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Nach Online-Angriff - Wohnungsdurchsuchung in Datenklau-Affäre

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Nach dem Hackerangriff auf Politiker und Prominente hat das Bundeskriminalamt eine Wohnung in Heilbronn durchsucht. Der Bewohner werde als Zeuge behandelt, so die Behörde.

In der Datenklau-Affäre soll es eine Durchsuchung gegeben haben.
In der Datenklau-Affäre soll es eine Durchsuchung gegeben haben.
Quelle: Nicolas Armer/dpa

Nach den massiven Online-Angriffen auf rund 1.000 Politiker und Prominente haben Ermittler das Bundeskriminalamts (BKA) die Wohnung eines Zeugen in Heilbronn durchsucht. Die Aktion fand am Sonntag statt, wie das BKA am Montag beim Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. "Die #Ermittlungen zum #Datenleak laufen weiter auf Hochtouren", hieß es. Zuvor hatten des ARD-Politikmagazin "Kontraste" und das Inforadio des rbb über die Durchsuchung berichtet.

19-Jähriger wurde wohl befragt

Der Mann sei 19 Jahre alt, er werde als Zeuge in dem Verfahren zu dem Datenklau geführt, hieß es in den Medienberichten. Er soll im IT-Bereich arbeiten und erklärt haben, seit langem mit dem Hacker in Kontakt zu stehen, der für den am Freitag bekanntgewordenen Datendiebstahl und die Veröffentlichung von teils sehr privaten Daten von Politikern und Prominenten wie Mobilfunknummern und E-Mail-Adressen im Internet verantwortlich sein solle. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Account im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitet.

Analysen hätten ergeben, dass vereinzelte kompromittierte Datensätze bereits 2018 wegen Datenmissbrauchs bei der Polizei zur Anzeige gebracht worden seien und sich in den vorliegenden Listen wiederfänden, erklärte das BKA. Im Auftrag der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main sei eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) eingerichtet worden, erklärte das BKA.

"Cyber-Abwehrzentrum plus" angekündigt

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will im Tagesverlauf mit dem Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, und BKA-Präsident Holger Münch über den Fall beraten. Das Ministerium kündigte Verbesserungen in der Abwehr entsprechender Attacken an. Das Cyber-Abwehrzentrum, das im konkreten Fall die Ermittlungen führe, werde verbessert, "ein Cyber-Abwehrzentrum plus" werde in den nächsten Monaten konkret ins Werk gesetzt, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) am Montag am Rande der Jahrestagung des Beamtenbundes dbb in Köln. Das Cyber-Abwehrzentrum ist Teil der Cyber-Sicherheitsstrategie der Regierung und soll die operative Zusammenarbeit der Behörden optimieren sowie Schutz- und Abwehrmaßnahmen koordinieren. Das Innenressort werde in den nächsten Monaten zudem einen Entwurf für ein zweites IT-Sicherheitsgesetz vorlegen, so Mayer weiter. 

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Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) will nach dem Datendiebstahl mögliche Gesetzesverschärfungen prüfen. "Einen derartigen Angriff müssen wir zum Anlass nehmen, sehr genau auszuloten, ob schon alles getan ist, um eine bestmögliche Datensicherheit zu gewährleisten", sagte Bär dem "Handelsblatt". Die Überlegungen müssten in alle Richtungen gehen. "Insofern ist es auch legitim zu prüfen, ob Softwarehersteller und Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden müssen", sagte Bär.

Habeck fordert "Cyber-Polizei"

Politiker von SPD, Grünen und FDP hatten infrage gestellt, ob die Behörde rasch genug reagiert habe. Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck forderte am Montagmorgen in der ARD eine bessere Ausrüstung und Ausbildung der Polizei für solche Delikte. Man brauche eine "Cyber-Polizei", sagte er. "Wenn eingebrochen wird, muss man auch den Täter fangen. Und wenn jetzt nichts passiert, dann wird das eine Ermutigung für alle anderen sein, weiter einzubrechen in unsere Daten", warnte Habeck. "Die Polizei muss ertüchtigt werden, solche Leute zu fassen."

Habeck ist einer der Hauptbetroffenen der Veröffentlichung der gestohlenen Daten. Als er davon erfahren habe, sei seine erste Reaktion "eine Art Panik" gewesen, berichtete er. Die gesamte persönliche Kommunikation mit seiner Familie sei plötzlich auf irgendwelchen rechten Seiten im Internet nachlesbar gewesen. "Das ist so, als ob einem die Liebesbriefe der letzten zehn Jahre geklaut werden und alle beugen sich darüber und sagen 'Na mal gucken, was er da alles noch so hat'." Als Konsequenz steigt Habeck bei Twitter und Facebook aus.

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