, die, die mit Quads auf und ab fahren, die Sicherheitsleute unter ihrem Sonnenschirm - sie alle sind bewaffnet - und, seit kurzem auch die Hunde, die darauf trainiert sind, jeden, der sich mit einem Stock oder einem Gewehr nähert, anzuspringen. Die meisten Touristen fühlen sich nicht gestört. Manuela Plümel aus Wien meint, man sehe natürlich die Patrouillen, das gebe ein Gefühl der Sicherheit. Und: "Es ist wunderschön hier."

Hoteldirektor Chafik Gargouri ist zufrieden. Neben der Aufrüstung des Hotels mit Kameras ist für ihn vor allem wichtig, dass seine Leute Selbstverteidigungskurse machen. "Die Mentalität hat sich geändert", berichtet er. "Die Angestellten haben jetzt begriffen, dass weder der Staat noch die Polizei alleine für die Sicherheit verantwortlich sind, die Sicherheit hängt von uns allen ab."

Ständige Überwachung als Preis für Sicherheit

Kontrollraum der Polizei in der Medina, der Altstadt von Hammamet: 50 Kameras überwachen jede der engen Gassen, jedes kleine Geschäft. Bis Ende des Jahres werden es 80 sein. Jeder und alles wird beobachtet, bis in die Handtaschen können die Kameras zoomen. Das mag Sicherheit geben, doch ewig unter Beobachtung zu stehen ist vielleicht nicht jedermanns Sache.

Die tunesische Regierung hat viel Geld investiert, um den Tourismus wieder anzukurbeln. Es geht ja auch um viel: Die 1200 Kilometer tunesische Küste erwirtschaften 80 Prozent der Tourismus-Einnahmen. Und da spielt das Gefühl der Sicherheit eine große Rolle.

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