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Nach Ausstieg aus Atomabkommen - Ölpreis steigt - Benzin wird teurer

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Die Ölpreise sind auf ein Jahreshoch geklettert. Nachdem US-Präsident Trump das Atomabkommen mit Iran gekündigt hat, dürften die saudische und die US-Ölindustrie profitieren.

Ölraffinerie in Saudi-Arabien bei Nacht
Ölraffinerie in Saudi-Arabien bei Nacht
Quelle: colourbox

Wer mit dem Auto in das Wochenende vereisen will, muss tief in die Tasche greifen. Denn die Preise an den Tankstellen haben in dieser Woche Jahreshöchststände erreicht. Der Grund: Die Ölpreise an den Weltmärkten haben ebenfalls Jahreshochs erreicht; sie sind sogar auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Der aktuelle Anstieg ist die Folge davon, dass Donald Trump einseitig das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt hat.

Ölkartell verknappt das Angebot

Während die Welt angespannt verfolgt, welche Folgen dieser Schritt des unkalkulierbaren Mannes im Weißen Haus haben wird, befürchten Akteure an den Finanzmärkten zunächst einmal, dass weniger Öl aus Iran auf die Weltmärkte fließen wird. Zwischen gut einer halben Million und einer Million Fässer (Barrel) pro Tag taxieren Experten die Förderung des Iran. Fällt sie weg, wird das Ölangebot definitiv knapper. Und geht es nach Trump, wird dies kommen: "Wir werden die höchste Stufe an Wirtschaftssanktionen einführen", stellte Trump rigoros klar.

Doch die schroffe Linie der US-Regierung ist nicht der einzige Grund für die steigenden Ölpreise. Seit 2017 bereits hat das Erdölkartell Opec Förderquoten beschlossen. Damit haben die Opec-Länder im Verbund mit Russland das Ziel höherer Ölpreise verfolgt - und offensichtlich mit einigem Erfolg umgesetzt.

So haben die Ölpreise bereits in den vergangenen Monaten stark zugelegt. Verglichen mit ihrem Tief zu Beginn des Jahres 2016 hat sich der Preis für das schwankungsvolle Mineral mehr als verdoppelt. Aktuell kostet die Nordseesorte Brent fast wieder 80 Dollar pro Fass. Druck übt auf die Preise zudem aus, dass Venezuela weniger Öl fördert und exportiert. Das Land sitzt auf riesigen Vorräten des schwarzen Goldes, leidet allerdings unter einer dramatischen Wirtschaftskrise.

Trumps Säbeltanz in Saudi Arabien

"Die hohen Ölpreise treffen die deutsche Wirtschaft erheblich, vor allem die Industrie", sagt Martin Lück, Chefvolkswirt in Deutschland beim weltweit größten Vermögensverwalter Blackrock. Es gibt in der allgemeinen Gemengelage allerdings auch eine gute Nachricht: Die meisten Experten rechnen nicht damit, dass die Ölpreise noch dramatisch weiter ansteigen werden, sollten die Dinge bleiben, wie sie sind. Und es gibt Faktoren, die dämpfend auf die Ölpreise wirken.

Saudi-Arabien beispielsweise hat sich angeboten, gerne in die Bresche springen zu können, sollte der Ölfluss aus Iran durch neue Sanktionen stoppen. "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet", erklärte ein Vertreter des saudischen Energieministeriums. Mit der Entscheidung meint er jene des US-Präsidenten, Iran aus der Gleichung der Weltwirtschaft wieder heraus zu nehmen. Dass diese Erklärung nicht unbedingt altruistisch gemeint ist, liegt auf der Hand - die saudische Ölindustrie darf sich freuen. Nicht umsonst hat Donald Trump vor ziemlich genau einem Jahr einen Säbeltanz im saudischen Königshaus mitgemacht - seither ist es mit dem Ölpreis fast wie am Schnürchen nach oben gegangen.

US-Fracking lohnt sich wieder

Doch auch die USA haben ihre Interessen. So ist bekannt, dass deren Ölförderung sich erst lohnt, wenn der Ölpreis über rund 50 Dollar liegt. Der Grund ist die umstrittene Fracking-Technologie. Das Verfahren ist nicht nur umweltschädlich, sondern auch kostenintensiv. Bei den derzeitigen Ölpreisen jedenfalls ist Fracking wieder lukrativ. Vermutlich werden die USA in den kommenden Monaten zum Ölförderstaat Nummer eins weltweit aufsteigen. Eine Win-Win-Situation nach einträchtigem Säbeltanz mit den Saudis. Übrigens kämpfen Iran und Saudi-Arabien unter anderem auf dem Schlachtfeld in Syrien um die Vorherrschaft in der Region.             

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