Sie sind hier:

Tote bei "Marsch für Rückkehr" - Auch die Not macht Gaza zum Pulverfass

Datum:

Die Unruhen in Gaza haben "das Potenzial, sich zu einer großen Krise auszuwachsen", sagt ZDF-Korrespondentin Albrecht. Dazu trage auch die katastrophale Lage der Menschen bei.

Bei gewaltsamen Ausschreitungen starben gestern mindestens 17 Palästinenser. Auch heute kam es wieder zu Zusammenstößen mit israelischem Militär.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Nach den blutigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften haben palästinensische Demonstranten im Gazastreifen am Samstag ihre Proteste an der Grenze zu Israel fortgesetzt, allerdings nahmen deutlich weniger Menschen teil. Bei den Massenprotesten waren am Freitag nach palästinensischen Angaben mindestens 16 Menschen von israelischen Soldaten getötet und mehr als 1.400 weitere verletzt worden.

Rufe nach "Rache" im Gazastreifen

Karte von Israel mit Jerusalem, Gaza und Westjordanland
Karte von Israel mit Jerusalem, Gaza und Westjordanland
Quelle: ZDF

Einige hundert Demonstranten versammelten sich am Samstag in einem Zeltcamp an der Grenze, um ihre Proteste für ein "Recht auf Rückkehr" nach Israel weiterzuführen. Bei kleineren Zusammenstößen entlang der Grenze seien 15 Menschen leicht verletzt worden, teilten die Gesundheitsbehörden in Gaza mit. Auch in Hebron gab es Vorfälle.

Zuvor hatten Tausende Menschen an den Bestattungen der Getöteten teilgenommen. Die Trauernden trugen palästinensische Flaggen, einige riefen nach "Rache" und schossen in die Luft. Die radikal-islamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, erklärte, unter den Toten seien fünf Hamas-Mitglieder.

Bevölkerung "Geisel eines größeren politischen Versagens"

Der aktuelle Konflikt "hat das Potenzial, sich zu einer großen Krise auszuwachsen", sagt ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht. "In Gaza braucht man dazu noch nicht einmal die radikale Hamas, die die Menschen aufwiegelt, denn derzeit ist die humanitäre Lage in Gaza so dramatisch, dass sich die Menschen von allen Seiten im Stich gelassen fühlen."

Die Kürzungen der US-Mittel für das Palästinenserhilfswerk der UN setze die Menschen zusätzlich unter Druck, so Albrecht. "Ägypten und Israel riegeln nach wie vor die Grenze ab, mit anderen Worten: Die Bevölkerung in Gaza ist die Geisel eines größeren politischen Versagens, und da können wir mit mehr Protesten in diesem Jahr rechnen, zumal auch Israel dieses Jahr 70 Jahre Staatsgründung feiert – in den Augen der Palästinenser die Katastrophe."

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärte den Samstag zum nationalen Tag der Trauer. Er machte Israel für die Toten verantwortlich. "Die große Zahl von Märtyrern und Verwundeten bei friedlichen Protesten zeigt, dass die internationale Gemeinschaft einschreiten muss, um unser palästinensisches Volk zu schützen", sagte Abbas.

Isreal verteidigt Vorgehen

Die israelische Regierung verteidigte unterdessen das Vorgehen der Armee an der Grenze des Küstengebiets. "Der Sperrzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen trennt zwischen einem souveränen Staat und einer Terrororganisation", erklärte das Außenministerium. "Er trennt zwischen einem Staat, der seine Bürger schützt, und Mördern, die Angehörige ihres eigenen Volkes in die Gefahr schicken." Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Israel geht mit Entschlossenheit vor, um seine Solidarität und die Sicherheit seiner Bürger zu schützen."

Der Freitag war der blutigste Tag im Gazastreifen seit 2014. Zehntausende Palästinenser hatten am "Tag des Bodens" für ein "Recht auf Rückkehr" nach Israel demonstriert. Die israelische Armee sprach von 30.000 Teilnehmern, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden. Israelische Sicherheitskräfte gingen mit aller Härte gegen Demonstranten nahe der gesicherten Grenzanlage zu Israel vor und setzten scharfe Munition und Tränengas ein. Sie reagierten nach eigenen Angaben auf Angriffe mit brennenden Reifen, Steinen und Brandbomben.

Sicherheitsrat einigt sich nicht auf Entschließung

Nach den blutigen Auseinandersetzungen traf sich der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung, konnte sich aber auf keine gemeinsame Entschließung einigen. Mehrere Redner riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Auch die Bundesregierung forderte Israelis und Palästinenser zur Mäßigung auf. Die Entwicklung zeige erneut, "wie dringend nötig es ist, dass beide Seiten wieder Verhandlungen aufnehmen", erklärte das Auswärtige Amt.

Die Friedensgespräche liegen bereits seit langem auf Eis. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte am Samstag eine unabhängige Untersuchung zum Einsatz scharfer Munition durch die israelischen Sicherheitskräfte. Meinungs- und Versammlungsfreiheit seien "Grundrechte, die respektiert werden müssen".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.