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Nach Missbrauchsskandalen - US-Pfadfinder melden Insolvenz an

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Berichten zufolge gibt es Hunderte Missbrauchsklagen gegen die Boy Scouts of America und Tausende Opfer von sexuellem Missbrauch. Nun müssen die Pfadfinder Insolvenz anmelden.

Das Hauptquartier der Boys Scouts of America.
Das Hauptquartier der Boys Scouts of America.
Quelle: Lm Otero/AP/dpa

Nach hunderten Klagen wegen sexuellen Missbrauchs haben die US-amerikanischen Pfadfinder Insolvenz angemeldet. Mit dem Antrag vom Dienstag soll ein Entschädigungsplan für die Opfer ausgearbeitet und die 110 Jahre alte Organisation Boy Scouts of America zugleich geschützt werden.

Insolvenzantrag verzögert die Klagen

Mehrere tausend Männer haben angegeben als Jungen von Pfadfinderleitern und anderen Verantwortlichen in dem Verband missbraucht worden zu sein. Teilweise reichen die Vorwürfe Jahrzehnte zurück, aber durch eine Änderung im Verjährungsrecht auf US-Staatsebene sind ihnen erst jetzt rechtliche Schritte möglich geworden.

Medienberichten zufolge gibt es Hunderte Missbrauchsklagen gegen die Boy Scouts und Tausende Opfer von sexuellem Missbrauch. Kinder und Jugendliche seien Pornografie ausgesetzt sowie zum Anal- und Oralverkehr gezwungen worden, meldete der Sender CNN.

Insgesamt sollen mehr als 7.800 Pfadfinderführer in einem Zeitraum von 72 Jahren (1944 bis 2016) mehr als 12.000 Opfer missbraucht haben. Laut CNN übersteigen die Verbindlichkeiten des Verbandes, dessen Mitgliederzahl schrumpft, die Vermögenswerte um ein Vielfaches.

Mit dem Gang vors Insolvenzgericht werden die Klagen nun zuerst auf Eis gelegt. Letztlich könnte es aber sein, dass die Scouts Besitztümer wie etwa Zeltanlagen verkaufen müssen, um die Entschädigungssummen zu zahlen. Sie könnten möglicherweise auf über eine Milliarde Dollar steigen.

Mission der Boy-Scouts erhalten

Nichts könne den erlittenen Missbrauch rückgängig machen, sagte Verbandspräsident Roger Mosby. Durch den Insolvenzantrag und den damit verbundenen Vorschlag zur Vermögensverwaltung könnten aber alle Opfer entschädigt und die "wichtige Mission" des Verbands erhalten werden.

Lokale Pfadfinder setzen derweil ihr Programm für Kinder fort, wie die Scouts sagten. Die Ortsvereine hätten keine Insolvenz angemeldet, da sie rechtlich eigenständige Organisationen seien.

Es gibt eine Menge sehr wütender und verärgerter Männer da draußen.
Paul Mones, Opferanwalt

"Sie werden den Boy Scouts nicht erlauben, ohne ein Offenlegen ihrer Vermögen davonzukommen", sagte Opferanwalt Paul Mones. "Sie wollen, dass kein Stein auf dem anderen bleibt."

Der Verband ist die jüngste US-Institution, die wegen sexueller Missbrauchsvorwürfe in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Katholische Diözesen und Hochschulen wie Penn State und Michigan State haben in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Dollar Entschädigung an Opfer gezahlt.

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