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Nach Gleisabsenkung bei Tunnelbau - Rheintalbahn-Probleme: Europäisches Ausmaß

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Die Rheintalstrecke bei Rastatt bleibt bis Anfang Oktober nach einem Erdrutsch beim Tunnelbau gesperrt. Damit stockt eines der wichtigsten Verkehrsprojekte Europas - und Deutschland hinkt beim Ausbau ohnehin schon hinterher.

Sie ist normalerweise eine der wichtigsten Transitstrecken Europas. Doch bei Bauarbeiten in einem Tunnel hatten sich die Gleise abgesenkt. Die Rheintalbahn ist auf diesem Abschnitt voraussichtlich noch bis Oktober gesperrt.

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Die Rheintalbahn ist Teil des wichtigen europäischen Bahnkorridors zwischen Rotterdam und Genua. Sie verläuft zwischen Karlsruhe und Basel und ist 182 Kilometer lang. Vor allem Güter sollen dadurch schneller und einfacher transportiert werden. Die Rheintalstrecke ist die nördliche Zulaufstrecke zur Neuen Eisenbahn-Alpen-Transversale (NEAT) - und soll vierspurig ausgebaut werden.

Deutschland hat Probleme beim Ausbau

Die Schweizer haben bereits ihre Hausaufgaben gemacht und im letzten Jahr den neuen Gotthard-Basistunnel eröffnet. Theoretisch könnten also mehr Züge durch ihn fahren. Aber die Zulaufstrecke im deutschen Rheintal ist noch nicht fertig. Und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel gab bei der Gotthardt-Basistunneleröffnung im Juni 2016 zu, dass es auf deutscher Seite Verzögerungen beim Ausbau der Zubringerstrecken gibt: "Und deshalb ist unser Verkehrsminister mit großer Intensität dabei, die Rheinschiene möglichst schnell voranzubringen - es wird noch dauern, das muss man ganz ehrlicherweise sagen."

Momentan fahren auf zwei Gleisen Regional- und Fernzüge, ebenso wie Güterzüge - täglich bis zu 370. "Die Kapazitäten auf der Rheintalbahn sind ausgeschöpft, das betrifft in der Region am Oberrhein sowohl den Güter- als auch den Personennahverkehr", sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, Andreas Kempff.

Von Rastatt bis Basel wird zurzeit an zwei zusätzlichen Gleisen sowie einigen Tunnels gebaut. Bei Arbeiten an einem dieser Tunnel in Niederbühl drang am 12. August um 11 Uhr Wasser in die östliche der beiden neuen Röhren. Es kam zum Erdrutsch, die darüber liegenden Schienen sind seit dem verbogen bis zu einem halben Meter abgesunken. Seit dem ist die Strecke gesperrt.

Auswirkungen für den Personen- und Güterverkehr

Reisende müssen auf jeden Fall mehr Zeit einplanen. Bis zu einer Stunde. Die rund 20.000 Passagiere aus den Fernzügen und die Pendler müssen nun zwischen Baden-Baden und Raststatt auf Busse umsteigen.

Auswirkungen hat die Sperrung auch auf den Güterverkehr: An der Grenze zur Schweiz stauen sich die Lkw. Und im Hafen von Basel türmen sich zeitweise knapp 500 Container. Daniel Kaufmann von der Contargo AG, die im größten Hafen von Basel Container verlädt, hat in diesen Tagen viel zu tun. Sie haben hier wegen der erhöhten Nachfrage auf 24-Stunden-Betrieb umgestellt. Sechs statt drei Schiffe fahren nun wöchentlich auf dem Rhein Richtung Rotterdam und transportieren so die Waren. "Natürlich warten die großen Seeschiffe nicht auf unsere Container und fahren einfach ab. Das kann schon zu Engpässen zum Beispiel in Fernost führen - bei Firmen, die auf wichtige Teile aus Europa warten", erzählt er.

Lange Umwege für Güterzüge

Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagt, dass es beim Güterverkehr im Vergleich zum Personenverkehr schwieriger ist. "Weil es da keine vernünftigen Umleitungsstrecken gibt. Da müssen die Güterzüge teilweise Hunderte Kilometer Umwege fahren auf Strecken, auf denen ebenfalls zum Teil Bauarbeiten stattfinden." Das bedeute für die Güterverkehrsunternehmen enorme Mehrkosten und einen zeitlichen Mehraufwand.

Die deutsche Autobranche ist von der wochenlangen Unterbrechung der Bahnstrecke kaum betroffen, so ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). "Wir haben keine Meldung über Probleme vorliegen." Die Wertschöpfungskette sei stabil. "Die Masse der Transporte von Zulieferern geht über die Straße", sagt der Sprecher, außerdem seien die Logistiker flexibel. Auch die Logistikbranche erwartet bisher keine Engpässe. Die Auswirkungen auf die Lieferströme seien "nicht so dramatisch", sagt der Sprecher des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Frank Rösch.

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