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Nach Gipfel Trump - Kim - Singapur räumt auf

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Nach dem Gipfel von Kim und Trump atmet Singapur auf. Staus, Straßensperren und Sicherheitskräfte dominierten tagelang den Stadtstaat. Der Spuk ist vorbei, jetzt wird aufgeräumt.

Sicherheitspolizei vor dem St. Regis Hotel in Singapur
Nach dem Gipfel in Singapur Quelle: ap

Als es hell wird am Tag danach, da räumt Singapur auf. Straßensperren und Sichtschutzwände werden abgebaut. Gabelstapler räumen Betonklötze aus dem Weg, die die Hotels von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un abgeschirmt hatten. Mitarbeiter bugsieren die großen Pflanzenbottiche, die draußen vor der Eingangstür von Kims Luxusherberge "St. Regis" als Sichtschutz herhalten mussten, wieder zurück in die Lobby oder zurück zur Gärtnerei. Und die Journalisten, die tagelang auf dem Bürgersteig davor ausgeharrt hatten, packten nach der Abreise der beiden Staatschefs bereits am Abend zuvor ihre Stative und Trittleitern ein.

Und Singapur atmet auf. Denn solch einen Gipfel-Aufwand hat der südostasiatische Stadtstaat ja auch noch nie zu sehen bekommen: 5.000 Polizisten, darunter Eliteeinheiten der Gurkha-Truppen an verschiedenen Checkpoints. Dazu 3.000 Journalisten aus aller Welt und hunderte Schaulustige, die nicht zur Einkaufsmeile Orchard Road zum Shoppen pilgerten, sondern zum Autokonvoi-Gucken. "Das war verrückt", sagt Taxifahrer Weng. Dass plötzlich für die Präsidentenlimousinen ganze Straßenzüge abgesperrt werden, darüber schüttelt er mit dem Kopf. "Das hat es hier in diesem Ausmaß noch nie gegeben", sagt der Chauffeur.

Zurück zur Normalität

In der Tat: Straßensperren kennen sie in Singapur nicht. Und dass der Verkehr zum Stehen kommt, dazu auch noch künstlich erzeugt, sowieso nicht. Der Verkehr ist überschaubar und fließt (fast) immer in Singapur. Die Preise für Neuwagen sind dreimal so hoch wie in Deutschland und die Lizenz zum Fahren kostet ein Vermögen. Zudem muss für jedes neu angemeldete Auto ein altes abgemeldet werden. Und falls es dann doch mal - warum auch immer - zu einem Stau kommt, taugt der Aufreger zum Wahlkampfschlager.

Die abgesperrten Autospuren nehmen die Singapurer am Anfang gelassen hin. Es gibt ja auch einiges zu gucken, wenn der Konvoi aus 50 Fahrzeugen mit Donald Trump in "The Beast" vorbeifährt. Wann sieht man schon mal den gepanzerten Cadillac des US-Präsidenten? Bei Kim haben die Singapurer nicht weniger zu sehen, obwohl nur 30 Fahrzeuge der überlangen Mercedes-Limousine folgen. Doch nach Tagen des Gipfel-Wahnsinns freut sich nicht nur Herr Weng auf Normalität. "Du meine Güte", sagt der Taxifahrer. "Drei Mal hatte ich Passagiere, die in die Nähe der Hotels von Kim und Trump wollten. Und dreimal saß ich für eine knappe Stunde fest." Er ist einfach nur froh, dass der Spuk vorbei ist. Und dass der Verkehr wieder rollt.

Kim auf nächtlicher Sightseeing-Tour

Als Singapur heute Morgen erwacht, liegen die Tageszeitungen in Englisch, Mandarin und malaysischer Sprache schon an den Kiosken und Tankstellen aus. In fetten Lettern zeigen sie das historische Treffen zwischen Trump und Kim auf mehreren Sonderseiten. Was die Ergebnisse des Gipfels konkret zu bedeuten haben? Auch Singapur rätselt. Die Stadt ist aber glücklich, dass der US-Präsident den Gastgeber lobt und bei der gestrigen Pressekonferenz im "Capella"-Hotel auf Frage eines Journalisten der lokalen Tageszeitung "Straits Times" sagt: "Euer Premierminister ist toll". Das kommt natürlich gut an in Singapur.

