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Einbruchschutz - Wie sicher ist Kunst in Museen?

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Nach dem Dresdner Kunstraub im Grünen Gewölbe sollen Museen besser beschützt werden. Das ist aufwendig, kostet viel Geld. Trotzdem gibt es für Kunstwerke keinen perfekten Schutz.

Ausstellung: "Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland" am 20.09.2018 in Berlin
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als eines der wertvollsten Ausstellungsstücke in Deutschland.
Quelle: dpa

Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden, werden die Rufe nach mehr Sicherheit in Museen laut: Kulturstaatsministerin Monika Grütters plant eine Sicherheitskonferenz für Museen, der Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger will eine Taskforce bilden. Sicherheit nach allen Regeln der Kunst - doch wie könnte die aussehen?

Wenn jemand irgendwo reinmöchte, muss man schon sehr viel Technik auffahren, um das zu verhindern.
Silke Wollmann, Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW)

Silke Wollmann vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) hält einen perfekten Schutz für unmöglich. "Wenn jemand irgendwo reinmöchte, muss man schon sehr viel Technik auffahren um das zu verhindern", sagt sie. Und das sei eine Kostenfrage. Es gibt Sensoren, die auf Erschütterungen und auf Wärme reagieren, sowie Videoüberwachungssysteme mit Bewegungserkennung - aber das sei eben teuer. Jedes Museum erarbeite ein individuelles Konzept mit einer Sicherheitsfirma, das den Wert der Ausstellungsgegenstände im Verhältnis zum Einbruchschutz berücksichtige.

Eine Frage der Reaktionszeit

Vorschriften oder verbindliche Richtlinien gibt es dabei nicht. "Letztlich geht es bei den Sicherheitskonzepten immer darum, die Reaktionszeit zu verringern", sagt Wollmann. Kaum ein Glas könne wie beim Juwelenraub in Dresden den Hieben einer Axt standhalten. "Es ist dann eine Frage der Zeit, wie lange es standhält." Zeit, in der die Einbrecher aufgehalten werden können.

Zum Sicherheitskonzept gehöre auch, was im Ernstfall passiert: Stürmt der Sicherheitsdienst das Museum, wenn er Einbrecher bemerkt? Das sei nicht immer sinnvoll, sagt Wollmann. Es gebe Museen, da könnte eine Verfolgung, unter Umständen mit Gewalteinsatz, mehr Schaden anrichten als der Verlust einzelner Werke.

Leonardo da Vinci - Mona Lisa
Eines der wertvollsten und bekanntesten Gemälde - und eines der am besten gesicherten. Auch sie wurde mal gestohlen: 1911 hing nur noch der leere Rahmen da. Erst zwei Jahre später tauchte sie wieder auf.
Quelle: dpa

Vorbild Mona Lisa?

Acht Millionen hat die Staatliche Kunstsammlung Dresden (SKD), zu der auch das Grüne Gewölbe gehört, für Sicherheit ausgegeben. Und trotzdem konnte der Einbruch nicht verhindert werden, stellt Joachim Breuninger, Vorsitzender des Sächsischen Museumsverbands fest. "Bei solch brachialer Gewalt und Schnelligkeit müssen wir neu darüber nachdenken, wie man damit in Zukunft umgeht."

Die Vitrinen verstärken? Breuninger seufzt. Jeder kenne die Mona Lisa mit ihrer dicken Schicht Panzerglas. "Man ist beinahe enttäuscht, wenn man Abbildungen von ihr kennt und dann vor dem Original steht", sagt er. Insofern sei das immer eine Abwägung. "Ein Museum ist kein Bankschließfach, wir wollen die Werke auch zugänglich machen."

Mehr Sicherheit, mehr Budget

Hinzu komme die Kostenfrage. "Aus den aktuellen Budgets können wir uns mehr Sicherheit nicht leisten", sagt er. Jedes Museum spare zwar an seinem Schutz als letztes. Von Trägerseite erwarte er, dass sie jetzt mit den Museen darüber reden, was sie brauchen - und vielleicht mehr investieren.

Marco van Lier, Experte für Einbruchschutz beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) findet, die Kosten dürfen das Sicherheitskonzept nicht beeinflussen. "Es muss so viel investiert werden, wie nötig", sagt er. Fehlen die Mittel, müsse die Ausstellung eben reduziert werden, wertvolle Stücke ins Depot wandern. Der GDV hat Sicherheitsrichtlinien für Museen und Ausstellungsstücke erstellt. Sie sind eine unverbindliche Empfehlung und wurden mit der Polizei erarbeitet.

Blick in das Weißsilberzimmer im historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss.
War das Sicherheitskonzept des Grünen Gewölbes nicht ausreichend?
Quelle: dpa

"Der Einbruch ins Grüne Gewölbe war kein erfolgreicher"

Auch nach dem Kunstraub in Dresden, sieht van Lier keinen grundsätzlichen Nachbesserungsbedarf. Die Museen seien in Deutschland sehr gut gesichert. Alte, historische Gebäude wie das Grüne Gewölbe seien zwar schwieriger zu sichern als ein Neubau, aber der Schutz sei ausreichend. "Einbrüche wird man niemals verhindern können, nur ihr Ausmaß", sagt van Lier.

Wir werden Einbrüche nie verhindern können - nur ihr Ausmaß.
Marco van Lier, Experte für Einbruchschutz beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

Natürlich hätte man das Glas der Schmuckvitrine im Grünen Gewölbe dicker gestalten können, sagt van Liers GDV-Kollege Björn Kupfer, Experte für Kunstversicherungen. "Dann hätte man zwei bis drei Minuten gewinnen können", sagt Kupfer. Aber abgesehen davon, dass dickeres Glas auch den Blick auf das Ausstellungsstück verschlechtert, sei das gar nicht entscheidend.

"Entscheidend ist, dass die Objekte angenäht waren", sagt Kupfer. So konnten nur wenige Schmuckstücke entwendet werden. Diese Technik, bei der das Ausstellungsstück mit dem Untergrund verbunden wird, habe das Schlimmste verhindert. "Das Grüne Gewölbe ist voller wertvoller Gegenstände, aber die Einbrecher sind nicht mit Koffern raus gegangen", sagt Kupfer. Insofern habe das Grüne Gewölbe eine gute Sicherheitsstufe, das Konzept habe gegriffen. Trotz des Verlusts von Objekten unschätzbaren Wertes sei der Einbruch eigentlich kein erfolgreicher gewesen.

Kunstraube: Selten, aber spektakulär

Anders als bei dem letzten großen Kunstraub in Deutschland: 2017 wurde aus dem Bode-Museum in Berlin eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Sie war nicht mit dem Untergrund verbunden und konnte so mehr oder weniger einfach mitgenommen werden. Die Goldmünze wurde vermutlich eingeschmolzen.

Der Schmuck aus dem Grünen Gewölbe gilt dagegen als unverkäuflich. Das treffe auf die meisten Kunstgegenstände zu, weshalb sie auch eher selten gestohlen werden, sagt GDV-Einbruchsexperte van Lier. "Je wertvoller, desto bekannter ist ein Werk und desto schwerer zu verkaufen und zu besitzen - es sei denn, man will es ganz alleine im Keller ansehen."

Trotzdem kommt es auf der ganzen Welt alle paar Jahre zu großen Kunstrauben:

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