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Nach US-Vorwürfen - BSI lobt Kooperation mit Software-Firma Kaspersky

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Aus Angst vor zu großer Nähe zum Kreml und zum russischen Geheimdienst hat Washington beschlossen, Anti-Viren-Software der russischen Firma Kaspersky zu boykottieren. Berlin wiederum hat mit einer Kooperation keine Probleme. Allerdings sei "momentan keine Software im Einsatz".

Russlands Präsident Putin hat nach Überzeugung der amerikanischen Geheimdienste eine Kampagne zur Manipulation der jüngsten US-Wahl angeordnet. Die etablierten Parteien in Deutschland rechnen mit einem neuen Gegner der von außen Einfluss nehmen will.

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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die seit Jahren gute und "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit dem russischen Antivirensoftware-Hersteller Kaspersky Lab hervorgehoben. Erkenntnisse des Unternehmens flössen nach Analyse und Bewertung durch das BSI bei Bedarf auch in die Lagebilder des BSI ein, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Die Bundesverwaltung nutze derzeit keine Produkte des russischen Anbieters.

Angeblich direkte Verbindungen

Die US-Regierung hatte zuvor ihren Bundesbehörden die Benutzung von Software des russischen Software-Konzerns Kaspersky Lab verboten. Das Unternehmen ist auf Sicherheits- und Anti-Viren-Programme spezialisiert. Die Software wird auch in Deutschland häufig genutzt.

"Das BSI weiß die Zusammenarbeit und die hochwertigen Analysen von Kaspersky zu schätzen", teilte die deutsche Behörde auf Anfrage mit. "Kaspersky Lab hat sich in verschiedenen Fällen als verlässlicher und kompetenter Partner erwiesen." Die Behörde habe keinen Anlass zu vermuten, dass Kaspersky Labs russische Cyber-Aktivitäten bewusst ignorieren würde. Eine Reihe wichtiger russischer Cyber-Spionage-Kampagnen habe das Unternehmen vielmehr als erstes veröffentlicht und detailliert beschrieben.

Besorgt über mögliche Verbindungen

Das US-Heimatschutzministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, es sei besorgt über mögliche Verbindungen zwischen Firmenvertretern und russischen Geheimdiensten. Es bestehe das Risiko, dass die russische Regierung den Zugang über Kaspersky-Produkte ausnutzen könne, um Informationssysteme der US-Behörden zu kompromittieren, hieß es in einer Mitteilung.

Die Firmenzentrale von Kaspersky in Moskau reagierte empört auf die Vorwürfe und wies sie zurück. Die russische Botschaft in Washington warf den US-Behörden Russenfeindlichkeit vor. "Mit Erschrecken beobachten wir die täglichen Berichte über die russophobische Front in den USA", teilte die Vertretung der Agentur Interfax zufolge mit.

Die Kritik, Kaspersky könne Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben, ist nicht neu. Sie begleitet das Unternehmen fast seine 20-jährige Geschichte lang. Genährt werden die Vermutungen durch die Biografie des Gründers und Chefs Eugène Kaspersky, der nach seiner Ausbildung als Kryptografie-Experte damals auch beim sowjetischen
Geheimdienst KGB tätig war.

Umfassenden Zugang auf Dateien

Die Sicherheitssoftware von Kaspersky gewähre umfassenden Zugang auf Dateien und Administrationsrechte von Computern, auf denen sie installiert sei, erklärte das US-Ministerium. Die Behörden hätten 60 Tage Zeit, um Pläne zu entwickeln, wie die Benutzung der Programme gestoppt werden könne, und 90 Tage, um diese umzusetzen. Man habe Kaspersky die Gelegenheit gegeben, zu den Bedenken Position zu
beziehen. Zuvor hatte bereits die US-Handelskette Best Buy Kaspersky-Produkte aus dem Sortiment geworfen.

Die Stellungnahme des Unternehmens ließ nicht lange auf sich warten. "Angesichts der Tatsache, dass Kaspersky Lab keine politischen Verbindungen zu Staaten unterhält, sind wir ziemlich enttäuscht von der Entscheidung des US-Heimatschutzministeriums", sagte ein Konzern-Sprecher in der Nacht zum Donnerstag der Agentur Interfax.

"Falsche Vorwürfe und ungenaue Annahmen"

Die Anschuldigungen seien "komplett unbegründet" und beruhten auf "falschen Vorwürfen und ungenauen Annahmen", sagte Unternehmens-Chef Eugène Kaspersky am Donnerstag laut einer Mitteilung. Das Unternehmen werde aber weiter mit den US-Behörden zusammenarbeiten, um zu zeigen, dass der Verdacht unbegründet sei.

Kaspersky mache mehr als 85 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Russland, hieß es weiter. Eine unangebrachte Zusammenarbeit mit einer Regierung würde sich deshalb automatisch nachteilig auf die Unternehmensergebnisse auswirken.

"Etappe im Wirtschaftskrieg"

Der russische Dumaabgeordnete Leonid Lewin verurteilte die Entscheidung der USA als "Etappe im Wirtschaftskrieg gegen russische Unternehmen". Weitere Maßnahmen Washingtons seien nicht ausgeschlossen, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für
Informationspolitik.

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist so schlecht wie schon lange nicht mehr. In den vergangenen Wochen hatte sich zwischen beiden Ländern ein Streit um diplomatische Vertretungen hochgeschaukelt. Auslöser waren neue Sanktionen der USA gegen Russland. Diese hatte die Regierung von Präsident Donald Trump auf Drängen des Kongresses verhängt. Senat und Repräsentantenhaus wollten den Kreml damit auch für die mutmaßlich russische Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl abstrafen. US-Geheimdienste werfen Moskau unter anderem vor, hinter Hackerangriffen auf Computer der Demokraten während des Wahlkampfes zu stehen.

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