Premier Lee Hsien Loong hatte vor Gipfelbeginn gesagt, dass das Treffen 20 Millionen US-Dollar kosten werde. Viele in Singapur fragten sich, ob es das wert sei. Sie fragten sich, ob es wirklich Werbung für die Stadt sei, wenn sich ein "Präsidenten-Raufbold" aus den USA und ein Diktator im Mao-Anzug in ihrer sicheren Stadt treffen. Doch dann grinsen beide über beide Backen, loben sich während ihres Treffens im "Capella"-Hotel, sind höflich zueinander und Trump zeigt Kim seinen Cadillac. Klar, dass er ihn auch noch einen "talentierten Mann" und "intelligenten Kerl" nennt.

Als einen "großen Fortschritt", bezeichnet ICAN-Chef Hinrichs das Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un - aber die Erklärungen seien dünn gewesen.

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Und dieser plötzlich von Trump geadelte Diktator überrascht alle mit einer nächtlichen Sightseeing-Tour. Taxifahrer Weng erlebt sie sogar hautnah mit, weil er zufällig gerade in der Nähe ist. Überrascht schien er von dieser Sensation nicht; und wenn, dann hat er seinen Gemütszustand gut kaschieren können. "Naja, was soll man sagen?", sagt Herr Wenig lapidar, "wenn Kim schon mal raus aus seinem Land ist, dann will er ja auch was sehen."

Selfies mit dem Diktator

Und Singapur bekommt die Bilder, die um die Welt gehen. Sie sind zwar zum Teil unscharf und im Halbdunkel aufgenommen, aber sie sind authentisch. Kim, gut gelaunt, mit Schwester und großer Entourage im "Garden’s by the Bay", dem Neuen Botanischen Garten. An ihrer Seite Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan, der ein Selfie mit Kim macht. Weiter gehts zum "Marina Bay Sands", dem neuen Wahrzeichen der Stadt. Das dreitürmige Hochhaus mit einer auf den Dächern quer liegenden Surfbrett-ähnlichen Poollandschaft ist eines der markantesten Hochhäuser Asiens. Kim tritt in die Lobby des Hotel- und Kasinokomplexes, winkt Touristen wie ein Rockstar zu und fährt hoch in die 57. Etage. Von oben genießt er den Blick auf die Skyline Singapurs. Man erkennt ihn kaum auf den dunklen, wackligen Bildern, die seitdem im Internet kursieren.

Zurück im Erdgeschoss, geht Kim zur Jubiläumsbrücke am Hafen, dieses Mal mit Blick auf das Marina Bay Sands. Wieder ein Selfie mit dem Außenminister. Und das alles keine zwölf Stunden vor Beginn des historischen Gipfels mit Trump. Und Trump? Sitzt derweil in seiner Gartensuite im "Shangri-la"-Hotel und twittert.

Tintenfisch und Schokotörtchen

Singapur am Tag danach. Noch bestehen offiziell die beiden Sicherheitszonen rund um die Hotels von Trump und Kim sowie um den Ort der gemeinsamen Begegnung. Sie werden aber untypisch asiatisch nicht mehr sonderlich beachtet. Fahrzeuge werden nicht mehr kontrolliert und Passanten müssen ihre Handtaschen nicht mehr vorweisen. Aber noch immer zieht es Neugierige zum Kim-Hotel "St. Regis". "Ist das portable Klo von Kim schon wieder weg?", fragen zwei Mädchen kichernd auf dem Bürgersteig vor dem Hotel. Kein Witz, das angeblich mitgereiste Klo von Kim war ein (Social Media-)Aufreger des Gipfels.

Auch das bis zuletzt geheim gehaltene Menü des Arbeitsessens zwischen Trump und Kim sorgte für Spekulation. Hier die Auflösung: Es gab Mango-Salat mit Limettendressing, Krabbencocktail mit Avocado, frischen Tintenfisch, gefüllte Gurken und süß-saures Schweinefleisch mit gebratenem Reis und hausgemachter Chili-Sauce, Rind in Rotweinsauce mit gedünstetem Brokkoli, zum Dessert Vanilleeis mit Kirschen und Schokotörtchen. Asiaten lieben diese Details. Und wenn dann auch noch lokale Gerichte dabei sind, umso besser. 

Und nun? Herr Weng steht nicht mehr im Stau, die Urlaubssperre für Polizisten ist aufgehoben, die Hotelangestellten vom "St. Regis" und "Shangri-la" fahren keine Sonderschichten mehr. Und, so heißt es, "Howard X", ein Australier, der als Kim-Doppelgänger die Einheimischen belustigte und die Sicherheitsbehörden nervte, ist wieder abgereist. Singapur geht beruhigt in einen neuen Tag.

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