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Nach Hurrikan in Texas - Houston: Hochwasser weckt Erinnerung an "Katrina"

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Die Rettungskräfte in Houston sind überfordert, und so helfen die Menschen sich gegenseitig: Wer ein Boot besitzt, holt Nachbarn von den Dächern und bringt sie ins Trockene. Viele wohnen schon in Notunterkünften. Die Lage erinnert an die Katastrophe in New Orleans nach Hurrikan "Katrina" 2005.

Die Lage in Houston verschlimmert sich durch Tropensturm „Harvey“ weiter. Starke Überflutungen stürzen die Metropole ins Chaos. Zehntausende Menschen sind plötzlich ohne Unterkunft.

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Eine Großstadt im Ausnahmezustand, das Hochwasser steigt, Tausende Menschen suchen Schutz in einem Kongresszentrum: Erinnerungen an Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 kommen hoch. Damals nahm Houston Einwohner von New Orleans auf, die in ihrer Heimatstadt keinen Platz mehr fanden. Die Behörden in Texas versichern, sie hätten aus "Katrina" ihre Lehren gezogen.

Die Auswirkungen sind gewaltig

Die Auswirkungen des Hurrikans "Harvey" in Houston sind gewaltig. Weite Teile der nach Einwohnern viertgrößten Stadt der USA sind von grau-grünem Wasser bedeckt. Manche Straßen sind nur noch per Boot zu nutzen, in anderen steht das Wasser brusthoch. Rettungskräfte sind mit Hubschraubern und Booten im Einsatz, um Menschen aus ihren Häusern zu retten. Die Notrufe sind jedoch so zahlreich, dass sie kaum nachkommen. Die Behörden können nicht einmal sagen, welche Gebiete am schlimmsten betroffen sind.

Und so machen sich die Menschen selbst auf, um Verwandten, Freunden und Nachbarn zu helfen. Zu den Freiwilligen gehören Tom Bartlett und Steven Craig, die ein Ruderboot zum Haus von Bartletts Mutter ziehen. Die wohnt im Westen von Houston und wartet im ersten Stock ihres Hauses auf Hilfe. Im Erdgeschoss steht das Wasser über einen Meter hoch. Gut 45 Minuten sind die beiden Männer unterwegs, bevor sie die 88-Jährige erreichen.

"Das Wasser war noch nie so hoch"

"Als ich jünger war, habe ich mir immer eine Tochter gewünscht, aber ich habe den besten Sohn der Welt", sagt Marie Bartlett, als ihre Retter ankommen. "Seit 40 Jahren lebe ich hier, aber das Wasser war noch nie so hoch."

Das bestätigt der Nationale Wetterdienst: "Das Ausmaß und die Intensität dieses Regens geht über alles hinaus, was wir bisher erlebt haben", heißt es.

Auch Jesse Gonzalez und sein Sohn sind mit ihrem Boot im Südosten von Houston unterwegs, um Menschen zu helfen. Auf die Frage, was er gesehen habe, sagt der jüngere Gonzalez dem Fernsehsender KTRK: "Viele Menschen, die gehen, und viele Hunde, die schwimmen."

Nicht Betroffene bringen Kleiderspenden und Essen

Als Notunterkunft für die Einwohner von Houston wurde das Kongresszentrum der Stadt geöffnet. Dort kamen 2005 schon "Katrina"-Opfer unter. Gillis Leho trifft im George R. Brown Convention Center vollständig durchnässt ein. Sie sei am Sonntag aufgewacht und das Erdgeschoss sei überflutet gewesen, erzählt sie. Sie habe noch versucht, einige Habseligkeiten nach oben zu bringen, dann habe sie ihre Enkel geschnappt. "Als sie uns sagten, die Flut steigt, mussten wir ein Fenster einschlagen, um rauszukommen", berichtet sie.

Im Kongresszentrum haben hunderte Menschen Schutz gesucht, die meisten haben nur ein paar Besitztümer in Plastiktüten bei sich. Sie rechnen damit, einige Tage bleiben zu müssen, bis die Straßen wieder passierbar sind. Das Rote Kreuz erweitert die Aufnahmekapazitäten stündlich: Bisher stehen 1.300 Betten bereit, Platz ist für etwa 5.000 Menschen. Einwohner, die nicht vom Tropensturm betroffen sind, bringen Spenden wie Kleidungsstücke, Lebensmittel oder Handtücher.

Viele wünschen sich, evakuiert worden zu sein

D'Ona Spears und Brandon Polson kommen mit ihren fünf Kindern aus Clayton Home, einer Anlage des sozialen Wohnungsbaus. Sie entschlossen sich zur Flucht, als das Wasser im Erdgeschoss kniehoch stand. Die Verwaltung der Anlage habe ein Gemeinschaftsgebäude, das trocken geblieben sei, nicht geöffnet, sagt Spears.

Rückblickend sagen viele Hurrikan-Opfer im Kongresszentrum, sie wünschten sich, sie hätten Houston noch rechtzeitig verlassen. Das hatte der texanische Gouverneur Greg Abbott vorgeschlagen, war damit allerdings bei der Verwaltung von Houston auf Ablehnung gestoßen. Eine Anordnung zur Evakuierung der Stadt wurde nicht herausgegeben. Bürgermeister Sylvester Turner erklärte zur Begründung, eine solche Räumung hätte noch mehr Menschen in Gefahr gebracht.

Desiree Mallard widerspricht. Sie wartet vor dem Kongresszentrum mit ihrem fast zwei Jahre alten Sohn im Arm auf Einlass. In den Nachrichten seien die Einwohner aufgefordert worden, in ihren Häusern zu bleiben, also habe sie das getan, sagt Mallard. Schließlich habe sie ihren Sohn auf einer Luftmatratze in Sicherheit bringen müssen. "Ich hätte gehen können, wenn ich gewusst hätte, dass es so schlimm wird, aber ich habe es nicht gewusst", erklärt sie. "Und als es dann schlimm wurde, haben sie gesagt, nun ist es zu spät für eine Evakuierung."

William Cain lacht nur, als er vor dem Kongresszentrum von einem Reporter gefragt wird, ob er lieber früher die Stadt verlassen hätte. "Das ist keine Frage, Mann!"

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