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Nachfolger-Suche im Handwerk - Im Extremfall noch mit 85 zur Baustelle

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Viele Handwerksmeister lassen sich viel Zeit bei der Betriebsübergabe, doch Versäumnisse können das Lebenswerk zerstören. Experten raten daher, die Nachfolge frühzeitig zu planen.

Älterer Mann bei Malerarbeiten
In den kommenden Jahren suchen rund 200.000 Handwerksbetriebe einen Nachfolger. Viele kümmern sich zu spät oder gar nicht um eine Betriebsübergabe.
Quelle: imago

Nicht jeder Handwerker ist mit solch einer Kondition gesegnet wie jener 85-jährige niedersächsische Maurermeister, der Katharina Meier zu einem beruflichen Schlüsselerlebnis verhalf. Die besorgte Frau des Maurers hatte die Nachfolge-Beraterin der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade zu einem Gespräch gebeten. Als der Mann aber von der Baustelle kam, fragte er Meier ganz erstaunt: "Was wollen Sie von mir?" Aus und vorbei!? Der Mann dachte schlicht nicht ans Aufhören.

Vielen Handwerkern fällt das Loslassen schwer

Katharina Meier lacht, als sie von dem Erlebnis berichtet, das zwei Dinge verdeutliche: Erstens: Handwerker sind nie zu alt, um ihren Beruf auszuüben. Zweitens: Viele Handwerksmeister haben es nicht eilig mit der Betriebsübergabe. Oft wird ein Mangel geeigneter Nachfolger als Grund genannt - und tatsächlich ist die nachrückende Generation zahlenmäßig kleiner und hat beruflich auch andere Möglichkeiten.

Meier, die seit mehr als fünf Jahren Betriebsinhaber bei der Nachfolgersuche berät, berichtet aber auch von emotionalen Hürden. "Vielen Handwerkern fällt es sehr schwer, ihr Lebenswerk loszulassen, weil ihnen eine persönliche Alternative fehlt." Ein Leben ohne Betrieb erscheine den meisten unmöglich. "Die Arbeit ist der Lebensinhalt, für den sie brennen", sagt Meier. Ihr Rat an die Inhaber lautet deshalb aber: "Schauen Sie frühzeitig, welche fähigen Menschen in Ihrer Umgebung Ihr Lebenswerk weiterführen könnten."

200.000 Betriebsübergaben in den kommenden fünf Jahren

In der Region Braunschweig-Lüneburg-Stade sind zwei Drittel der Handwerksinhaber 55 Jahre und älter. Das heißt: Allein dort steht das Thema Nachfolge bei 21.000 Betrieben auf der Agenda. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) haben bundesweit 200.000 handwerkliche Betriebsinhaber - und damit jeder Fünfte - das 60. Lebensjahr erreicht oder überschritten; etwa 90.000 von ihnen sind älter als 65 Jahre.

Alles rund ums Handwerk wird auf der Internationalen Handwerksmesse in München präsentiert. Bis zum 13. März zeigen mehr als 1.000 Aussteller aus über 30 Ländern ihre neuesten Produkte. Und über allem schwebt der Geist der Digitalisierung.

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In den kommenden fünf bis sechs Jahren suchen dem ZDH zufolge voraussichtlich etwa 200.000 Handwerksbetriebe einen Nachfolger. Hunderttausende Arbeits- und Ausbildungsplätze hängen daran. Versäumnisse können schlimmstenfalls zu Betriebsaufgaben und Jobverlusten führen, warnt der ZDH. Auch auf der Internationalen Handwerksmesse in München steht deshalb "die nächste Generation" im Mittelpunkt.

"Handwerker geben ihren Betrieb nicht in irgendwelche Hände"

Die Branche wirbt mit "glänzenden Karriereaussichten für junge Leistungsträger", die nun beste Chancen hätten, einen Betrieb zu übernehmen. Die Handwerksorganisationen bieten dabei umfangreiche Hilfe; so unterstützen sie die Onlinebörse "Nexxt-Change", um Firmeninhaber und Nachfolger zusammenzubringen. Zudem begleiten sie den Übergabeprozess, helfen beim Finden eines fairen Preises und betreuen auf Wunsch den Start des Übernehmers.

Betriebsübergaben an externe Interessenten sind bei vielen Handwerkern aber bislang nur dritte Wahl. Inhaber bevorzugen nach wie vor einen Nachfolger aus der Familie - in etwa der Hälfte der Fälle übernimmt ein Familienmitglied den Betrieb. Ist das nicht möglich, kommt als zweite Option ein fähiger Mitarbeiter infrage. "Handwerker geben ihren Betrieb nicht in irgendwelche Hände - menschlich muss es zwischen Inhaber und Nachfolger stimmen", sagt Beraterin Katharina Meier.

Glücksfall reibungslose Betriebsübergabe

Bei Tobias Drabandt und seinem ehemaligen Chef hat die Chemie gestimmt. Der 39-jährige Heizungsbauer aus Thüringen hat nach dreijähriger Übergangsphase im vergangenen Sommer einen Traditionsbetrieb in Jena übernommen - und diesen Schritt noch keine Sekunde bereut: "Das war das Beste, was ich machen konnte", sagt er. "Der Betrieb ist kerngesund, hat einen guten Namen, ein eingespieltes Team und einen großen Kundenstamm. Alles läuft rund - was will man mehr", sagt Drabandt zufrieden.

Dankbar sei er dafür, dass der Alteigentümer "so gut loslassen konnte". Der Handwerker will dem Beispiel eines Tages folgen und hat damit bereits eine der wichtigsten Regeln beim Thema Betriebsübergabe verinnerlicht: die Nachfolge frühzeitig planen. "Wenn alles klappt, wie ich es mir wünsche, übernimmt mein Sohn Elias den Betrieb in 15 Jahren", sagt Drabandt. "Sonst muss ein Mitarbeiter ran!"

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