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USA setzen auf Deeskalation - Trump: "Wollen, dass Sie eine großartige Zukunft haben"

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Nach Angriffen Irans setzt der US-Präsident auf Deeskalation. Er droht zwar mit Sanktionen - bietet aber Atomgespräche an. Außenminister Maas sieht das im ZDF als "gutes Signal".

Wir wollen, dass Sie eine Zukunft, eine großartige Zukunft haben - eine, die Sie verdienen, eine des Wohlstandes zu Hause und der Harmonie mit den Nationen der Welt.
US-Präsident Trump

Die Spannung war riesig vor der Ansprache an die Nation inmitten des eskalierenden Iran-Konflikts. Und Donald Trump ließ sich Zeit. Knapp eine halbe Stunde Verspätung hatte der US-Präsident, als er am Tag nach den iranischen Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak im Weißen Haus ans Mikrofon trat. Schnell wurde klar: Anstelle einer weiteren Eskalation setzt Trump vorerst auf Deeskalation. Bei den Angriffen seien keine US-Bürger zu Schaden gekommen, sagte Trump am Mittwoch in einer Fernsehansprache. Er kündigte neue Wirtschaftssanktionen, jedoch keine militärische Reaktion an.

Der Iran scheine in dem Konflikt zurückzuweichen, sagte Trump. "An die Menschen und Anführer im Iran" gewandt sagte der US-Präsident: "Wir wollen, dass Sie eine Zukunft, eine großartige Zukunft haben - eine, die Sie verdienen, eine des Wohlstandes zu Hause und der Harmonie mit den Nationen der Welt."

Verschnaufpause, aber noch kein Schlusspunkt

Es ist eine Verschnaufpause in einem Konflikt, der sich schnell zu einem Krieg ausweiten könnte - aber noch lange kein Schlusspunkt. "Wir hatten keine Opfer, alle unsere Soldaten sind in Sicherheit und es entstand nur minimaler Schaden an unseren Militärstützpunkten", sagte der von seinen Generälen flankierte Präsident über die Raketenangriffe. Der Iran scheine nachzugeben, "was eine gute Sache für alle Beteiligten und eine sehr gute Sache für die Welt ist". Trump kündigte neue Sanktionen gegen den Iran an - nicht aber einen Vergeltungsangriff. Er sei gar bereit für einen "Frieden" mit dem Iran, der ein "großartiges Land" sein könne.

Der Raketenbeschuss in der Nacht auf Mittwoch war Teherans erste militärische Antwort - und zugleich für alle Seiten eine Möglichkeit, gesichtswahrend eine Deeskalation einzuleiten.

Tötung nicht tatenlos hingenommen hat

Der Iran setzte ein Zeichen, dass er Soleimanis Tötung nicht tatenlos hingenommen hat. Zugleich blieben die Auswirkungen auf die USA minimal, kein US-Soldat wurde getötet oder verletzt. Trumps erste Antwort fiel entsprechend zurückhaltend aus: "Alles ist gut", schrieb er nach den Raketenangriffen im Kurzbotschaftendienst Twitter. Beschimpfungen oder Drohungen - in Trumps Twitter-Welt wahrlich keine Seltenheit - blieben aus.

Fest steht: Trump hat keinerlei Interesse an einem Krieg mit dem Iran. Der Präsident hat die US-Militäreinsätze im Nahen Osten und in Afghanistan immer wieder scharf kritisiert und will US-Soldaten eigentlich nach Hause holen. Ausgerechnet im Wahljahr 2020, in dem Trump eine zweite Amtszeit anstrebt, einen Krieg mit dem mächtigen Gegner Iran anzuzetteln, kann ihm eigentlich nur schaden.

Maas im ZDF: Türen für Gespräche wieder geöffnet

Wenn das ein Signal ist, dass jetzt keine Bomben mehr verschickt werden, dann wäre das ein außerordentlich gutes Signal.
Außenminister Maas im ZDF

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) äußerte nach Trumps Erklärung die Hoffnung, "dass es dabei bleibt und dass jetzt die Türen für Gespräche wieder geöffnet werden". Es sei ein gutes Zeichen, dass Trump seine Bereitschaft zu neuen Gesprächen mit den Europäern und dem Iran erklärt habe. "Wenn das ein Signal ist, dass jetzt keine Bomben mehr verschickt werden, dann wäre das ein außerordentlich gutes Signal", sagte Maas im ZDF.

Der Iran hatte in der Nacht zum Mittwoch insgesamt 22 Raketen auf die Militärstützpunkte in Ain al-Assad im Westirak und in Erbil im Norden des Landes abgefeuert. Teheran reagierte damit auf die gezielte Tötung des ranghohen iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA am vergangenen Freitag. Auf den Stützpunkten sind Soldaten aus den USA sowie anderen Mitgliedstaaten der US-geführten Militärkoalition gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) stationiert.

Militärs vor Ort vor Angriffen gewarnt

Nach norwegischen Militärangaben waren die Militärs vor Ort durch Geheimdienstkanäle im Vorfeld vor den drohenden Angriffen gewarnt worden. Opfer gab es nicht. In Erbil sind auch knapp 120 Bundeswehrsoldaten stationiert. Sie kamen nicht zu Schaden. Die Bundeswehr prüft nach Angaben des Verteidigungsministeriums dennoch einen Teilabzug aus Erbil. Zuvor hatte die Bundeswehr bereits 35 Soldaten aus dem zentralirakischen Tadschi sowie der Hauptstadt Bagdad nach Jordanien und Kuwait verlegt.

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete die Raketenangriffe als "Ohrfeige" für die USA. Weitere Racheaktionen für den Tod Soleimanis könnten folgen. Trump verteidigte die Tötung des Generals in seiner Fernsehansprache: Dieser sei "der Top-Terrorist der Welt" gewesen und hätte "schon vor langer Zeit erledigt werden sollen". Gleichzeitig wandte der US-Präsident sich an den Iran und erklärte, er sei "bereit zum Frieden mit allen, die diesen suchen".

Iran: Angemessene "Selbstverteidigungsmaßnahmen"

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte, es habe sich um angemessene "Selbstverteidigungsmaßnahmen" gehandelt. Der Iran strebe keine "Eskalation oder Krieg" an, versicherte Sarif. Doch werde sich sein Land "gegen jegliche Aggression verteidigen". Die pro-iranischen Al-Schaabi-Milizen im Irak kündigten eigene Angriffe auf die US-Armee an. International wurden die iranischen Raketenangriffe verurteilt.

Die Bundesregierung verurteilte die "Aggression aufs Schärfste". Auch die Nato, Frankreich und Großbritannien übten scharfe Kritik. Der irakische Präsident Barham Saleh verurteilte die Angriffe ebenfalls und erklärte, sein Land weise Versuche zurück, den Irak "in ein Schlachtfeld" zu verwandeln. Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan riefen die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Sie appellierten an alle Beteiligten, "zurückhaltend und vernünftig zu handeln und der Diplomatie Vorrang einzuräumen."

Airlines meiden Luftraum

Angesichts der angespannten Lage in der Region kündigten zahlreiche Fluggesellschaften an, den Luftraum über dem Iran und dem Irak vorerst zu meiden. Die US-Luftfahrtaufsicht verbot Airlines aus den USA den Überflug über die gesamte Golfregion. Auch die Lufthansa leitete am Mittwoch ihre Flüge um. Von Donnerstag an sollen Lufthansa-Maschinen die iranische Hauptstadt Teheran aber wieder anfliegen.

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